Kamberkrebs
KTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Faxonius limosus (Syn.: Orconectes limosus)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Flusskrebse (Cambaridae)
- Gattung: Faxonius
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Seen, Kanäle, Flussunterläufe
- Größe: 6–12 cm Körperlänge (ohne Scheren)
- Gewicht: 20–80 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kamberkrebs ist ein mittelgroßer Flusskrebs mit einem robusten, leicht abgeflachten Körperbau. Der Panzer (Carapax) zeigt eine variable Färbung, die von olivbraun über graugrün bis hin zu bräunlich-rot reicht. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal sind die rostbraunen bis dunkelroten Flecken auf der Oberseite der Abdominalsegmente, die als keilförmige Zeichnung auf jedem Hinterleibssegment sichtbar werden. Diese dorsalen Flecken unterscheiden ihn deutlich von einheimischen europäischen Flusskrebsarten wie dem Edelkrebs (Astacus astacus) oder dem Steinkrebs (Austropotamobius torrentium).
Die Scheren sind im Verhältnis zum Körper relativ klein und schlank, an den Schneiden oft orange bis rötlich gefärbt. An der Innenseite der Scherenfinger befinden sich kleine Dornen. Die Scherengelenke tragen keine auffällige Behaarung, was den Kamberkrebs von manchen verwandten Arten abgrenzt. Der Panzer ist an den Seiten glatt, zeigt aber hinter der Nackenfurche (Cervikalfurche) vereinzelt kleine Dornen. Die Antennen sind lang und dünn, die Antennulen kürzer und gegabelt. Wie bei allen Zehnfußkrebsen besitzt der Kamberkrebs fünf Schreitbeinpaare, wobei das erste Paar die kräftigen Scheren trägt.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Kamberkrebses liegt im Osten Nordamerikas, insbesondere im Einzugsgebiet der Großen Seen und der Atlantikküste zwischen den US-Bundesstaaten Connecticut und Virginia. Im Jahr 1890 wurde die Art gezielt nach Deutschland eingeführt – der Fischzüchter Max von dem Borne setzte etwa 90 Exemplare in Teiche bei Berneuchen (Brandenburg) aus. Von dort breitete sich der Kamberkrebs rasch über die mitteleuropäischen Gewässersysteme aus.
Heute besiedelt er weite Teile Mittel- und Westeuropas. In Deutschland kommt er in nahezu allen Bundesländern vor und zählt zu den häufigsten Flusskrebsarten. Als Habitat bevorzugt er stehende bis langsam fließende Gewässer mit schlammigem oder sandigem Untergrund. Seen, Teiche, Kanäle, Altarme und Flussunterläufe bilden seine typischen Biotope. Im Gegensatz zum Edelkrebs toleriert der Kamberkrebs auch stärker eutrophierte und sauerstoffärmere Gewässer. Diese breite ökologische Toleranz erklärt seinen Erfolg als Neozoon in europäischen Gewässern.
Ernährung
Der Kamberkrebs ist ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivore). Sein Nahrungsspektrum umfasst abgestorbenes Pflanzenmaterial (Detritus), Wasserpflanzen, Algenaufwuchs, Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Muscheln und Fischeier. Gelegentlich erbeutet er auch kleine Fische oder Kaulquappen, vor allem geschwächte oder langsame Individuen. Aas wird ebenfalls aufgenommen. Durch seine wenig spezialisierte Ernährungsweise kann der Kamberkrebs in unterschiedlichsten Gewässertypen ausreichend Nahrung finden, was seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber spezialisierten Arten erhöht.
Verhalten & Lebensweise
Der Kamberkrebs ist vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich unter Steinen, in Uferhöhlen, zwischen Wurzelwerk oder in selbst gegrabenen Röhren im Sediment. Bei Einbruch der Dämmerung verlässt er sein Versteck und sucht aktiv nach Nahrung. Die Tiere sind territorial und verteidigen ihr unmittelbares Umfeld gegen Artgenossen, wobei es zu Kämpfen mit den Scheren kommen kann. Diese Auseinandersetzungen führen gelegentlich zum Verlust einzelner Gliedmaßen, die bei der nächsten Häutung regeneriert werden können.
Wie alle Krebstiere muss der Kamberkrebs seinen starren Chitinpanzer regelmäßig abwerfen, um wachsen zu können. Junge Tiere häuten sich mehrmals im Jahr, adulte Exemplare in der Regel ein- bis zweimal jährlich. Während und kurz nach der Häutung ist der Krebs besonders verwundbar, da der neue Panzer noch weich ist. In dieser Phase verbergen sich die Tiere verstärkt in Deckung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit des Kamberkrebses fällt in Mitteleuropa auf den Herbst, meist Oktober und November. Das Männchen dreht das Weibchen auf den Rücken und heftet Spermatophoren (Samenpakete) an die Unterseite des weiblichen Hinterleibs. Einige Wochen nach der Paarung legt das Weibchen 100 bis 400 Eier ab, die es an den Schwimmbeinen (Pleopoden) unter dem Abdomen trägt. Die Eier werden durch ständige Bewegungen der Pleopoden mit Sauerstoff versorgt und so vor Verpilzung geschützt.
Die Entwicklung der Eier dauert je nach Wassertemperatur mehrere Monate. Im Frühjahr, typischerweise zwischen April und Juni, schlüpfen die Larven. Die Jungtiere verbleiben nach dem Schlupf noch einige Tage am Hinterleib der Mutter, bevor sie sich lösen und selbstständig leben. Die Geschlechtsreife erreichen Kamberkrebse bereits im zweiten Lebensjahr, was im Vergleich zum Edelkrebs eine schnellere Reproduktion ermöglicht.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Kamberkrebs selbst gilt nicht als bedr