Holzameise
HTierart – Insekten > Hautflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Camponotus spp. (häufigste mitteleuropäische Art: Camponotus ligniperda, Braunschwarze Rossameise; Camponotus herculeanus, Schwarze Rossameise)
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Ameisen (Formicidae)
- Unterfamilie: Schuppenameisen (Formicinae)
- Gattung: Rossameisen (Camponotus)
- Lebensraum: Laub- und Nadelwälder, Waldränder, Parks, gelegentlich Gebäude
- Größe: Arbeiterinnen 6–14 mm, Königinnen bis 18 mm, Soldaten (Majore) bis 16 mm
- Gewicht: Arbeiterinnen ca. 1–5 mg je nach Kaste
- Lebenserwartung: Arbeiterinnen 1–3 Jahre, Königinnen bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Unter dem volkstümlichen Namen „Holzameise" werden im deutschsprachigen Raum vor allem die Rossameisen der Gattung Camponotus zusammengefasst. Sie zählen zu den größten einheimischen Ameisenarten. Der Körper gliedert sich – wie bei allen Ameisen – in Kopf (Caput), Brust (Mesosoma) und Hinterleib (Gaster), verbunden durch ein einzelnes Stielchenglied (Petiolus). Ein auffälliges Merkmal der Gattung ist die gleichmäßig gewölbte Oberseite des Mesosomas, die im Profil keine Einkerbung zeigt.
Camponotus ligniperda besitzt einen rötlich-braunen Thorax, während Kopf und Gaster schwarzbraun gefärbt sind. Camponotus herculeanus ist dagegen überwiegend schwarz mit leicht rötlicher Tönung am Brustabschnitt. Beide Arten weisen einen ausgeprägten Größenpolymorphismus auf: Innerhalb eines Volkes existieren kleine Arbeiterinnen (Minore), mittelgroße Mediae und auffallend großköpfige Soldaten (Majore). Die Majore tragen massiv vergrößerte Mandibeln, die sowohl zum Zerkleinern von Holz als auch zur Verteidigung dienen. Die Cuticula ist fein behaart und glänzend.
Geschlechtstiere (Alate) beider Geschlechter tragen zwei Paar häutige Flügel, die nach dem Hochzeitsflug von den Königinnen abgeworfen werden. Die Facettenaugen sind bei den geflügelten Formen deutlich größer als bei den Arbeiterinnen, ergänzt durch drei Punktaugen (Ocelli) auf dem Scheitel.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der europäischen Holzameisen erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. C. ligniperda kommt von Südeuropa bis nach Südskandinavien vor, C. herculeanus besiedelt vor allem montane und boreale Wälder und reicht bis nach Sibirien und Nordamerika. In Mitteleuropa bewohnen beide Arten ihr bevorzugtes Habitat in Laub-, Misch- und Nadelwäldern, wobei sie alte Baumbestände mit ausreichend Totholz benötigen.
Die Nester werden in totem oder morschem Holz angelegt – in Baumstümpfen, abgestorbenen Stämmen, Wurzelstöcken und gelegentlich in lebendem Holz mit vorgeschädigtem Kern. Die Tiere nagen dabei weitläufige Gangsysteme in das Substrat, ohne das Holz als Nahrung zu verwerten. In Siedlungsnähe können sie auch Dachbalken, Fachwerk und andere Holzkonstruktionen besiedeln, was sie gelegentlich zum Materialschädling macht. Ihr Biotop zeichnet sich stets durch eine gewisse Feuchtigkeit des Holzes aus; völlig trockenes Bauholz wird nur selten befallen.
Ernährung
Holzameisen ernähren sich hauptsächlich von Honigtau, dem zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukt von Blattläusen, Schildläusen und anderen Pflanzenläusen. Die Arbeiterinnen pflegen und verteidigen Blattlauskolonien auf Bäumen und Sträuchern in der Nestumgebung – eine klassische Trophobiose. Ergänzend stehen tote und lebende Insekten auf dem Speiseplan. Die Beute wird mit den kräftigen Mandibeln zerkleinert und in den Kropf (Ingluvies) aufgenommen, um flüssige Nahrung per Trophallaxis an Nestgenossinnen, Larven und die Königin weiterzugeben. Eiweißreiche Nahrung ist besonders zur Aufzucht der Brut notwendig. Trotz ihrer holzzerstörenden Tätigkeit beim Nestbau ist Holz selbst kein Nahrungssubstrat – im Gegensatz zu Termiten fehlen Holzameisen die notwendigen Cellulose-abbauenden Endosymbionten.
Verhalten & Lebensweise
Holzameisen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, vor allem in den Sommermonaten. Tagsüber zeigen sie bei warmem Wetter ebenfalls Aktivität, jedoch liegt der Höhepunkt der Futtersuche in den Abend- und Nachtstunden. Die Arbeiterinnen folgen Duftspuren (Pheromonstraßen), die sie zu Nahrungsquellen und Blattlauskolonien führen. Einzelne Fourageure können dabei Entfernungen von über 100 Metern vom Nest zurücklegen.
Die Kolonien sind monogyn (eine Königin pro Volk) oder fakultativ oligogyn (wenige Königinnen). Ein reifes Volk umfasst zwischen 3.000 und 10.000 Individuen. Zur Verteidigung setzen Holzameisen ihre Mandibeln ein und spritzen Ameisensäure (Methansäure) aus einer Giftdrüse am Hinterleibsende in die Bisswunde. Der Biss größerer Majore ist für den Menschen spürbar schmerzhaft.
Im Winter verfallen die Tiere in eine Kältestarre (Diapause). Das gesamte Volk zieht sich in die tieferen, frostgeschützten Gangsysteme zurück und überwintert dort in enger Aggregation. Die Aktivitätsperiode beginnt in Mitteleuropa je nach Witterung im April und endet im Oktober.