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Iltis

I

Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Mustela putorius
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Marder (Mustelidae)
  • Unterfamilie: Mustelinae
  • Gattung: Mustela
  • Lebensraum: Laubwälder, Waldränder, Feuchtgebiete, ländliche Siedlungsnähe
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 30–46 cm, Schwanz 12–19 cm
  • Gewicht: Männchen 800–1.700 g, Weibchen 500–900 g
  • Lebenserwartung: 5–7 Jahre in freier Wildbahn, bis 14 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Iltis besitzt den für Marderartige typischen langgestreckten, schlanken Körperbau mit kurzen Beinen. Das Fell besteht aus einer dichten, gelblich-weißen Unterwolle und einem dunkelbraunen bis schwarzbraunen Deckhaar. Durch die Unterwolle schimmert vor allem an den Flanken ein heller Grundton hindurch, was dem Iltis ein charakteristisches, leicht meliertes Erscheinungsbild verleiht. Der Bauch, die Beine und der Schwanz sind nahezu einheitlich dunkel gefärbt.

Besonders auffällig ist die Gesichtszeichnung: Eine weiße bis cremefarbene Maske umgibt die Schnauze und zieht sich zwischen den Augen und über die Ohren. Diese Gesichtsmaske ist ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen einheimischen Marderarten wie dem Steinmarder oder dem Europäischen Nerz. Die Ohren sind kurz und gerundet. Männchen (Rüden) sind deutlich größer und schwerer als Weibchen (Fähen), was einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus darstellt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Iltisses erstreckt sich über weite Teile Europas – von Portugal und Großbritannien im Westen bis zum Ural im Osten. Nach Norden reicht das Areal bis Südskandinavien, im Süden bis zur nördlichen Mittelmeerregion. In Teilen Südosteuropas wird er durch den Steppeniltis (Mustela eversmanii) abgelöst, eine nahe verwandte Art offener Graslandschaften.

Als Habitat bevorzugt der Iltis strukturreiche Landschaften mit ausreichend Deckung und Zugang zu Wasser. Typische Biotope sind feuchte Laubwälder, Auenlandschaften, Gewässerufer, Heckenlandschaften und extensiv genutztes Grünland. Er meidet weiträumig offene Flächen ohne Deckung ebenso wie dichte, geschlossene Nadelwälder. In ländlichen Gebieten besiedelt er auch Scheunen, Ställe und Holzstapel in Siedlungsnähe, wobei er weit weniger synanthrop lebt als der Steinmarder.

Ernährung

Der Iltis ist ein ausgesprochener Fleischfresser. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Amphibien – insbesondere Frösche und Kröten machen in vielen Regionen den Hauptanteil der Beute aus. Ergänzt wird der Speiseplan durch Kleinsäuger wie Wühlmäuse und Mäuse, Vögel und deren Eier, Reptilien, Fische und Wirbellose. In der Nähe menschlicher Siedlungen erbeutet er gelegentlich auch Hausgeflügel, was ihm historisch den Ruf eines Hühnerräubers eingebracht hat.

Die starke Bindung an Amphibien als Nahrungsquelle erklärt seine Vorliebe für feuchte Lebensräume. Im Winter, wenn Frösche in Gewässern überwintern, gräbt der Iltis sie gezielt aus dem Schlamm. Er legt zuweilen Nahrungsvorräte an, indem er erbeutete Frösche durch einen gezielten Biss in das Nackenmark lähmt und lebend in seinem Bau deponiert.

Verhalten & Lebensweise

Der Iltis lebt einzelgängerisch und ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht er in selbstgegrabenen Bauen, verlassenen Kaninchenbauen, Holzstößen, Steinhaufen oder ähnlichen Verstecken. Sein Revier markiert er mithilfe seiner Analdrüsen, die ein stark riechendes, moschusartiges Sekret absondern. Dieser intensiv unangenehme Geruch hat dem Tier seinen volkstümlichen Namen eingebracht – das Wort „Iltis" leitet sich vom althochdeutschen „illetîso" ab, was so viel wie „Stinker" bedeutet. Auch die wissenschaftliche Artbezeichnung „putorius" geht auf das lateinische Wort „putor" (Gestank) zurück.

Die Reviergröße variiert je nach Lebensraumqualität und Nahrungsangebot. Männchen beanspruchen Streifgebiete von 50 bis über 500 Hektar, die sich mit den kleineren Revieren mehrerer Weibchen überlappen können. Der Iltis bewegt sich am Boden fort und klettert selten. Er kann jedoch gut schwimmen, was ihm bei der Jagd auf Amphibien und Fische zugutekommt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Ranz) fällt in die Monate März bis Juni. Rüden suchen in dieser Phase aktiv nach paarungsbereiten Fähen und legen dabei mitunter weite Strecken zurück. Die Paarung selbst ist – wie bei vielen Marderartigen – ein ruppiger Vorgang: Der Rüde beißt sich im Nacken der Fähe fest und hält sie während der Kopulation fixiert.

Nach einer Tragzeit von etwa 40 bis 43 Tagen bringt die Fähe zwischen drei und zehn Jungtiere zur Welt, im Durchschnitt sind es fünf bis sieben. Die Welpen kommen blind und mit einem feinen weißen Flaum bedeckt zur Welt. Sie öffnen die Augen nach etwa 30 Tagen und werden rund sechs Wochen gesäugt. Ab der fünften Lebenswoche beginnen sie, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Im Alter von drei Monaten begleiten die Jungen die Mutter auf Jagdausflügen, und mit etwa fünf bis sechs Monaten werden sie selbständig. Die Geschlechtsreife tritt im folgenden Frühjahr ein.