Hummer
HTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Homarus (Gattung); die zwei rezenten Arten sind der Europäische Hummer (Homarus gammarus) und der Amerikanische Hummer (Homarus americanus)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Unterordnung: Pleocyemata
- Familie: Hummerartige (Nephropidae)
- Lebensraum: Felsige Meeresböden gemäßigter bis kühler Küstengewässer des Atlantiks
- Größe: 30–60 cm Körperlänge (Ausnahmen bis über 70 cm)
- Gewicht: Durchschnittlich 0,5–4 kg; Rekordexemplare des Amerikanischen Hummers über 20 kg
- Lebenserwartung: Geschätzt 50–100 Jahre, möglicherweise deutlich länger
Aussehen & Merkmale
Hummer besitzen den typischen Bauplan der höheren Krebstiere (Malacostraca). Ihr Körper gliedert sich in den vorderen Cephalothorax – eine Verschmelzung von Kopf und Brustabschnitt, die von einem festen Rückenschild (Carapax) bedeckt ist – und das gegliederte Abdomen, das umgangssprachlich als „Schwanz" bezeichnet wird. Der gesamte Körper ist von einem verkalkten Exoskelett aus Chitin umhüllt, das regelmäßig gehäutet werden muss, um Wachstum zu ermöglichen.
Auffälligstes Merkmal sind die beiden massiven Scheren (Chelae), die am ersten Paar der Schreitbeine sitzen. Sie sind asymmetrisch ausgebildet: Die größere „Knackschere" (Crusher Claw) verfügt über stumpfe Mahlzähne zum Zerbrechen von Muschelschalen, während die schlankere „Greifschere" (Pincer Claw) scharfkantige Schneiden zum Festhalten und Zerteilen weicherer Nahrung trägt. Vier weitere Schreitbeinpaare dienen der Fortbewegung; die hinteren drei tragen kleine Klauen. Am Kopf sitzen zwei zusammengesetzte Facettenaugen auf beweglichen Stielen sowie zwei Paar Antennen, von denen die äußeren oft die gesamte Körperlänge erreichen und als Tast- und Geruchsorgane dienen.
Der Europäische Hummer zeigt im Regelfall eine dunkelblau bis schwarzviolette Färbung mit helleren Flecken auf der Oberseite. Der Amerikanische Hummer ist dagegen meist olivgrün bis braun gefärbt. Beide Arten nehmen erst beim Kochen die bekannte rote Farbe an, da die Hitze den Protein-Pigment-Komplex Crustacyanin zerstört und das rote Carotinoid Astaxanthin freigesetzt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Hummers erstreckt sich über den nordöstlichen Atlantik von Nordnorwegen bis zur Küste Marokkos, einschließlich der Nordsee, des westlichen Mittelmeers und der Küstengewässer der Britischen Inseln. Der Amerikanische Hummer besiedelt den nordwestlichen Atlantik von Labrador bis etwa North Carolina, mit Schwerpunkt in den Gewässern vor Neuengland und den kanadischen Atlantikprovinzen.
Als Habitat bevorzugen Hummer felsige, strukturreiche Meeresböden in Tiefen von etwa 2 bis 150 Metern. Dort nutzen sie natürliche Spalten, Höhlen unter Gestein und selbst gegrabene Vertiefungen als Unterschlupf. Die Wassertemperatur spielt eine entscheidende Rolle: Der Europäische Hummer bevorzugt Temperaturen zwischen 5 und 20 °C, der Amerikanische Hummer toleriert ein ähnliches Spektrum, zeigt aber bei wärmeren Temperaturen verstärkte Wanderbewegungen in tiefere, kühlere Bereiche.
Ernährung
Hummer sind opportunistische Allesfresser mit überwiegend karnivorenr Ausrichtung. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Muscheln, Schnecken, Seeigel, Seesterne, Krabben, Polychaeten (Vielborster) und kleinere Fische. Pflanzliche Anteile wie Algen und Seetang ergänzen den Speiseplan gelegentlich. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht und stellt in bestimmten Habitaten einen relevanten Nahrungsanteil dar. Die Knackschere kommt vor allem beim Öffnen hartschaliger Beutetiere zum Einsatz, während die Greifschere beim Fang beweglicherer Organismen hilft. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in der Dämmerung und nachts.
Verhalten & Lebensweise
Hummer sind vorwiegend nachtaktiv und verbringen den Tag in ihren Unterschlüpfen. Sie leben einzelgängerisch und verteidigen ein Revier, dessen Größe je nach Nahrungsangebot und Populationsdichte variiert. Die Reviermarkierung und Kommunikation erfolgt in erheblichem Maß chemisch: Über Drüsen an der Basis der Antennen setzen Hummer Urin ins Wasser ab, der Informationen über Geschlecht, Fortpflanzungsbereitschaft und sozialen Status transportiert. Innerhalb lokaler Populationen bildet sich eine Dominanzhierarchie heraus, die durch rituelle Kämpfe und Drohgebärden – etwa das Spreizen der Scheren – aufrechterhalten wird.
Bei akuter Gefahr können Hummer durch rasche Krümmung des Abdomens nach vorn einen Fluchtreflex auslösen, der sie mit beträchtlicher Geschwindigkeit rückwärts durch das Wasser schleudert. Dieser sogenannte Caridoid-Fluchtreflex ist bei vielen Decapoden verbreitet.
Die Häutung (Ecdysis) stellt einen kritischen Abschnitt im Lebenszyklus dar. Da das Exoskelett nicht mitwächst, müssen Hummer es regelmäßig abstreifen – bei juvenilen Tieren mehrmals jährlich, bei ausgewachsenen Exemplaren etwa alle ein bis zwei Jahre. Unmittelbar nach der Häutung ist das neue Exoskelett weich, und das Tier ist für einige Wochen besonders anfällig für Fressfeinde.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet typischerweise kurz nach der Häutung des Weibchens statt, wenn dessen Panzer noch weich ist. Der Balz geht ein chemisches Signalspiel voraus: Das Weibchen setzt P