Hausratte
HTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rattus rattus
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
- Gattung: Ratten (Rattus)
- Lebensraum: Gebäude, Dachböden, Lagerhäuser, Häfen; ursprünglich tropische und subtropische Wälder
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 16–24 cm, Schwanzlänge 17–26 cm
- Gewicht: 150–250 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 3 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Die Hausratte ist schlanker und leichter gebaut als die eng verwandte Wanderratte (Rattus norvegicus), mit der sie häufig verwechselt wird. Ihr Fell ist an der Oberseite dunkelbraun bis schwarz gefärbt, die Unterseite variiert je nach Unterart von grau bis weißlich. Die Ohren sind groß, dünnhäutig und nahezu unbehaart – ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal zur Wanderratte, deren Ohren kleiner und dicker ausfallen. Die großen, dunklen Augen deuten auf die vorwiegend nachtaktive Lebensweise hin.
Ein weiteres diagnostisches Merkmal ist der Schwanz: Er ist stets länger als der Körper, gleichmäßig beschuppt und mit feinen Haaren besetzt. Bei der Wanderratte ist der Schwanz dagegen kürzer als die Kopf-Rumpf-Länge. Die Schnauze der Hausratte wirkt spitzer und schmaler. Die Hinterfüße sind verhältnismäßig lang und mit gut entwickelten Sohlenballen versehen, die dem Tier hervorragende Kletterfähigkeiten verleihen.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Hausratte liegt in Süd- und Südostasien, wo die Art in tropischen und subtropischen Waldhabitaten vorkommt. Von dort aus breitete sie sich bereits in der Antike als Kulturfolger entlang von Handelsrouten nach Europa, Afrika und in den Nahen Osten aus. Mit der europäischen Seefahrt ab dem 15. Jahrhundert gelangte sie schließlich auch nach Amerika, Australien und auf zahlreiche ozeanische Inseln. Heute gilt die Hausratte als nahezu kosmopolitisch verbreitet.
In Mitteleuropa besiedelt die Hausratte vorwiegend trockenwarme Bereiche in menschlichen Siedlungen. Sie bevorzugt erhöhte Strukturen wie Dachstühle, Speicher und obere Stockwerke von Gebäuden – daher rührt ihr volkstümlicher Name Dachratte. Auch in Hafenanlagen, auf Schiffen und in Lagerhäusern findet sie geeignete Biotope. Im Gegensatz zur Wanderratte meidet sie Kanalisation und feuchte Keller weitgehend. In wärmeren Klimazonen lebt die Art auch freilebend in Gärten, Plantagen und lichten Wäldern.
In Deutschland ist die Hausratte seit Jahrzehnten stark rückläufig. Moderne Bauweisen mit geschlossenen Dachkonstruktionen und die Konkurrenz durch die größere, durchsetzungsstärkere Wanderratte haben dazu geführt, dass die Art in vielen Regionen verschwunden ist. In einigen Bundesländern steht sie inzwischen auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
Ernährung
Die Hausratte ernährt sich omnivor, zeigt aber eine deutliche Präferenz für pflanzliche Kost. Getreide, Früchte, Samen und Nüsse bilden den Hauptteil ihrer Nahrung. Ergänzend frisst sie Insekten, Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere. In menschlicher Nähe nimmt sie bereitwillig Lebensmittelvorräte aller Art an. Im Vergleich zur Wanderratte ist die Hausratte bei der Nahrungswahl wählerischer und trinkt mehr Wasser, weshalb sie trockene Nahrung weniger gut verwerten kann.
Als Vorratsschädling verursacht die Hausratte wirtschaftliche Schäden, die über den reinen Fraß hinausgehen: Durch Kot, Urin und Nageaktivität kontaminiert und zerstört sie Lebensmittel in Lagern und Speichern.
Verhalten & Lebensweise
Die Hausratte ist überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Sie lebt in sozialen Gruppen, die aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungtieren bestehen. Innerhalb dieser Gruppen herrscht eine stabile Rangordnung, die durch Körperhaltung, Lautäußerungen und gelegentliche Auseinandersetzungen aufrechterhalten wird. Die Tiere kommunizieren über Ultraschalllaute, Duftmarkierungen und taktile Signale.
Eine herausragende Eigenschaft der Hausratte ist ihre Kletterfähigkeit. Sie bewegt sich mühelos an senkrechten Wänden, Kabeln und Dachbalken entlang und springt bis zu einem Meter weit. Ihr langer Schwanz dient dabei als Balancierhilfe. Nester legt sie bevorzugt in erhöhten Positionen an – in Dachstühlen, Zwischendecken, Baumhöhlen oder dichten Hecken. Als Nistmaterial verwendet sie Papier, Stoff, Isoliermaterial und Pflanzenfasern.
Das Revier einer Gruppe wird durch Urinmarkierungen abgegrenzt. Gegenüber artfremden Eindringlingen und fremden Artgenossen zeigen Hausratten ausgeprägte Territorialität. Der Wanderratte weicht die Hausratte allerdings in der Regel aus, da sie ihr körperlich unterlegen ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Hausratte pflanzt sich ganzjährig fort, wobei in gemäßigten Breiten ein Schwerpunkt in den wärmeren Monaten liegt. Nach einer Tragzeit von etwa 21 bis 23 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich fünf bis acht Jungtiere zur Welt. Pro Jahr sind drei bis fünf Würfe möglich, unter günstigen Bedingungen auch mehr.
Die Neugeborenen sind nackt, blind und vollständig auf die mütterliche Fürsorge angewiesen. Ihre Augen öffnen sich nach etwa 14 Tagen. Nach drei bis vier Wochen werden die Jungen entwöhnt und beginnen, feste Nahrung aufzunehmen. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit etwa drei bis vier