Kardinal
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cardinalis cardinalis
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Kardinäle (Cardinalidae)
- Gattung: Cardinalis
- Lebensraum: Wälder, Waldränder, Gärten, Buschland, Parks
- Größe: 21–23 cm (Körperlänge)
- Gewicht: 33–65 g, durchschnittlich etwa 45 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Rotkardinal – so die gebräuchlichste deutsche Bezeichnung – gehört zu den auffälligsten Singvögeln Nordamerikas. Männchen tragen ein durchgehend leuchtend rotes Gefieder, das durch das Carotinoid-Pigment Canthaxanthin in der Nahrung seine intensive Färbung erhält. Das Gesicht ist von einer schwarzen Maske umgeben, die sich von den Augen über Kehle und Schnabelbasis erstreckt. Der kräftige, kegelförmige Schnabel ist korallenrot bis orangerot gefärbt und dient als effizientes Werkzeug zum Aufknacken von Sämereien.
Weibchen sind deutlich unauffälliger: Ihr Gefieder ist überwiegend olivbraun bis warmbraun mit rötlichen Tönen an Flügeln, Schwanz und Federhaube. Auch sie tragen die schwarze Gesichtsmaske, allerdings in abgeschwächter Form. Beide Geschlechter besitzen die markante, spitz zulaufende Federhaube auf dem Scheitel, die je nach Stimmungslage aufgerichtet oder angelegt wird. Jungvögel ähneln den Weibchen, haben jedoch einen dunkleren, bräunlich-grauen Schnabel, der sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres umfärbt.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Kardinals erstreckt sich über den Osten und Süden Nordamerikas, von Südkanada über die östlichen und zentralen Vereinigten Staaten bis nach Mexiko, Guatemala und Belize. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Art ihr Areal kontinuierlich nach Norden ausgedehnt, begünstigt durch mildere Winter und die Zunahme von Futterstellen in Siedlungsgebieten. Eingeführte Populationen existieren auf Hawaii, auf Bermuda sowie in Teilen Südkaliforniens.
Als Habitat bevorzugt der Rotkardinal halboffene Landschaften mit dichtem Unterholz: Waldränder, Hecken, verwilderte Gärten, Sumpfgebiete mit Gebüschbestand und Vorstadtgärten. In rein geschlossenen Wäldern kommt er selten vor. Seine Anpassungsfähigkeit an vom Menschen geprägte Biotope hat wesentlich zu seinem Populationserfolg beigetragen. Der Kardinal ist ein Standvogel und zieht nicht in den Süden – auch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt bleibt er in seinem Revier.
Ernährung
Der Kardinal ist ein Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Etwa 70–90 Prozent seiner Nahrung bestehen aus Sämereien, Körnern und Früchten. Sonnenblumenkerne, Mais, Hirse, wilde Beeren und die Samen verschiedener Gräser und Kräuter bilden die Grundlage seines Speiseplans. Der massive Schnabel ermöglicht es ihm, auch hartschalige Samen mühelos zu öffnen.
Während der Brutzeit steigt der Anteil tierischer Nahrung deutlich an. Dann werden verstärkt Insekten, Käfer, Raupen, Heuschrecken, Spinnen und Schnecken erbeutet, die vor allem für die Aufzucht der Nestlinge unverzichtbar sind. Der proteinreiche Anteil ist entscheidend für das Wachstum der Jungvögel. Am Boden sucht der Kardinal hüpfend nach Nahrung; er durchstöbert dabei Laub und niedrige Vegetation.
Verhalten & Lebensweise
Der Rotkardinal ist tagaktiv und beginnt seinen Gesang oft bereits in der Morgendämmerung. Sein lautes, melodisches Pfeifen – häufig umschrieben als „tschir-tschir-tschir" oder „wiet-wiet-wiet" – ist weithin hörbar und dient sowohl der Reviermarkierung als auch der Partnerfindung. Ungewöhnlich für Singvögel ist, dass auch die Weibchen regelmäßig singen, teils sogar vom Nest aus.
Außerhalb der Brutzeit bilden Kardinäle lockere Schwärme von bis zu mehreren Dutzend Individuen, die gemeinsam Futterquellen aufsuchen. Während der Brutzeit dagegen verteidigen Männchen ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen. Bekannt ist das Verhalten, das eigene Spiegelbild in Fensterscheiben oder Autospiegeln über Stunden hinweg zu attackieren – der Vogel erkennt darin einen vermeintlichen Rivalen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt im zeitigen Frühjahr. Das Männchen umwirbt das Weibchen, indem es ihm Futter im Schnabel überreicht – ein Verhalten, das als „Schnabelfütterung" oder „mate feeding" bezeichnet wird und die Paarbindung stärkt. Kardinäle führen in der Regel eine monogame Saisonehe, manche Paare bleiben über mehrere Jahre zusammen.
Das Weibchen errichtet das Nest, eine schalenförmige Konstruktion aus Zweigen, Gräsern, Rindenstücken und Blättern, ausgekleidet mit feinen Halmen und Haaren. Typische Nistplätze befinden sich in dichten Büschen oder niedrigen Bäumen in ein bis drei Metern Höhe. Ein Gelege umfasst zwei bis fünf Eier mit weißlicher bis grünlicher Grundfarbe und braunen Flecken. Das Weibchen bebrütet die Eier allein über einen Zeitraum von 11 bis 13 Tagen, während das Männchen es mit Futter versorgt.
Die Nestlinge sind beim Schlupf blind und nackt. Sie werden von beiden Elternteilen gefüttert und verlassen das Nest nach etwa 9 bis 11 Tagen. Häufig übernimmt das Männchen die Betreuung der Ästlinge, während das Weibchen bereits mit einer zweiten Brut beginnt. Zwei bis drei Bruten pro Saison sind üblich, in südlichen Regionen geleg