Kaulbarsch
KTierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gymnocephalus cernua
- Ordnung: Barschartige (Perciformes)
- Familie: Echte Barsche (Percidae)
- Gattung: Gymnocephalus
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer Europas und Nordasiens
- Größe: 10–18 cm, maximal bis 25 cm
- Gewicht: 20–100 g, in Ausnahmefällen bis 400 g
- Lebenserwartung: 5–10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kaulbarsch ist ein eher kleiner, gedrungen gebauter Süßwasserfisch mit einem leicht hochrückigen, seitlich abgeflachten Körper. Sein auffälligstes Merkmal ist der große, breite Kopf, der im Verhältnis zum restlichen Körper überproportioniert wirkt und dem Fisch seinen deutschen Namen eingebracht hat. Die Schnauze ist stumpf gerundet, die großen Augen sitzen relativ weit oben am Kopf und reflektieren im Licht oft grünlich oder violett – eine Anpassung an das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen.
Die Grundfärbung der Schuppen variiert von olivgrün bis graubraun auf dem Rücken und den Flanken, durchsetzt mit unregelmäßigen dunklen Flecken und Punkten. Die Bauchseite ist heller, oft weißlich bis gelblich. Anders als beim nahe verwandten Flussbarsch (Perca fluviatilis) fehlen dem Kaulbarsch deutliche Querstreifen. Die Haut fühlt sich durch ihren reichlichen Schleimüberzug glitschig an.
Eine taxonomisch relevante Besonderheit ist die Verschmelzung der beiden Rückenflossen zu einer einzigen durchgehenden Flosse. Der vordere Abschnitt wird von harten, spitzen Stachelstrahlen gestützt, der hintere von weichen Gliederstrahlen. Auch die Afterflosse trägt zwei kurze Stachelstrahlen. Die Kiemendeckel sind mit kleinen, nach hinten gerichteten Dornen besetzt, was das Anfassen des Fisches unangenehm macht. Am Kopf befinden sich zudem gut sichtbare Schleimgruben, die Teil des Seitenlinienorgans sind und der Wahrnehmung von Druckwellen und Vibrationen im Wasser dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Kaulbarsches erstreckt sich über weite Teile Europas und Nordasiens – von Frankreich und England im Westen bis nach Sibirien im Osten. In Mitteleuropa ist er in nahezu allen geeigneten Gewässern heimisch. In Skandinavien reicht sein Vorkommen bis etwa zum 69. Breitengrad. Nach Südeuropa hin fehlt er weitgehend; in Spanien, Italien und Griechenland kommt er nicht natürlich vor.
Als Habitat bevorzugt der Kaulbarsch stehende oder langsam fließende Gewässer mit weichem, schlammigem oder sandigem Grund. Seen, Altarme, Kanäle, Stauseen und die Unterläufe großer Flüsse bilden sein typisches Biotop. Er meidet stark strömende, kühle Gebirgsbäche. In Brackwasserzonen der Ostsee tritt er ebenfalls auf, was eine gewisse Salztoleranz belegt. Entscheidend für sein Vorkommen ist weniger die Wassertemperatur als vielmehr die Beschaffenheit des Bodens und ein ausreichendes Angebot an bodenlebenden Kleintieren.
In Nordamerika – insbesondere in den Großen Seen – wurde der Kaulbarsch als invasive Art eingeschleppt und hat sich dort seit den 1980er-Jahren stark ausgebreitet. Er konkurriert dort mit heimischen Fischarten und gilt als ökologisches Problem.
Ernährung
Der Kaulbarsch ist ein ausgesprochener Bodenfresser. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Zuckmückenlarven (Chironomidae), Schlammröhrenwürmern (Tubificidae), kleinen Krebstieren wie Wasserflöhen und Flohkrebsen sowie Insektenlarven verschiedener Art. Gelegentlich nimmt er auch Fischlaich und sehr kleine Jungfische auf, wobei tierische Wirbellose den Hauptanteil seiner Diät ausmachen.
Beim Nahrungserwerb nutzt der Kaulbarsch intensiv sein hoch entwickeltes Seitenlinienorgan und die vergrößerten Schleimkanäle am Kopf. Diese Sinnesorgane ermöglichen es ihm, Beutetiere im trüben Wasser oder in der Dunkelheit anhand kleinster Wasserbewegungen zu orten. Diese Fähigkeit verschafft ihm gegenüber sichtabhängig jagenden Konkurrenten – etwa dem jungen Flussbarsch – einen deutlichen Vorteil in nährstoffreichen, trüben Gewässern.
Verhalten & Lebensweise
Der Kaulbarsch ist ein geselliger Fisch, der häufig in kleinen bis mittelgroßen Schwärmen auftritt. Die Schwarmbildung dient sowohl dem Schutz vor Fressfeinden als auch der effizienten Nahrungssuche. Die Aktivität ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv; tagsüber halten sich die Tiere bevorzugt in tieferen, schattigeren Gewässerbereichen auf.
Im Jahresverlauf zeigt der Kaulbarsch saisonale Wanderungen. Im Herbst und Winter zieht er sich in tiefere Gewässerabschnitte zurück, im Frühjahr sucht er flachere Uferzonen zur Fortpflanzung auf. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist außerhalb der Laichzeit nicht bekannt. Zu seinen natürlichen Fressfeinden zählen Hecht, Zander, Wels und Flussbarsch sowie fischfressende Vögel wie Kormoran und Graureiher.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit des Kaulbarsches fällt in Mitteleuropa auf die Monate März bis Mai, wenn die Wassertemperaturen etwa 10–15 °C erreichen. Die Weibchen geben ihren Laich in Form gallertartiger, bandförmiger Laichschnüre ab, die an Steinen, Pflanzen, Totholz oder anderen Hartsubstraten am Gewässergrund haften bleiben. Ein einzelnes Weibchen produziert je nach Körpergröße zwischen 50.000 und 200.000 Eier.
Die Eier sind klein, etwa 0,5–1 mm im Durch