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Haselmaus

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Muscardinus avellanarius
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Bilche (Gliridae)
  • Gattung: Muscardinus
  • Lebensraum: Laubmischwälder, Heckenlandschaften, strukturreiche Waldränder
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 6–9 cm, Schwanzlänge 5,5–7,5 cm
  • Gewicht: 15–40 g (vor dem Winterschlaf bis 40 g)
  • Lebenserwartung: 3–4 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 6 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Haselmaus ist eines der kleinsten europäischen Nagetiere und der einzige Vertreter der Gattung Muscardinus. Trotz ihres Namens ist sie keine echte Maus, sondern gehört zur Familie der Bilche (Gliridae), zu der auch der Siebenschläfer (Glis glis) und die Gartenschlafmaus (Eliomys quercinus) zählen. Von diesen Verwandten unterscheidet sie sich durch ihre deutlich geringere Körpergröße.

Das Fell der Haselmaus ist oberseits gleichmäßig gelblich-braun bis orangebraun gefärbt und auf der Unterseite heller, meist gelblich-weiß. Die Augen sind verhältnismäßig groß und dunkel, die Ohren klein und abgerundet. Ein charakteristisches Merkmal ist der buschig behaarte Schwanz, der annähernd die Länge des Körpers erreicht und beim Klettern als Balancierhilfe dient. Die Pfoten sind mit gebogenen Krallen ausgestattet, die einen sicheren Griff an Ästen und Zweigen ermöglichen. Zwischen den Geschlechtern besteht kein ausgeprägter Dimorphismus – Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Haselmaus erstreckt sich über weite Teile Europas, von Südengland und Südskandinavien über Mittel- und Südeuropa bis in die Türkei und zum Kaukasus. In Deutschland kommt sie vor allem in den mittleren und südlichen Landesteilen vor, fehlt jedoch weitgehend in der Norddeutschen Tiefebene.

Als Habitat bevorzugt die Haselmaus strukturreiche Laubmischwälder mit dichtem Unterholz, artenreiche Heckenlandschaften und Waldränder mit ausgeprägter Strauchschicht. Entscheidend für die Eignung eines Biotops ist ein vielfältiges Angebot an beerentragenden und nussbildenden Sträuchern wie Hasel, Brombeere, Schlehe und Weißdorn. Reine Nadelwälder oder ausgeräumte Agrarlandschaften werden gemieden. Die Art ist auf vernetzte Gehölzstrukturen angewiesen, da sie den Boden nur ungern überquert und sich bevorzugt in der Strauch- und Baumschicht bewegt. Verinselter Lebensraum – etwa durch Straßenbau oder Flurbereinigung isolierte Waldstücke – stellt daher ein erhebliches Problem dar.

Ernährung

Die Haselmaus ist ein Allesfresser mit saisonaler Verschiebung des Nahrungsspektrums. Im Frühjahr ernährt sie sich vorwiegend von Blütenpollen, Nektar und Knospen. Im Sommer bilden Insekten, deren Larven sowie Beeren die Hauptnahrung. Im Herbst stehen energiereiche Haselnüsse, Bucheckern und andere Samen im Vordergrund, die für den Aufbau der Fettreserven vor dem Winterschlaf unerlässlich sind.

Charakteristisch ist die Art und Weise, wie die Haselmaus Haselnüsse öffnet: Sie nagt ein rundes, glattwandiges Loch in die Schale, wobei an der Lochkante parallele Zahnspuren sichtbar bleiben. Dieses typische Fraßbild dient in der Feldbiologie als zuverlässiger Nachweis für das Vorkommen der Art in einem Gebiet und unterscheidet sich deutlich von den Fraßspuren anderer Nagetiere wie Rötelmaus oder Eichhörnchen.

Verhalten & Lebensweise

Die Haselmaus ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag in kugelförmigen Nestern, die sie aus Gras, Blättern, Moos und Rindenstücken in der Strauchschicht errichtet – meist in 1–2 Metern Höhe. Gelegentlich nutzt sie auch Baumhöhlen, Nistkästen oder verlassene Vogelnester. Die Art lebt einzelgängerisch; feste Reviere werden nicht verteidigt, doch die individuellen Streifgebiete sind mit etwa 0,5 bis 1 Hektar relativ klein.

Eine zentrale Eigenschaft der Haselmaus ist ihr ausgedehnter Winterschlaf, der je nach Region und Witterung von Oktober bis April dauern kann – also bis zu sechs Monate. Damit hat die Haselmaus einen der längsten Winterschlafphasen unter den europäischen Säugetieren. Das Winternest wird bodennah oder direkt auf dem Waldboden unter Laub, Moos oder Totholz angelegt. Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur auf etwa 1–5 °C, der Herzschlag verlangsamt sich drastisch, und der Stoffwechsel wird auf ein Minimum reduziert. Die vor dem Winterschlaf angefressenen Fettreserven sind überlebenswichtig: Tiere, die im Herbst kein ausreichendes Gewicht von mindestens 15–17 g erreichen, überleben den Winter häufig nicht.

Auch während der Aktivitätsphase kann die Haselmaus bei Kälteeinbrüchen in einen mehrtägigen Torpor – eine vorübergehende Kältestarre – verfallen, um Energie zu sparen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit beginnt nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf, meist im Mai oder Juni. Die Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen. Nach einer Tragzeit von 22 bis 24 Tagen bringt das Weibchen drei bis sieben Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen nur etwa 1–2 g. Sie werden im Brutnest gesäugt und öffnen nach rund 18 Tagen die Augen. Mit etwa 30 bis 35 Tagen sind die Jungen entwöhnt und verlassen das Nest, bleiben aber zunächst noch im Umfeld der Mutter.

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