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Grauhörnchen

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Sciurus carolinensis
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Hörnchen (Sciuridae)
  • Gattung: Eichhörnchen (Sciurus)
  • Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Parks, Gärten, urbane Grünflächen
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 23–30 cm, Schwanzlänge 19–25 cm
  • Gewicht: 400–710 g
  • Lebenserwartung: 6–12 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 20 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Das Grauhörnchen ist deutlich kräftiger gebaut als das in Europa heimische Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Sein dichtes Fell ist überwiegend grau gefärbt, wobei die Bauchseite weißlich bis cremefarben erscheint. Entlang der Flanken können bräunliche oder rötliche Tönungen auftreten, besonders im Sommerfell. Im Winter wird das Haarkleid dichter und länger, behält aber seine grundsätzlich graue Färbung bei. Melanistische Individuen – also vollständig schwarz gefärbte Tiere – treten regional gehäuft auf, etwa in Teilen Nordamerikas und Großbritanniens.

Der buschige Schwanz dient als Balancierhilfe beim Klettern, als Steuerruder bei weiten Sprüngen und als wärmendes Polster im Schlaf. Die Ohren sind kürzer und runder als beim Europäischen Eichhörnchen und tragen keine Haarpinsel. Die kräftigen Hinterbeine ermöglichen Sprünge von mehreren Metern zwischen Ästen. Wie alle Nagetiere besitzen Grauhörnchen stetig nachwachsende Schneidezähne, die durch die Nahrungsaufnahme abgenutzt und so in funktionaler Länge gehalten werden.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Grauhörnchens umfasst den Osten und Mittleren Westen Nordamerikas – von der kanadischen Provinz Saskatchewan bis nach Florida und von der Atlantikküste bis zu den Great Plains. Bevorzugtes Habitat sind ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit hohem Anteil an Eichen, Hickory-Bäumen und Walnussbäumen, deren Früchte die Nahrungsgrundlage bilden.

Durch gezielte Aussetzungen im 19. und 20. Jahrhundert hat sich die Art in mehreren Regionen außerhalb ihres natürlichen Areals etabliert. In Großbritannien wurde das Grauhörnchen ab 1876 eingeführt und hat dort das heimische Europäische Eichhörnchen aus weiten Teilen Englands und Wales verdrängt. Auch in Irland, Italien (Piemont) und Südafrika existieren eingeführte Populationen. In diesen Gebieten gilt die Art als invasiver Neozoon, der einheimische Ökosysteme erheblich verändert.

Grauhörnchen zeigen eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an menschliche Siedlungsräume. Parks, Friedhöfe, Universitätsgelände und Vorstadtgärten werden ebenso besiedelt wie naturnahe Biotope, sofern ein ausreichendes Baumangebot vorhanden ist.

Ernährung

Das Nahrungsspektrum des Grauhörnchens ist breit und saisonal variabel. Hauptbestandteile sind Eicheln, Bucheckern, Nüsse, Samen und Baumknospen. Im Frühjahr ergänzen Blüten, junge Triebe und gelegentlich Rinde den Speiseplan. Im Sommer kommen Beeren, Pilze und Früchte hinzu. Tierische Nahrung spielt eine untergeordnete, aber durchaus vorhandene Rolle: Insekten, Vogeleier und selten auch Nestlinge werden gelegentlich aufgenommen.

Eine zentrale Überlebensstrategie ist das Anlegen von Nahrungsverstecken. Im Herbst vergraben die Tiere einzelne Nüsse und Eicheln an zahlreichen verschiedenen Stellen im Boden – ein Verhalten, das als Scatter-Hoarding bezeichnet wird. Nicht alle Verstecke werden wiedergefunden, sodass vergessene Samen keimen und zur Waldverjüngung beitragen. Das Wiederauffinden der Depots erfolgt über Geruchssinn und räumliches Gedächtnis.

Verhalten & Lebensweise

Grauhörnchen sind tagaktiv mit Aktivitätsschwerpunkten in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden. Einen echten Winterschlaf halten sie nicht, doch bei extremer Kälte können sie mehrere Tage in ihrem Nest verbleiben und von den angelegten Vorräten zehren.

Die Tiere leben nicht in festen Sozialverbänden, sondern sind überwiegend einzelgängerisch. Dennoch gibt es lockere Überlappungen der Streifgebiete, und an ergiebigen Nahrungsquellen werden Artgenossen toleriert. Die Reviergröße variiert je nach Nahrungsangebot zwischen 0,5 und 10 Hektar. Die Kommunikation erfolgt über eine Reihe von Lautäußerungen – darunter Warnrufe, Schnalzlaute und Schwanzzucken – sowie über Duftmarkierungen an Ästen und Stämmen.

Als Schlaf- und Ruheplätze dienen zwei Nesttypen: Der Kobel (Dreys), eine kugelförmige Konstruktion aus Zweigen und Blättern in Astgabeln, sowie Baumhöhlen, die vor allem im Winter bevorzugt werden und besseren Schutz vor Witterung bieten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit erstreckt sich auf zwei Perioden pro Jahr: Dezember bis Februar und Mai bis Juni. Mehrere Männchen verfolgen dabei ein paarungsbereites Weibchen in auffälligen Verfolgungsjagden durch das Geäst – eine Form der Balz, bei der das dominanteste oder ausdauerndste Männchen den Zuschlag erhält.

Nach einer Tragzeit von etwa 44 Tagen bringt das Weibchen zwei bis sechs Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen lediglich 13–18 Gramm. Die Augen öffnen sich nach rund fünf Wochen. Die Mutter säugt die Jungen etwa acht bis zehn Wochen lang und zieht sie allein auf – der Vater beteiligt sich nicht an der Aufzucht. Mit etwa zwölf Wochen verlassen die