Kanadischer Biber
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Castor canadensis
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Biber (Castoridae)
- Gattung: Castor
- Lebensraum: Fließgewässer, Seen und Feuchtgebiete in Nordamerika; eingebürgerte Populationen in Teilen Europas und Südamerikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 80–120 cm, Schwanzlänge (Kelle) 20–35 cm
- Gewicht: 15–35 kg, in Einzelfällen über 40 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kanadische Biber ist nach dem Wasserschwein (Capybara) das zweitgrößte lebende Nagetier der Erde. Sein gedrungener, walzenförmiger Körperbau ist an ein Leben im und am Wasser hervorragend angepasst. Das dichte Fell besteht aus zwei Schichten: einer feinen, äußerst dichten Unterwolle, die den Körper thermisch isoliert, sowie längeren, gröberen Grannenhaaren, die als äußere Schutzschicht dienen. Die Fellfarbe variiert von dunkelbraun bis rötlich-braun, gelegentlich treten auch schwärzliche oder hellbraune Individuen auf. Biber pflegen ihr Fell intensiv und fetten es regelmäßig mit dem öligen Sekret ihrer Analdrüsen (Bibergeil, lat. Castoreum) ein, um die Wasserabweisung sicherzustellen.
Das auffälligste äußere Merkmal ist die abgeflachte, schuppenbedeckte Kelle – der breite, oval geformte Schwanz. Er dient als Steuerruder beim Schwimmen, als Stütze beim aufrechten Sitzen und als Kommunikationsmittel: Mit einem lauten Klatschen der Kelle auf die Wasseroberfläche warnt der Biber Artgenossen vor Gefahren. Die Hinterfüße sind mit Schwimmhäuten versehen, während die Vorderpfoten kleiner und ohne Schwimmhäute ausgebildet sind – sie werden zum Greifen, Graben und Transportieren von Material genutzt. Die kräftigen, orangerot gefärbten Nagezähne wachsen zeitlebens nach und ermöglichen es dem Tier, selbst dicke Baumstämme zu fällen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Castor canadensis erstreckt sich über weite Teile Nordamerikas – von Alaska und Kanada bis in die südlichen Vereinigten Staaten und Teile Nordmexikos. Die Art besiedelt ein breites Spektrum an Habitaten: Bäche, Flüsse, Seen, Teiche und Sumpfgebiete, sofern ausreichend Gehölzvegetation in Ufernähe vorhanden ist. Bevorzugt werden langsam fließende oder stehende Gewässer in Laub- und Mischwäldern.
Durch gezielte Aussetzungen im 20. Jahrhundert existieren heute auch eingebürgerte Populationen außerhalb Nordamerikas. Besonders bekannt ist die Population in Feuerland (Argentinien und Chile), wo in den 1940er-Jahren 25 Paare zu Pelzzwecken ausgesetzt wurden. Ohne natürliche Feinde hat sich der Bestand dort auf über 100.000 Tiere vermehrt und gilt als invasive Art, die erhebliche ökologische Schäden an den südamerikanischen Südbuchenwäldern verursacht. Vereinzelt kommen eingebürgerte Kanadische Biber auch in Finnland vor, wo sie teilweise mit dem dort heimischen Europäischen Biber (Castor fiber) um Ressourcen konkurrieren.
Ernährung
Der Kanadische Biber ernährt sich rein pflanzlich. Die Nahrungszusammensetzung ändert sich mit den Jahreszeiten deutlich. Im Frühling und Sommer stehen Wasserpflanzen, Kräuter, Gräser, Farne und frische Blätter auf dem Speiseplan. Seerosen und deren Wurzelstöcke werden besonders gern gefressen. Im Herbst und Winter bildet die Rinde verschiedener Laubbäume die Hauptnahrungsquelle – bevorzugt werden Zitterpappeln (Populus tremuloides), Weiden, Birken und Erlen. Biber legen im Herbst sogenannte Nahrungsflöße an: Sie versenken Äste und kleinere Stämme im Wasser nahe ihrer Burg, wo das Material auch unter der Eisdecke zugänglich bleibt und als Wintervorrat dient.
Verhalten & Lebensweise
Kanadische Biber sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben in festen Familienverbänden, die typischerweise aus einem monogamen Elternpaar, den Jungtieren des laufenden Jahres und den Jährlingsgeschwistern bestehen – insgesamt vier bis acht Individuen. Die Familie bewohnt gemeinsam eine Biberburg, eine aus Ästen, Schlamm und Steinen errichtete Struktur mit einem oder mehreren Unterwassereingängen. Die Wohnkammer liegt oberhalb der Wasserlinie und bietet Schutz vor Kälte und Fressfeinden wie Wolf, Bär, Puma und Vielfraß.
Die vielleicht bekannteste Verhaltensweise des Bibers ist der Dammbau. Durch das Aufstauen von Fließgewässern schaffen die Tiere tiefe, ruhige Gewässerabschnitte, die das ganze Jahr über ausreichend Wassertiefe gewährleisten – auch im Winter unter der Eisdecke. Einzelne Dämme können über 500 Meter lang werden. Die so entstandenen Biberteiche verändern ganze Landschaften und schaffen neue Biotope, die zahlreichen anderen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Aus diesem Grund gilt der Biber als Ökosystem-Ingenieur – eine Schlüsselart, die ihr Habitat aktiv gestaltet.
Die Reviergrenzen markieren Biber mit Bibergeil, das sie auf kleinen Erdhügeln (sogenannten Duftmarken) an den Ufern hinterlassen. Das Revier einer Familie kann je nach Nahrungsangebot eine Uferlänge von einem bis mehreren Kilometern umfassen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate Januar bis März. Die Kopulation findet im Wasser statt. Nach einer Tragzeit von rund 105 bis 107 Tagen bringt das Weibchen zwischen Mai und Juni durchschnittlich drei bis vier