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Hermelin

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Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Mustela erminea
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Marder (Mustelidae)
  • Gattung: Mustela (Wiesel und Nerze)
  • Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, Waldränder, Hecken, Wiesen, Agrarlandschaften, Gebirgsregionen bis etwa 3.400 m Höhe
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 17–33 cm, Schwanzlänge 4–12 cm
  • Gewicht: Männchen 150–320 g, Weibchen 100–200 g
  • Lebenserwartung: 2–3 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 7 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Hermelin gehört zu den kleineren Vertretern der Familie der Marder (Mustelidae) und zeigt den für Wiesel typischen langgestreckten, schlanken Körperbau mit kurzen Beinen. Dieser Körperbau ermöglicht es dem Tier, in Gänge und Bauten von Nagetieren einzudringen. Der Kopf ist flach und dreieckig, die Augen sind rund und dunkel, die Ohren klein und abgerundet.

Das Fell des Hermelins durchläuft einen auffälligen jahreszeitlichen Farbwechsel. Im Sommer ist die Oberseite rotbraun gefärbt, die Unterseite scharf abgegrenzt weiß bis gelblichweiß. Im Winter – sofern das Tier in Regionen mit regelmäßiger Schneedecke lebt – wird das gesamte Fell reinweiß. Dieses weiße Winterfell wurde historisch als Hermelinpelz bezeichnet und in der europäischen Herrschaftssymbolik vielfach verwendet. Ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal ist die schwarze Schwanzspitze, die sowohl im Sommer- als auch im Winterfell erhalten bleibt und das Hermelin vom kleineren Mauswiesel (Mustela nivalis) unterscheidet, dem dieses Merkmal fehlt.

Zwischen Männchen und Weibchen besteht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus: Männchen sind im Durchschnitt etwa 50 Prozent schwerer als Weibchen und entsprechend größer.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Hermelins erstreckt sich über weite Teile der nördlichen Hemisphäre. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis Skandinavien und Osteuropa vor, in Asien bis nach Japan und in Nordamerika von Alaska bis in die nördlichen Vereinigten Staaten. Es handelt sich um eine der am weitesten verbreiteten Marderarten weltweit.

Als Habitat bevorzugt das Hermelin strukturreiche Landschaften mit ausreichend Deckung. Waldränder, Heckenlandschaften, Steinmauern, Feuchtwiesen und extensiv genutzte Agrarflächen bieten ideale Biotope. In den Alpen besiedelt die Art auch alpine Matten und Blockhalden in Höhenlagen über 3.000 Metern. Geschlossene, dichte Wälder werden ebenso gemieden wie völlig offene, deckungsarme Flächen. Entscheidend für die Habitatwahl ist ein ausreichendes Angebot an Versteckmöglichkeiten und Beutetieren.

Im 19. Jahrhundert wurde das Hermelin in Neuseeland eingeführt, um dort eine Kaninchenplage einzudämmen. Diese Ansiedlung hatte verheerende Folgen für die einheimische Fauna, da das Hermelin stattdessen bodenbrütende Vögel wie den Kiwi erbeutete. In Neuseeland gilt die Art heute als invasiv und wird intensiv bekämpft.

Ernährung

Das Hermelin ist ein ausgesprochener Fleischfresser. Seine Hauptbeute besteht aus Wühlmäusen, Lemmingen und anderen Kleinnagern. Dank seines schlanken Körpers kann es die Gänge seiner Beutetiere betreten und sie dort direkt verfolgen. Neben Nagern erbeutet das Hermelin auch Kaninchen – die trotz ihrer Größe von bis zu einem Kilogramm überwältigt werden können –, Spitzmäuse, Vögel, Eidechsen, Frösche und Insekten. Gelegentlich werden auch Eier gefressen.

Der Energiebedarf ist aufgrund des ungünstigen Verhältnisses von Körperoberfläche zu Körpervolumen vergleichsweise hoch. Ein Hermelin muss täglich etwa ein Drittel bis die Hälfte seines eigenen Körpergewichts an Nahrung aufnehmen. Bei überreichem Nahrungsangebot legt es Vorräte in seinen Verstecken an.

Verhalten & Lebensweise

Hermeline sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber auch tagsüber beobachtet werden, insbesondere während der Jungenaufzucht, wenn der Energiebedarf erhöht ist. Sie leben einzelgängerisch und beanspruchen Reviere, deren Größe stark von der Nahrungsverfügbarkeit abhängt. Männchen unterhalten Territorien von 10 bis über 40 Hektar, die Reviere der Weibchen sind mit 4 bis 15 Hektar deutlich kleiner. Die Reviergrenzen werden mit Duftmarken aus Analdrüsensekreten kenntlich gemacht.

Die Fortbewegung erfolgt in einem charakteristischen hüpfenden Galopp. Hermeline sind geschickte Kletterer und gute Schwimmer. Bei Bedrohung oder Erregung stoßen sie schrille Laute aus und können ein stark riechendes Sekret aus den Analdrüsen absondern. Ihre Behausungen richten sie in Steinhaufen, Baumwurzeln, Holzstapeln oder verlassenen Bauten anderer Tiere ein, die sie mit Fell und Federn erbeuteter Tiere auspolstern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Ranz) fällt in die Monate Mai bis Juli. Eine Besonderheit der Fortpflanzungsbiologie ist die sogenannte Keimruhe (Diapause): Nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle nicht sofort in die Gebärmutterwand ein, sondern verbleibt über mehrere Monate in einem Ruhestadium. Die eigentliche Embryonalentwicklung setzt erst im Frühjahr des Folgejahres ein. Die Gesamttragezeit beträgt dadurch 9 bis 10 Monate, obwohl die aktive Tragzeit nur etwa 4 Wochen umfasst.