Hochsitz
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Definition und Überblick
Der Hochsitz ist eine erhöhte Sitzgelegenheit, die in der Jagd zur Beobachtung und Bejagung von Wild eingesetzt wird. Er gehört zu den wichtigsten jagdlichen Einrichtungen und ist aus dem mitteleuropäischen Jagdbetrieb nicht wegzudenken. In der Jäger- und Weidmannssprache wird der Hochsitz auch als Kanzel, Ansitz oder regional als Jägerstand bezeichnet. Je nach Bauweise unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Konstruktionen, wobei die Palette von einfachen Leitern mit Sitzgelegenheit bis hin zu wetterfesten, hüttenartigen Aufbauten reicht.
Die erhöhte Position bietet dem Jäger gleich mehrere Vorteile: einen besseren Überblick über das Gelände, eine günstigere Schussposition mit sicherem Kugelfang im Boden sowie eine verringerte Wahrnehmung durch das Wild, da der menschliche Geruch in der Höhe weniger stark zum Boden gelangt.
Bauarten und Konstruktionsformen
Hochsitze lassen sich nach ihrer Bauweise in verschiedene Grundtypen einteilen:
- Offener Hochsitz (Leiterkanzel): Eine Leiter führt zu einer offenen Plattform mit Sitzgelegenheit und Brüstung. Diese einfachste Form bietet keinen Witterungsschutz, ermöglicht aber freie Sicht in alle Richtungen.
- Geschlossene Kanzel: Ein vollständig umschlossener Aufbau mit Dach, Wänden und verschließbaren Schießluken. Diese Bauform schützt vor Wind, Regen und Kälte und eignet sich besonders für längere Ansitze in der kalten Jahreszeit.
- Drückjagdbock: Ein niedriger, meist transportabler Hochsitz mit einer Sitzhöhe von etwa zwei bis vier Metern, der bei Drückjagden und Gesellschaftsjagden zum Einsatz kommt.
- Baumsitz (Baumkanzel): Direkt an einem Baum befestigt, nutzt diese Variante den Stamm als tragendes Element. Sie fügt sich besonders unauffällig in das Landschaftsbild ein.
- Mobiler Hochsitz: Transportable Konstruktionen, die je nach Bedarf an unterschiedlichen Standorten aufgestellt werden können. Sie bestehen häufig aus Aluminium oder leichten Stahlkonstruktionen.
Das klassische Baumaterial ist Holz, wobei druckimprägniertes Nadelholz wie Fichte, Kiefer oder Lärche bevorzugt wird. Zunehmend kommen auch industriell gefertigte Hochsitze aus Metall, Kunststoff oder Verbundstoffen zum Einsatz, die eine längere Haltbarkeit aufweisen.
Standortwahl und Errichtung
Die Wahl des richtigen Standorts ist für die jagdliche Nutzung entscheidend. Erfahrene Jäger und Revierpächter berücksichtigen dabei mehrere Faktoren: den vorherrschenden Wildwechsel, die Hauptwindrichtung, die Entfernung zu Äsungsflächen, Wildwiesen und Kirrungen sowie die Einsehbarkeit des umliegenden Geländes. Der Hochsitz sollte so platziert sein, dass der Jäger ihn erreichen kann, ohne das Wild auf dem Weg dorthin zu vergrämen.
An Waldrändern, an Schneisen, entlang von Feldern und in der Nähe von Suhlen oder Salzlecken befinden sich häufig bevorzugte Standorte. Die Ausrichtung berücksichtigt in der Regel die vorherrschende Windrichtung, damit der Jäger den Wind nicht ins Revier trägt. Auch der Sonnenstand spielt eine Rolle – idealerweise blickt der Jäger nicht direkt in die aufgehende oder untergehende Sonne.
Für die Errichtung eines Hochsitzes ist die Genehmigung des Grundstückseigentümers erforderlich. In vielen Bundesländern regeln die jeweiligen Landesjagdgesetze und Bauordnungen, unter welchen Voraussetzungen jagdliche Einrichtungen aufgestellt werden dürfen. Teilweise gelten Hochsitze ab einer bestimmten Größe als genehmigungspflichtige bauliche Anlagen.
Sicherheitsaspekte
Die Sicherheit auf dem Hochsitz hat oberste Priorität. Jährlich ereignen sich in Deutschland mehrere schwere Unfälle durch Abstürze von Hochsitzen. Häufige Ursachen sind morsche Sprossen, verwitterte Bodenbretter, mangelhafte Verankerung und nachlässige Wartung. Die Berufsgenossenschaft und die Unfallverhütungsvorschriften Jagd (UVV Jagd) schreiben regelmäßige Kontrollen und Instandhaltungsmaßnahmen vor.
Zu den grundlegenden Sicherheitsregeln gehören:
- Jährliche Überprüfung der Standsicherheit und des Holzzustands
- Verwendung einer Aufstiegshilfe mit rutschfesten Sprossen
- Anbringen eines Ansitzgurtes oder einer Sicherungsleine, insbesondere bei Dunkelheit und Nässe
- Die Waffe wird erst auf dem Hochsitz geladen und vor dem Abstieg wieder entladen
- Transport der Waffe beim Aufstieg mit Hilfe eines Gewehrriemens oder einer Aufziehleine
Jagdliche Bedeutung und Ansitzjagd
Der Hochsitz ist das zentrale Element der Ansitzjagd, der in Deutschland am weitesten verbreiteten Jagdmethode. Beim Ansitz wartet der Jäger ruhig und geduldig auf dem Hochsitz, bis sich Wild in Schussentfernung zeigt. Diese Jagdart gilt als besonders weidgerecht, da sie dem Jäger ausreichend Zeit gibt, das Wild vor dem Schuss genau anzusprechen – also Wildart, Geschlecht und Alter korrekt zu bestimmen.
Besonders bei der Bejagung von Rehwild, Rotwild, Damwild und Schwarzwild ist der Hochsitz unverzichtbar. In der Blattzeit des Rehbocks, während der