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Karausche

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Carassius carassius
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Gattung: Carassius
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Teiche, Weiher, Altarme, Moorgewässer
  • Größe: 15–35 cm, selten bis 50 cm
  • Gewicht: 0,5–1,5 kg, Ausnahmen bis 3 kg
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre, in Einzelfällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Karausche besitzt einen hochrückigen, seitlich abgeflachten Körper, der im Vergleich zu anderen Karpfenfischen gedrungen wirkt. Die Grundfärbung variiert von messinggelb über olivgrün bis hin zu einem dunklen Bronzeton auf dem Rücken, während die Flanken einen goldenen Schimmer zeigen. Die Bauchseite ist deutlich heller, oft gelblich bis weißlich. Jungfische tragen häufig einen dunklen Fleck am Schwanzstiel, der mit zunehmendem Alter verblasst.

Die Schuppen sind verhältnismäßig groß und fest sitzend. Entlang der Seitenlinie zählt man 31 bis 36 Schuppen. Die Rückenflosse ist lang ausgezogen und leicht konvex geformt – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur verwandten Giebel (Carassius gibelio), deren Rückenflosse eher konkav eingebuchtet ist. Die Schwanzflosse ist nur schwach gegabelt. Im Gegensatz zum Karpfen (Cyprinus carpio) fehlen der Karausche Barteln am Maul vollständig. Das endständige Maul ist klein und leicht oberständig.

Die Körperhöhe der Karausche kann je nach Gewässer stark variieren. In nahrungsreichen Teichen entwickeln sich hochrückige Exemplare, während in nährstoffarmen oder dicht besiedelten Gewässern schmale, niedrigrückige Formen auftreten. Diese Variabilität hat in der Vergangenheit zu Verwechslungen mit dem Giebel und sogar zur Beschreibung vermeintlich eigenständiger Arten geführt.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Karausche erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Sibirien. In Deutschland kommt sie in allen Bundesländern vor, allerdings mit deutlich rückläufiger Tendenz. Ihr bevorzugtes Habitat sind flache, stehende oder sehr langsam fließende Gewässer wie Teiche, Weiher, Altwässer, Überschwemmungstümpel und verlandende Seen. Auch in Moorgewässern und stark verkrauteten Gräben ist sie anzutreffen.

Die Karausche besiedelt bevorzugt Biotope, die für viele andere Fischarten ungeeignet sind. Sie toleriert extrem niedrige Sauerstoffkonzentrationen, hohe Temperaturschwankungen und sogar ein zeitweises Trockenfallen des Gewässers, sofern sie sich im feuchten Schlamm eingraben kann. Diese Fähigkeit macht sie zu einem typischen Erstbesiedler temporärer Gewässer und zu einer Charakterart der Stillgewässer in Flussauen.

Ernährung

Die Karausche ist ein Allesfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Ihre Hauptnahrung besteht aus bodenlebenden Wirbellosen wie Zuckmückenlarven, Würmern, kleinen Schnecken und Kleinkrebsen. Daneben nimmt sie pflanzliche Kost auf, darunter Algen, Wasserpflanzen und Detritus. Zooplankton spielt vor allem bei Jungfischen eine zentrale Rolle in der Ernährung.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend am Gewässergrund, wo die Karausche mit ihrem vorstülpbaren Maul Sediment aufnimmt und die verwertbaren Bestandteile über die Kiemenreuse filtert. In den Wintermonaten reduziert sie ihre Stoffwechselaktivität erheblich und nimmt kaum noch Nahrung auf.

Verhalten & Lebensweise

Die Karausche ist ein eher dämmerungs- und nachtaktiver Fisch, der sich tagsüber bevorzugt in dichter Unterwasservegetation oder im Uferbereich aufhält. Sie lebt gesellig und bildet lockere Gruppen, zeigt jedoch kein ausgeprägtes Schwarmverhalten. Gegenüber Artgenossen verhält sie sich friedlich; ein Revierverhalten ist nicht bekannt.

Eine der herausragenden Eigenschaften der Karausche ist ihre physiologische Anpassungsfähigkeit. Bei Sauerstoffmangel – etwa unter einer geschlossenen Eisdecke im Winter – kann sie ihren Stoffwechsel auf anaerobe Glykolyse umstellen. Das dabei entstehende Laktat wird in der Muskulatur zu Ethanol umgewandelt und über die Kiemen abgegeben. Die Karausche ist damit einer der wenigen Wirbeltiere, die über Monate unter nahezu anaeroben Bedingungen überleben können.

Zudem kann die Karausche ihre Körperform innerhalb weniger Monate an veränderte Umweltbedingungen anpassen. In Gewässern mit Raubfischen wie Hecht oder Barsch entwickelt sie einen höheren Rücken, der sie als Beute weniger geeignet macht. Dieser morphologische Schutzmechanismus ist bei Fischen selten und wurde wissenschaftlich intensiv untersucht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit der Karausche fällt in die Monate Mai bis Juli, wenn die Wassertemperatur 17 bis 20 °C erreicht. Die Weibchen geben portionsweise insgesamt 150.000 bis 300.000 klebrige Eier ab, die an Wasserpflanzen, Wurzeln oder anderen Substraten haften bleiben. Die Eiablage erfolgt in flachen, pflanzenreichen Uferzonen, häufig in den frühen Morgenstunden. Die Balz ist wenig spektakulär: Mehrere Männchen folgen einem laichbereiten Weibchen und treiben es zwischen die Vegetation.

Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur drei bis sieben Tage. Die Larven sind beim Schlupf etwa 4 bis 5 mm lang und heften sich zunächst mit einer Kopfdrüse an Pflanzen, bevor sie nach wenigen Tagen freischwimmend werden. Eine Brutpflege findet nicht statt. Die Jungfische ernähren sich