Hochwild
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Definition und Überblick
Der Begriff Hochwild bezeichnet in der deutschen Jägersprache eine bestimmte Gruppe von Wildtieren, die historisch dem Adel und der hohen Geistlichkeit zur Jagd vorbehalten war. Die Unterscheidung zwischen Hochwild und Niederwild gehört zu den ältesten Klassifizierungen im deutschen Jagdwesen und reicht bis ins Mittelalter zurück. Obwohl die damit verbundenen Jagdprivilegien längst abgeschafft sind, hat sich die Einteilung in der Weidmannssprache bis heute erhalten und wird in Jägerprüfungen sowie im jagdlichen Alltag weiterhin verwendet.
Die Zuordnung einzelner Wildarten zum Hochwild folgt dabei keiner streng zoologischen Systematik, sondern beruht auf historischen, jagdrechtlichen und kulturellen Traditionen. Entscheidend war ursprünglich der Wert des Wildes – sowohl als Nahrungsquelle als auch als Symbol für Macht und Prestige.
Historischer Hintergrund
Im mittelalterlichen Feudalsystem war die Jagd auf bestimmte Wildarten ein Regal, also ein königliches Hoheitsrecht. Landesherren, Fürsten und der hohe Klerus beanspruchten das alleinige Recht, diese Tiere zu erlegen. Die sogenannte Hohe Jagd oder Große Jagd umfasste die Jagd auf Hochwild und galt als standesgemäßes Vergnügen der Oberschicht. Die Niedere Jagd auf Niederwild konnte dagegen an niedere Adlige, Beamte oder Pächter übertragen werden.
Diese Trennung hatte weitreichende soziale Konsequenzen. Wilderei – also die unbefugte Jagd auf Hochwild – wurde über Jahrhunderte mit drakonischen Strafen belegt, darunter Verstümmelungen und sogar die Todesstrafe. Erst mit der Aufhebung der feudalen Jagdprivilegien im Zuge der Revolution von 1848 und der anschließenden Jagdgesetzgebung änderten sich diese Verhältnisse grundlegend. Die begriffliche Unterscheidung blieb dennoch als fester Bestandteil der Jägersprache bestehen.
Welche Wildarten gehören zum Hochwild?
Zum Hochwild zählen in der traditionellen deutschen Weidmannssprache folgende Wildarten:
- Rotwild (Cervus elaphus) – der Rothirsch gilt als König des Waldes und als klassisches Hochwild schlechthin
- Damwild (Dama dama) – der Damhirsch, häufig in Parklandschaften und Revieren mit Laubwald
- Gamswild (Rupicapra rupicapra) – die Gämse als typisches Hochwild der Alpenregion
- Steinwild (Capra ibex) – der Alpensteinbock, in Deutschland nur in Bayern vorkommend
- Elchwild (Alces alces) – der Elch, in Deutschland extrem selten, vereinzelte Zuwanderer aus Polen
- Schwarzwild (Sus scrofa) – das Wildschwein, obwohl es jagdlich anders behandelt wird als die übrigen Hochwildarten
- Wisent (Bison bonasus) – das europäische Bison, heute unter strengem Schutz
- Muffelwild (Ovis gmelini musimon) – das Mufflon, in einigen Regionen Deutschlands eingebürgert
- Auerwild (Tetrao urogallus) – der Auerhahn als einzige Federwildart, die zum Hochwild gerechnet wird
- Steinadler (Aquila chrysaetos) – ebenfalls dem Hochwild zugeordnet, heute streng geschützt und nicht bejagbar
- Seeadler (Haliaeetus albicilla) – wie der Steinadler dem Hochwild zugerechnet und ganzjährig geschont
Eine leicht zu merkende Eselsbrücke aus der Jägerausbildung lautet: „Alles Schalenwild außer Rehwild ist Hochwild." Das Rehwild gehört trotz seiner weiten Verbreitung und seiner Bedeutung als häufigstes Schalenwild in Deutschland zum Niederwild – ein Umstand, der Jagdschüler regelmäßig überrascht. Der Grund liegt in der historischen Einordnung: Die Jagd auf Rehe wurde bereits im Mittelalter der Niederen Jagd zugerechnet.
Abgrenzung zum Niederwild
Alle Wildarten, die nicht dem Hochwild zugeordnet werden, gelten als Niederwild. Dazu gehören unter anderem Rehwild, Feldhasen, Wildkaninchen, Fasane, Rebhühner, Enten, Gänse, Füchse und weitere Raubwildarten wie Dachs und Marder. Die Einteilung sagt grundsätzlich nichts über den Schutzstatus einer Art aus. So ist etwa der Feldhase in vielen Regionen rückläufig und wird stärker geschont als manches Hochwild, während Schwarzwild als Hochwild vielerorts intensive Bejagung erfordert.
In der Praxis spielt die Unterscheidung zwischen Hoch- und Niederwild heute vor allem eine Rolle bei der Begrüßung am Streckenplatz. Nach der Tradition wird Hochwild auf der Strecke links und Niederwild rechts gelegt – vom Erleger aus gesehen. Auch bei jagdlichen Brüchen (Zweigen, die als Zeichen verwendet werden) und bei der Rangfolge der Jagdsignale am Ende einer Jagd spielt die Zugehörigkeit eine Rolle.
Bedeutung in der Jägerprüfung und im modernen Jagdrecht
Die Kenntnis der Zuordnung einzelner Wildarten zu Hoch- oder Niederwild ist fester Prüfungsstoff in der Jägerprüfung, dem sogenannten Grünen Abitur. Angehende Jäger müssen sämtliche Hochwildarten aufzählen und von Niederwild unterscheiden können. Darüber hinaus wird Wissen über die zugehörige Weidmannssprache abgefragt – etwa dass ein männliches Stück Rotwild als Hirsch, ein weibli