Hirsch
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Definition und Überblick
In der Jäger- und Weidmannssprache bezeichnet der Begriff Hirsch ausschließlich das männliche Stück des Rotwildes (Cervus elaphus). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird „Hirsch" oft als Oberbegriff für verschiedene Cerviden verwendet, doch der Jäger unterscheidet streng: Das weibliche Stück heißt Tier (auch Rottier oder Alttier), das Jungtier im ersten Lebensjahr Kalb (Hirschkalb oder Tierkalb, je nach Geschlecht). Diese präzise Unterscheidung gehört zum Grundwissen jedes Jägers und ist fester Bestandteil der seit Jahrhunderten überlieferten Weidmannssprache.
Altersbezeichnungen und Klassen
Der Hirsch durchläuft im Laufe seines Lebens verschiedene Entwicklungsstufen, die in der Jägersprache mit eigenen Begriffen belegt sind:
- Hirschkalb: Männliches Rotwild im ersten Lebensjahr, vom Setzen (Geburt) bis zum 31. März des Folgejahres.
- Schmalspießer: Junger Hirsch im zweiten Lebensjahr, der in der Regel sein erstes Geweih in Form einfacher Spieße trägt.
- Junger Hirsch: Hirsch vom dritten bis etwa fünften Lebensjahr, dessen Geweih sich zunehmend entwickelt und erste Verästelungen zeigt.
- Mittelalter Hirsch: Hirsch zwischen dem fünften und neunten Lebensjahr, der sich körperlich und im Geweih weiter ausformt.
- Alter Hirsch: Hirsch ab dem zehnten Lebensjahr, der seine körperliche Reife erreicht hat und in der Regel das stärkste Geweih trägt.
- Kapitaler Hirsch: Ein besonders starker, alter Hirsch mit herausragendem Geweih. Diese Bezeichnung drückt die höchste Wertschätzung des Weidmanns aus.
In der jagdlichen Praxis wird das Rotwild zudem in Altersklassen eingeteilt (Klasse I bis III sowie Jugendklasse), die für die Abschussplanung und Hege von zentraler Bedeutung sind. Der Abschussplan legt fest, wie viele Hirsche welcher Klasse in einem Jagdjahr erlegt werden dürfen.
Geweih und dessen Fachbegriffe
Das Geweih ist das auffälligste Merkmal des Hirsches und Gegenstand einer besonders differenzierten Fachsprache. Anders als die Hörner bei Rindern oder Ziegen besteht das Geweih aus Knochensubstanz und wird jährlich abgeworfen und neu gebildet. Diesen Vorgang nennt der Jäger Abwerfen (meist zwischen Februar und April) und Schieben oder Fegen (die Neubildung im Frühjahr und Sommer).
Während des Wachstums ist das Geweih von einer durchbluteten Haut überzogen, dem sogenannten Bast. Ist das Geweih ausgewachsen, reibt der Hirsch den Bast an Bäumen und Sträuchern ab – er fegt sein Geweih. Die dabei entstehenden Schäden an der Vegetation werden als Fegeschäden bezeichnet.
Die einzelnen Teile des Geweihs tragen eigene Namen:
- Stangen: Die beiden Hauptstämme des Geweihs.
- Rose: Der verdickte Ansatz jeder Stange am Schädel (Rosenstock).
- Augsprosse: Die erste Sprosse oberhalb der Rose, nach vorn gerichtet.
- Eissprosse: Die zweite Sprosse, zwischen Augsprosse und Mittelsprosse.
- Mittelsprosse: Die dritte Sprosse etwa in der Mitte der Stange.
- Krone: Die Verästelungen am oberen Ende der Stange. Ein Hirsch mit ausgeprägter Krone gilt als besonders stark.
- Enden: Alle Spitzen des Geweihs zusammengezählt. Ein Hirsch mit zwölf Enden wird als Zwölfender bezeichnet, ein ungerader als ungerader Hirsch.
Die Gesamtheit aus Gewicht, Stangenlänge, Auslage und Endenzahl bestimmt die Trophäenstärke, die nach internationalen Bewertungsformeln (etwa der CIC-Formel) beurteilt wird.
Brunft und Verhalten in der Jägersprache
Die Paarungszeit des Rotwildes heißt Brunft und findet in Mitteleuropa von Mitte September bis Mitte Oktober statt. Der Hirsch wird in dieser Phase als Brunfthirsch bezeichnet. Sein durchdringendes Rufen nennt man Röhren – ein Laut, der über weite Strecken hörbar ist und der Reviermarkierung sowie der Anlockung weiblichen Wildes dient.
Der Brunfthirsch sammelt mehrere Tiere um sich und bildet einen Brunftrudel. Dieses Zusammenhalten der weiblichen Stücke wird als Treiben bezeichnet. Rivalen werden durch Imponiergehabe, Röhren und notfalls durch Kommentkämpfe oder ernste Geweihkämpfe ferngehalten. Den Platz, an dem sich die Brunft konzentriert, nennt der Jäger Brunftplatz. Dort hinterlässt der Hirsch Brunftkuhlen – Mulden im Boden, in die er uriniert und sich darin suhlt, um seinen Geruch zu verstärken.
Nach der Brunft zieht sich der Hirsch oft erschöpft und abgemagert zurück. Man spricht dann davon, dass der Hirsch abgebrunftet hat.
Körperteile und Lautäußerungen
Auch die Körperteile des Hirsches tragen in der Weidmannssprache eigene Bezeichnungen. Die Beine heißen Läufe, die Augen Lichter, die Ohren Lauscher, der Schwanz wird als Wedel bezeichnet, und das Fell nen