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Heringshai

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Tierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lamna nasus
  • Ordnung: Makrelenhaiartige (Lamniformes)
  • Familie: Makrelenhaie (Lamnidae)
  • Gattung: Lamna
  • Lebensraum: Gemäßigte bis kühle Meeresgewässer, pelagisch und küstennah
  • Größe: Durchschnittlich 1,5–2,5 m, maximal bis 3,5 m
  • Gewicht: 60–135 kg, in Ausnahmefällen über 200 kg
  • Lebenserwartung: Ca. 25–45 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Heringshai besitzt einen kräftigen, spindelförmigen Körper, der hydrodynamisch auf schnelles Schwimmen ausgelegt ist. Die Oberseite ist dunkel blaugrau bis schiefergrau gefärbt, während die Bauchseite scharf abgegrenzt weiß erscheint. Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal ist der weiße Fleck an der Hinterkante der Rückenflosse, der ihn von verwandten Arten wie dem Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus) unterscheidet.

Die Schnauze ist konisch zugespitzt, die Augen verhältnismäßig groß. Das Gebiss besteht aus schmalen, glatten Zähnen mit kleinen Seitenzähnchen an der Basis – eine Anpassung an das Ergreifen glitschiger Beutefische. Die Schwanzflosse ist halbmondförmig (lunatenförmig) und nahezu symmetrisch, was für die Familie der Lamnidae typisch ist. Am Schwanzstiel befinden sich ausgeprägte Seitenkiele, die bei hohen Schwimmgeschwindigkeiten für Stabilität sorgen. Die Haut ist mit feinen Placoidschuppen (Hautzähnchen) bedeckt, die den Strömungswiderstand verringern.

Eine weitere Schwanzflosse im Miniaturformat – die sogenannte Sekundärkiel-Struktur unterhalb des Hauptkiels – gilt als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Mako-Hai.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Heringshais erstreckt sich über weite Teile des Nordatlantiks und der Südhemisphäre. Im Nordatlantik reicht sein Habitat von der Küste Nordamerikas über Grönland und Island bis zu den Gewässern Nordwesteuropas einschließlich Nord- und Ostsee-Zufahrten. Auf der Südhalbkugel kommt er zirkumpolar vor – in den kühlen Gewässern um Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland. In den Tropen fehlt er weitgehend; dort wird seine ökologische Nische durch andere Lamniden besetzt.

Der Heringshai bevorzugt gemäßigte bis kalte Wassertemperaturen zwischen 2 und 18 °C. Er ist sowohl in küstennahen Schelfgebieten als auch im offenen Ozean (pelagisch) anzutreffen und nutzt Tiefen von der Oberfläche bis etwa 700 Meter. Saisonale Wanderungen sind belegt: Im Sommer dringt er in höhere Breiten und flachere Küstengewässer vor, im Winter zieht er sich in tiefere, wärmere Wasserschichten zurück.

Ernährung

Die Nahrung des Heringshais besteht überwiegend aus Knochenfischen mittlerer Größe. Heringe, Makrelen, Sardinen, Dorsche und Seelachse bilden den Hauptanteil seiner Beute – der deutsche Trivialname leitet sich unmittelbar von dieser Vorliebe ab. Daneben erbeutet er Kopffüßer wie Kalmare und gelegentlich kleinere Haie. Jungfische ernähren sich zunächst von kleineren pelagischen Fischen und Wirbellosen.

Als aktiver Jäger nutzt der Heringshai seine hohe Schwimmgeschwindigkeit, um Fischschwärme gezielt zu verfolgen. Dabei stößt er mitunter in dichte Schwarmformationen vor und frisst dort koordiniert, wobei mehrere Individuen gleichzeitig an einem Schwarm jagen können – ein Verhalten, das gelegentlich als lockere Gruppenbildung beschrieben wird, ohne dass es sich um feste soziale Verbände handelt.

Verhalten & Lebensweise

Der Heringshai gehört zu den endothermen Haiarten. Wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) und die Mako-Haie besitzt er ein Wundernetz-System (rete mirabile), das über einen Gegenstrom-Wärmetauscher die Körpertemperatur um bis zu 10 °C über die Umgebungstemperatur anheben kann. Diese Fähigkeit zur regionalen Endothermie ermöglicht es ihm, auch in kalten Gewässern hohe Muskelleistung zu erbringen und effizient zu jagen.

Heringshaie sind überwiegend tagaktiv, können aber zu jeder Tageszeit Nahrung suchen. Sie gelten als vergleichsweise wenig aggressiv gegenüber dem Menschen; dokumentierte Zwischenfälle sind extrem selten und in der Regel harmlos. Es gibt vereinzelte Beobachtungen von spielerischem Verhalten: Heringshaie wurden dabei beobachtet, wie sie Tangbüschel oder andere Objekte im Maul herumtragen und sich gegenseitig nachjagen – ein Verhalten, das in der Fachliteratur als ungewöhnlich für Haie gilt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Heringshai ist ovovivipar mit intrauteriner Oophagie. Die Embryonen entwickeln sich im Uterus der Mutter und ernähren sich nach dem Aufbrauchen ihres Dottersacks von unbefruchteten Nähreiern, die das Weibchen weiterhin produziert. Diese Form der Ernährung im Mutterleib ist typisch für die gesamte Ordnung der Lamniformes.

Die Tragzeit beträgt etwa acht bis neun Monate. Pro Wurf kommen in der Regel vier Jungtiere zur Welt – jeweils zwei pro Uterushorn. Die Neugeborenen messen bei der Geburt bereits 60 bis 80 Zentimeter und sind sofort selbstständig; eine elterliche Fürsorge findet nicht statt. Die Geschlechtsreife tritt bei Männchen mit etwa 8 Jahren ein, bei Weibchen erst mit 12 bis 13 Jahren. Diese späte Reproduktionsreife in Kombination mit der geringen Nachkommenzahl macht die Art besonders anfällig für Überfischung.

Bedrohung & Schutzstatus