Hammerhai
HTierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sphyrna (Gattung), bekannteste Art: Sphyrna mokarran (Großer Hammerhai)
- Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
- Familie: Hammerhaie (Sphyrnidae)
- Gattungen: Sphyrna (8 Arten), Eusphyra (1 Art)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Meere weltweit, küstennahe Gewässer bis offener Ozean
- Größe: Je nach Art 0,9 m (Korona-Hammerhai) bis 6,1 m (Großer Hammerhai)
- Gewicht: Bis zu 580 kg (Großer Hammerhai)
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre, beim Großen Hammerhai bis zu 40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Hammerhaie gehören zu den am leichtesten identifizierbaren Haiarten überhaupt. Ihr namensgebendes Merkmal ist der seitlich stark verbreiterte Kopf, das sogenannte Cephalofoil. Diese hammerförmige Struktur variiert je nach Art erheblich: Beim Großen Hammerhai (Sphyrna mokarran) verläuft die Vorderkante nahezu gerade, während sie beim Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini) deutlich gerundet ist. Der Flügelkopfhai (Eusphyra blochii) besitzt die extremste Ausprägung – sein Kopf kann fast die Hälfte der gesamten Körperlänge einnehmen.
Die Augen sitzen an den äußeren Enden des Cephalofoils, wodurch Hammerhaie ein ungewöhnlich weites binokulares Sichtfeld besitzen. Über die gesamte Unterseite des verbreiterten Kopfes erstrecken sich die Lorenzinischen Ampullen – Elektrorezeptoren, die schwache elektrische Felder von Beutetieren registrieren. Der restliche Körper gleicht dem typischer Grundhaie: stromlinienförmig, mit grauer bis olivgrüner Oberseite und weißlicher Bauchseite (Konterschattierung). Die erste Rückenflosse ist hoch und sichelförmig, die Brustflossen verhältnismäßig kurz. Die Haut ist mit Placoidschuppen bedeckt, die der Oberfläche eine raue Textur verleihen und den Strömungswiderstand reduzieren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Hammerhaie umfasst tropische und warmgemäßigte Meeresregionen zwischen etwa 40° nördlicher und 37° südlicher Breite. Sie kommen im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean vor, vereinzelt auch im Mittelmeer. Ihr Habitat reicht von flachen Küstengewässern, Korallenriffen und Flussmündungen bis in Tiefen von über 500 Metern. Bogenstirn-Hammerhaie bevorzugen tagsüber tiefere Wasserschichten an Kontinentalschelfen und kommen nachts in flachere Zonen zur Nahrungssuche.
Einige Arten unternehmen saisonale Wanderungen. Bogenstirn-Hammerhaie ziehen im Sommer in höhere Breitengrade, um kühlere, nährstoffreichere Gewässer zu nutzen. Bekannte Aggregationsgebiete liegen vor den Galápagos-Inseln, der Cocos-Insel (Costa Rica) und im Golf von Kalifornien. Diese Zusammenkünfte stehen häufig in Zusammenhang mit Meeresströmungen, die Nahrung heranführen, sowie mit Putzerstationen, an denen kleinere Fische Parasiten von der Haut der Haie entfernen.
Ernährung
Hammerhaie sind Raubfische mit einem breiten Nahrungsspektrum. Zu ihrer Beute zählen Knochenfische, Kopffüßer, Krebstiere und andere Knorpelfische, einschließlich kleinerer Haie und Rochen. Besonders der Große Hammerhai hat sich auf die Jagd nach Stechrochen spezialisiert, die er mit seinem breiten Kopf am Meeresboden fixiert, bevor er zubeißt. In Mägen erlegter Exemplare fanden sich regelmäßig die Stacheln von Stechrochen, ohne dass dies dem Hai erkennbar geschadet hätte.
Die hammerförmige Kopfstruktur dient bei der Nahrungssuche als hochempfindlicher Detektor: Die breit verteilten Lorenzinischen Ampullen ermöglichen es dem Hai, im Sand eingegrabene Beutetiere aufzuspüren. Durch seitliches Schwenken des Kopfes über den Meeresboden kann er die Lage verborgener Beute präzise triangulieren.
Verhalten & Lebensweise
Hammerhaie zeigen ein für Haie ungewöhnliches Sozialverhalten. Besonders der Bogenstirn-Hammerhai bildet tagsüber große Schwärme von mehreren Hundert bis über Tausend Individuen, was bei pelagischen Haien eine Ausnahme darstellt. Die Funktion dieser Aggregationen ist nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden hydrodynamische Vorteile, Schutz vor größeren Prädatoren, soziale Interaktionen zur Paarungsanbahnung und Orientierungshilfe bei Wanderungen.
Innerhalb dieser Schwärme wurde eine Rangordnung beobachtet, wobei größere Weibchen die zentralen Positionen einnehmen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend in der Dämmerung und nachts, wenn sich die Schwärme auflösen und die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen jagen. Der Große Hammerhai hingegen lebt überwiegend solitär und durchstreift große Reviere.
Fortpflanzung & Aufzucht
Hammerhaie sind wie die meisten Grundhaie vivipar – die Jungtiere entwickeln sich im Mutterleib und werden lebend geboren. Nach einer Tragzeit von acht bis zwölf Monaten, je nach Art, bringt ein Weibchen zwischen 6 und 50 Jungtiere zur Welt. Beim Bogenstirn-Hammerhai sind Würfe von 15 bis 30 Jungtieren üblich, beim Großen Hammerhai eher 6 bis 42.
Die Embryonen werden zunächst über einen Dottersack ernährt, der sich im Verlauf der Entwicklung zu einer dottersackähnlichen Plazenta (Dottersackplazenta) umbildet und eine Verbindung zur Uteruswand des Muttertieres herstellt. Die Jungtiere messen bei der Geburt je nach Art 30 bis 70