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Hamburger

H

Rassen > Hühnerrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Norddeutschland / England (umstritten)
  • Rassestandard: BDRG (Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter), Europäischer Standard (EE)
  • Gewicht Hahn: 2,0 – 2,5 kg
  • Gewicht Henne: 1,5 – 2,0 kg
  • Legeleistung: ca. 120 – 170 Eier pro Jahr
  • Eigewicht: ca. 48 – 55 g
  • Eierfarbe: weiß
  • Lebenserwartung: 6 – 9 Jahre
  • Gefiederfarben: Silberlack, Goldlack, Silbersprenkel, Goldsprenkel, Schwarz, Weiß
  • Kammform: Rosenkamm

Herkunft & Geschichte

Die Herkunft des Hamburger Huhns ist seit Jahrhunderten Gegenstand einer lebhaften Debatte zwischen deutschen und britischen Züchtern. Der Name legt eine Abstammung aus der Hansestadt Hamburg nahe, und tatsächlich wurden bereits im 17. Jahrhundert Hühner dieses Typs an den norddeutschen Küsten gehalten und über den Hamburger Hafen nach England verschifft. Die Engländer entwickelten die Rasse unter dem Namen „Hamburg" oder „Hamburgh" züchterisch weiter und verfeinerten insbesondere die Zeichnungsvarianten. Historisch betrachtet verschmolzen in der Rasse vermutlich Landhuhnschläge aus Norddeutschland, den Niederlanden und Nordengland – darunter die sogenannten „Moonies" und „Pheasant Fowl" aus Yorkshire und Lancashire.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte das Hamburger Huhn auf Geflügelausstellungen in England große Popularität. Die prachtvollen Zeichnungsmuster – insbesondere die Lack- und Sprenkelzeichnungen – machten die Rasse zu einem Liebling der Ausstellungszüchter. In Deutschland nahm sich der BDRG der Standardisierung an. Heute gilt das Hamburger Huhn als eine der ältesten und elegantesten europäischen Hühnerrassen, wird aber vergleichsweise selten gehalten. Einige Farbenschläge gelten als gefährdet, weshalb sich engagierte Zuchtverbände und Erhaltungszüchter um den Fortbestand bemühen.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Hamburger Huhn ist ein mittelgroßes, schlankes und ausgesprochen elegantes Huhn mit aufrechter, stolzer Haltung. Der Körperbau ist gestreckt, leicht nach hinten abfallend, mit einer gut entwickelten Brust und einem relativ langen Rücken. Die Figur wirkt insgesamt feingliedrig und sportlich – ein typisches Merkmal, das auf die Abstammung von leichten Landhühnern verweist.

Besonders charakteristisch ist der flache, fest anliegende Rosenkamm, der nach hinten in einen sogenannten Dorn ausläuft. Dieser Kamm ist ein wesentliches Rassemerkmal und unterscheidet das Hamburger Huhn deutlich von vielen anderen Rassen. Die Ohrscheiben sind groß, glatt und reinweiß – ein weiteres untrügliches Kennzeichen. Die Augen sind dunkelrot bis rotbraun, der Schnabel hornfarbig bis dunkel.

Das Gefieder liegt straff am Körper an und zeichnet sich durch einen seidigen Glanz aus. Die berühmtesten Farbenschläge sind der Silberlack und der Goldlack, bei denen jede Feder eine präzise schwarze Tupfung am Federende aufweist. Die Sprenkelzeichnungen zeigen hingegen eine gleichmäßige Verteilung kleiner schwarzer Tupfen über das gesamte Gefieder. Diese exakten Zeichnungsmuster stellen hohe Anforderungen an die Zucht und sind ein Hauptkriterium bei der Bewertung auf Ausstellungen nach dem geltenden Rassestandard.

Die Läufe sind schieferblau bis bleigrau und unbefiedert. Der Schwanz wird vom Hahn hoch und sichelförmig getragen, was die elegante Gesamterscheinung unterstreicht.

Charakter & Wesen

Hamburger Hühner sind lebhafte, wachsame und ausgesprochen temperamentvolle Tiere. Sie besitzen einen starken Bewegungsdrang und sind hervorragende Futtersucher. Ihr Wesen ist aufmerksam und etwas eigenständig – zahm werden sie in der Regel nur bei intensiver Beschäftigung und ruhigem Umgang von klein auf. Verglichen mit schweren Rassen wie Orpingtons oder Brahmas sind Hamburger deutlich scheuer und flugfreudiger.

Innerhalb der Gruppe zeigen sie ein harmonisches Sozialverhalten. Die Hähne sind zwar wachsam und territorial, aber selten übermäßig aggressiv gegenüber dem Menschen. Hennen sind aktiv, neugierig und unermüdlich auf Nahrungssuche. Wer ein ruhiges Schoßhuhn sucht, wird mit dem Hamburger Huhn nicht glücklich – wer jedoch lebendige, charakterstarke Hühner mit Persönlichkeit schätzt, findet in dieser Rasse eine faszinierende Begleiterin.

Haltung & Pflege

Aufgrund ihres ausgeprägten Bewegungsdrangs brauchen Hamburger Hühner viel Auslauf. Reine Stallhaltung oder beengte Volieren sind für diese Rasse ungeeignet. Ein großzügiger, naturnaher Freilauf mit Büschen, Bäumen und Wiese entspricht ihrem Naturell am besten. Die Tiere sind exzellente Flieger, weshalb Zäune mindestens 1,80 Meter hoch sein sollten – oder der Auslauf muss übernetzt werden.

Die Gefiederpflege ist unkompliziert. Das straff anliegende Gefieder verschmutzt selten und trocknet nach Regen schnell. Der Rosenkamm ist deutlich weniger frostempfindlich als ein Stehkamm, was die Rasse für die Haltung in norddeutschen und mitteleuropäischen Wintern gut geeignet macht. Ein trockener, zugfreier Stall mit ausreichend Sitzstangen reicht als Nachtquartier aus.

Hamburger Hühner brüten selten selbst. Wer Nachwuchs anstrebt, sollte eine Kunstbrut einplanen oder eine brutfreudige Ammenrasse einsetzen. Die Küken sind robust und entwickeln sich bei angemessener Versorgung zügig