Hamster
HTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cricetinae (Unterfamilie)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Wühler (Cricetidae)
- Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
- Gattungen/Arten: ca. 7 Gattungen mit rund 20 Arten, darunter Feldhamster (Cricetus cricetus), Goldhamster (Mesocricetus auratus), Dsungarischer Zwerghamster (Phodopus sungorus)
- Lebensraum: Steppen, Halbwüsten, Grasland, Agrarflächen
- Größe: 5–34 cm Körperlänge je nach Art
- Gewicht: 25–900 g je nach Art
- Lebenserwartung: 1,5–4 Jahre (je nach Art; in Gefangenschaft teils etwas länger)
Aussehen & Merkmale
Hamster sind kompakt gebaute Nagetiere mit kurzem Schwanz, rundlichem Körper und relativ kurzen Beinen. Der Kopf ist breit, die Augen sind groß und dunkel, die Ohren je nach Art klein bis mittelgroß und abgerundet. Das Fell ist dicht und weich, die Farbgebung variiert stark zwischen den Arten: Der Feldhamster trägt eine auffällige dreifarbige Zeichnung mit brauner Oberseite, schwarzem Bauch und weißen Flankenflecken, während der Goldhamster ein gleichmäßigeres goldbraunes Fell mit hellerer Unterseite zeigt. Zwerghamster der Gattung Phodopus besitzen ein graubraunes Rückenfell mit einem charakteristischen dunklen Aalstrich entlang der Wirbelsäule.
Das auffälligste anatomische Merkmal aller Hamster sind die namensgebenden Backentaschen, die sich als dehnbare Hauteinstülpungen von den Wangen bis zu den Schultern erstrecken. Mit ihrer Hilfe können die Tiere große Mengen Futter transportieren – beim Feldhamster bis zu 50 Gramm pro Füllung. Die Nagezähne (Incisivi) wachsen wie bei allen Rodentia zeitlebens nach und werden durch ständiges Nagen abgenutzt und geschärft.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Hamster erstreckt sich von Westeuropa über Zentralasien bis nach Nordchina. Der Feldhamster besiedelt als einzige europäische Art Löss- und Lehmböden in offenen Landschaften, vor allem Agrarflächen, Steppen und Waldränder. Sein Habitat reicht von Belgien und dem Elsass bis in die Steppen Kasachstans. Die meisten übrigen Arten – darunter der Goldhamster, verschiedene Zwerghamster und der Chinesische Streifenhamster (Cricetulus griseus) – bewohnen trockene Steppen, Halbwüsten und Gebirgssteppen Vorderasiens und Zentralasiens.
Allen Arten gemeinsam ist die Bindung an grabfähige Böden, in denen sie ihre unterirdischen Bauten anlegen. Die Biotope sind typischerweise offen, trocken und vegetationsarm bis mäßig bewachsen. Feuchtgebiete und geschlossene Wälder werden gemieden.
Ernährung
Hamster sind überwiegend Pflanzenfresser mit einem deutlichen Anteil tierischer Kost. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Samen, Getreidekörnern, Gräsern, Kräutern, Wurzeln und Knollen. Ergänzend fressen sie Insekten, Larven, Würmer und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie junge Mäuse oder Eidechsen. Der Feldhamster nutzt in Mitteleuropa intensiv Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste und Rüben.
Ein zentrales Element der Ernährungsstrategie ist das Hamstern – das Anlegen umfangreicher Vorratslager im Bau. Feldhamster tragen mit ihren Backentaschen im Herbst teils mehrere Kilogramm Getreide in ihre Vorratskammern ein. Diese Reserven sichern das Überleben während des Winterschlafs und in den futterarmen Frühjahrswochen nach dem Erwachen.
Verhalten & Lebensweise
Hamster sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbleiben sie in ihren selbst gegrabenen Erdbauten, die je nach Art und Bodenbeschaffenheit unterschiedlich komplex aufgebaut sind. Der Bau des Feldhamsters kann bis zu zwei Meter tief reichen und verfügt über getrennte Kammern für Nestplatz, Vorräte und Kot sowie über mehrere Zugänge – darunter einen senkrechten Fallgang, der als Fluchtröhre dient.
Hamster sind ausgesprochene Einzelgänger. Außerhalb der Paarungszeit verteidigen sie ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen. Bei Bedrohung können sie sich aufblähen, die Backentaschen mit Luft füllen, fauchen und zubeißen. Der Feldhamster ist für sein ausgesprochen wehrhaftes Verhalten bekannt und geht selbst deutlich größeren Feinden gegenüber zum Angriff über.
In Regionen mit kalten Wintern halten Hamster einen Winterschlaf, der beim Feldhamster von Oktober bis März dauern kann. Die Körpertemperatur sinkt dabei auf wenige Grad über dem Gefrierpunkt, Herzschlag und Atmung werden stark reduziert. Periodisch wachen die Tiere auf, um von ihren Vorräten zu fressen, bevor sie erneut in die Torporphase eintreten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit liegt in den gemäßigten Breiten zwischen April und August. Weibchen können pro Saison zwei bis drei Würfe hervorbringen. Die Tragzeit ist mit 15 bis 22 Tagen – je nach Art – ausgesprochen kurz. Die Wurfgröße variiert erheblich: Zwerghamster bringen durchschnittlich 4–8 Jungtiere zur Welt, Feldhamster häufig 6–12, in Einzelfällen bis zu 20.
Die Jungtiere kommen nackt, blind und hilflos zur Welt. Die Augen öffnen sich nach etwa zwei Wochen. Die Aufzucht übernimmt ausschließlich das Weibchen, das die Jungen rund drei Wochen lang säugt. Danach werden die Jungtiere selbstständig und verlassen den mütterlichen Bau. Die Geschlechtsreife tritt je nach Art bereits im Alter von vier bis acht Wochen ein, was eine rasche Populationszunahme unter günstigen