Hornisse
HTierart – Insekten > Hautflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vespa crabro
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Faltenwespen (Vespidae)
- Gattung: Hornissen (Vespa)
- Lebensraum: Laubwälder, Streuobstwiesen, Parks, Siedlungsgebiete
- Größe: Arbeiterinnen 18–25 mm, Königinnen bis 35 mm
- Gewicht: Arbeiterinnen ca. 0,5 g, Königinnen bis 1,1 g
- Lebenserwartung: Arbeiterinnen wenige Wochen bis Monate; Königinnen etwa 12 Monate
Aussehen & Merkmale
Die Hornisse ist die größte in Mitteleuropa heimische Faltenwespe und zugleich die größte staatenbildende Wespenart Europas. Ihr Körperbau folgt dem typischen Bauplan der Hautflügler mit drei deutlich gegliederten Abschnitten: Kopf, Thorax (Brust) und Abdomen (Hinterleib). Die schmale Einschnürung zwischen Brust und Hinterleib, die sogenannte Wespentaille, ist klar ausgeprägt.
Die Grundfärbung des Kopfes und des vorderen Brustabschnitts ist rotbraun bis kastanienbraun – ein Merkmal, das die Hornisse deutlich von der Deutschen Wespe (Vespula germanica) und der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) unterscheidet. Der Hinterleib trägt die für Wespen typische schwarz-gelbe Bänderung, wobei die gelben Anteile bei der Hornisse eher ins Orange übergehen. Die großen Facettenaugen und drei punktförmige Einzelaugen (Ocellen) auf dem Oberkopf verleihen ihr ein gutes Sehvermögen, das auch bei Dämmerung noch funktioniert. Die Flügel sind bräunlich getönt und erreichen eine Spannweite von bis zu 60 mm bei Königinnen.
Wie alle weiblichen Stechimmen besitzen Arbeiterinnen und Königinnen einen Stachel, der im Gegensatz zu dem der Honigbiene glatt ist und mehrfach eingesetzt werden kann. Drohnen (Männchen) sind stachellos.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Europäischen Hornisse erstreckt sich über weite Teile Europas – von Südskandinavien bis Nordafrika und ostwärts bis Japan, wo sie in die Unterart Vespa crabro flavofasciata übergeht. In Nordamerika wurde die Art im 19. Jahrhundert eingeschleppt und hat sich dort in den östlichen Bundesstaaten etabliert.
Als bevorzugtes Habitat dienen alte Laubwälder und Mischwälder mit hohem Totholzanteil, da Baumhöhlen die natürlichen Nistplätze darstellen. Ebenso besiedelt die Hornisse Streuobstwiesen, Parkanlagen und Gärten. In Siedlungsnähe nutzt sie Dachböden, Vogelnistkästen, Rollladenkästen oder Schuppen als Ersatzquartiere. Das Biotop muss ein ausreichendes Angebot an Beuteinsekten und zuckerreichen Nahrungsquellen bieten.
Ernährung
Die Hornisse ist ein Allesfresser mit deutlicher Neigung zur Prädation. Adulte Tiere ernähren sich überwiegend von zuckerhaltigen Substanzen: Baumsäften, reifem Obst und Nektar. Sie ringeln gelegentlich dünne Zweige, um an austretende Pflanzensäfte zu gelangen.
Die Larven hingegen sind auf proteinreiche Kost angewiesen. Die Arbeiterinnen erjagen dazu eine Vielzahl von Insekten – darunter Fliegen, Bremsen, Raupen, Heuschrecken, Libellen und andere Wespenarten. Die Beute wird mit den kräftigen Mandibeln zerlegt und als Fleischbrei an die Brut verfüttert. Ein einzelnes Hornissenvolk kann pro Tag bis zu 500 Gramm Insekten eintragen und wirkt damit als effektiver Regulierer von Schadinsektenpopulationen. Honigbienen werden zwar gelegentlich erbeutet, doch stellen sie in Mitteleuropa nur einen geringen Anteil der Gesamtnahrung dar – anders als bei der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina), die gezielt Bienenstöcke angreift.
Verhalten & Lebensweise
Die Hornisse ist die einzige mitteleuropäische Wespenart, die auch nach Einbruch der Dämmerung und nachts aktiv fliegt. Künstliche Lichtquellen ziehen die Tiere an, was in Siedlungsnähe gelegentlich zu Konflikten führt. Tagsüber sind die Arbeiterinnen in einem Umkreis von bis zu 1,5 Kilometern um das Nest auf Nahrungssuche unterwegs.
Entgegen ihrem Ruf ist die Hornisse ein vergleichsweise friedfertiges Insekt. Außerhalb des unmittelbaren Nestbereichs zeigt sie kaum Aggressionsverhalten und flieht eher, als dass sie sticht. Wird das Nest allerdings bedroht – etwa durch heftige Erschütterungen –, verteidigen die Arbeiterinnen ihren Bau entschlossen. Im engeren Nestbereich von zwei bis drei Metern ist daher Vorsicht geboten. Das Revierverhalten beschränkt sich im Wesentlichen auf diese Nestverteidigung.
Die Kommunikation innerhalb des Volkes erfolgt über Pheromone, Vibrationen am Nestmaterial und durch das sogenannte Stoßen – kurze Körperkontakte zwischen den Arbeiterinnen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Jahreszyklus eines Hornissenvolkes beginnt im Frühjahr, wenn eine befruchtete Jungkönigin aus der Winterruhe erwacht. Sie sucht eine geeignete Nisthöhle, beginnt allein mit dem Bau der ersten Waben aus zerkauten Holzfasern und legt die ersten Eier. Aus diesen entwickeln sich innerhalb weniger Wochen die ersten Arbeiterinnen, die sämtliche weiteren Aufgaben – Nestbau, Brutpflege, Nahrungsbeschaffung – übernehmen.
Im Hochsommer erreicht das Volk seinen Höhepunkt mit 400 bis 700 Individuen, in Ausnahmefällen bis zu 1.000. Die Nester bestehen aus mehreren übereinander angeordneten Wabenetagen, die von einer mehrlagigen