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Güster

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Blicca bjoerkna
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Gattung: Blicca
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer Europas
  • Größe: 15–30 cm, maximal bis 45 cm
  • Gewicht: 100–500 g, selten über 1 kg (Rekord ca. 1,5 kg)
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Güster ist ein hochrückiger, seitlich stark abgeflachter Schwarmfisch mit silbrig glänzenden Schuppen. Ihr Körper erinnert auf den ersten Blick stark an den eng verwandten Brassen (Abramis brama), mit dem sie häufig verwechselt wird. Bei genauerer Betrachtung lassen sich jedoch mehrere Unterscheidungsmerkmale feststellen.

Das Maul der Güster ist endständig bis leicht unterständig und deutlich kleiner als beim Brassen. Während der Brassen sein Maul rüsselartig vorstülpen kann, ist diese Fähigkeit bei der Güster kaum ausgeprägt. Die Augen sind im Verhältnis zur Kopfgröße auffallend groß – ein verlässliches Erkennungsmerkmal. Die Iris zeigt häufig einen gelblichen bis rötlichen Schimmer.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Brassen sind die Brustflossen und Bauchflossen: Sie weisen bei der Güster an der Basis einen deutlich rötlichen bis orangefarbenen Ansatz auf, während die Flossen des Brassen durchgehend grau bis dunkel gefärbt sind. Die Afterflosse ist kürzer als beim Brassen und besitzt weniger Flossenstrahlen (19–23 gegenüber 24–30 beim Brassen). Die Schuppen sind relativ groß; entlang der Seitenlinie zählt man 44–48 Stück.

Jungfische sind schlank und nehmen mit zunehmendem Alter die charakteristische hochrückige Körperform an. Zur Laichzeit entwickeln die Männchen einen feinen Laichausschlag auf Kopf und Körper.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Güster erstreckt sich über weite Teile Europas – von Frankreich im Westen bis zum Ural im Osten, von Südskandinavien bis zum nördlichen Balkan. In Deutschland kommt sie in nahezu allen größeren Flusssystemen vor, darunter Elbe, Oder, Donau, Rhein und Weser sowie in den Seen des norddeutschen Tieflands und der Alpenvorlandseen.

Als typischer Bewohner der Brassen- und Bleiregion bevorzugt die Güster stehende bis langsam fließende Gewässer. Ihr bevorzugtes Habitat sind nährstoffreiche (eutrophe) Seen, Altarme, Stauseen, Kanäle und die Unterläufe großer Flüsse. Besonders wohl fühlt sie sich in Bereichen mit weichem, schlammigem Grund und dichter Unterwasservegetation. Stark strömende Gewässerabschnitte meidet sie. In Brackwasserzonen der Ostsee, etwa in den Boddengewässern und Haffs, kommt sie ebenfalls vor und zeigt damit eine gewisse Salztoleranz.

Ernährung

Die Güster ist ein Allesfresser (Omnivore) mit Schwerpunkt auf tierischer Nahrung. Ihr Nahrungsspektrum umfasst vor allem Zuckmückenlarven (Chironomiden), kleine Schnecken, Würmer, Wasserasseln und andere wirbellose Bodentiere (Benthos). Ergänzend nimmt sie pflanzliche Kost auf, darunter Algenaufwuchs, Detritus und gelegentlich Teile höherer Wasserpflanzen.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend am Gewässergrund, wo die Güster mit ihrem kleinen Maul gezielt einzelne Organismen aus dem Sediment aufnimmt. Da sie ihr Maul nicht so weit vorstülpen kann wie der Brassen, ist sie beim Gründeln weniger effizient und weicht daher teilweise auf andere Nahrungsquellen im Mittelwasser aus. In Gewässern, in denen beide Arten gemeinsam vorkommen, kommt es zu einer gewissen Nischenaufteilung.

Verhalten & Lebensweise

Die Güster ist ein ausgeprägter Schwarmfisch. Sie lebt ganzjährig in teils großen Gruppen, wobei die Schwärme häufig aus Tieren ähnlicher Größe bestehen. Nicht selten bildet sie gemischte Schwärme mit Brassen, Rotaugen (Rutilus rutilus) oder Rotfedern (Scardinius erythrophthalmus).

Ihre Aktivität ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sich die Schwärme oft in tieferen Wasserschichten oder im Schutz von Pflanzenbeständen auf und ziehen erst in den Abendstunden in flachere Uferzonen zur Nahrungssuche. Im Winter reduziert die Güster ihre Aktivität deutlich und überwintert in tieferen Bereichen der Gewässer, häufig in dichten Ansammlungen.

Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist bei der Güster nicht bekannt. Sie verhält sich gegenüber Artgenossen und anderen Friedfischen friedlich und zeigt keinerlei territoriale Aggression außerhalb der Laichzeit.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit fällt in die Monate Mai bis Juli, wenn die Wassertemperatur 15–20 °C erreicht. Die Güster laicht in flachen, pflanzenreichen Uferzonen, Überflutungsflächen und Altarmen. Die Fortpflanzung findet meist in großen Gruppen statt, wobei die Laichschwärme erheblichen Lärm durch Platschen und Wühlen an der Oberfläche verursachen können.

Die Weibchen geben je nach Körpergröße zwischen 20.000 und 100.000 klebrige Eier ab, die an Wasserpflanzen, Wurzeln oder anderem Substrat haften. Die Eier sind mit einem Durchmesser von etwa 1–1,5 mm relativ klein. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur 4–10 Tage. Die frisch geschlüpften Larven zehren zunächst von ihrem Dottersack, bevor sie nach wenigen Tagen mit der aktiven Nahrungsaufnahme