Kegelrobbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Halichoerus grypus
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
- Familie: Hundsrobben (Phocidae)
- Gattung: Halichoerus (monotypisch)
- Lebensraum: Küstengewässer, Felsenküsten, Sandbänke und vorgelagerte Inseln des Nordatlantiks und der Ostsee
- Größe: Weibchen 150–200 cm, Männchen 200–330 cm
- Gewicht: Weibchen 100–190 kg, Männchen 170–310 kg, in Einzelfällen über 350 kg
- Lebenserwartung: Weibchen bis 35 Jahre, Männchen bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Kegelrobbe ist die größte Robbenart in Europa und nach dem Walross das zweitgrößte Raubtier des Kontinents. Ihren deutschen Namen verdankt sie der charakteristischen Kopfform: Der Schädel läuft – besonders bei den Bullen – kegelförmig nach vorn zu, wobei das Nasenprofil nahezu gerade oder leicht konvex verläuft. Dieses Merkmal unterscheidet sie deutlich vom Seehund (Phoca vitulina), dessen Kopf runder wirkt und dessen Schnauze deutlich kürzer ist.
Das Fell der Kegelrobbe zeigt eine erhebliche individuelle Variation. Männchen sind in der Regel dunkelgrau bis schwarzbraun mit hellen, unregelmäßigen Flecken. Weibchen und Jungtiere tragen ein helleres, silbergraues Fell mit dunkleren Flecken. Das Fleckenmuster ist bei jedem Tier einzigartig und wird in der Forschung zur Identifikation einzelner Individuen herangezogen – ähnlich einem Fingerabdruck.
Der Körperbau ist spindelförmig und für das Leben im Wasser optimiert. Die vorderen Extremitäten sind zu kurzen, bekrallten Flossen umgebildet, die hinteren Flossen dienen als Hauptantrieb beim Schwimmen. An Land bewegt sich die Kegelrobbe robbend fort, da sie ihre Hinterflossen – im Gegensatz zu Ohrenrobben – nicht nach vorn klappen kann. Die Augen sind groß und an das Sehen unter Wasser angepasst, die äußeren Ohrmuscheln fehlen, wie bei allen Hundsrobben.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kegelrobbe erstreckt sich über den Nordatlantik. Es werden drei Populationen unterschieden: eine nordwestatlantische (Ostkanada, Neuengland), eine nordostatlantische (Großbritannien, Irland, Norwegen, Island, Färöer) und eine Ostseepopulation. In Deutschland kommen Kegelrobben vor allem auf Helgoland, an den Küsten Schleswig-Holsteins und in Mecklenburg-Vorpommern vor. Die Düne von Helgoland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zur bedeutendsten deutschen Kegelrobbenkolonie entwickelt.
Als Habitat bevorzugt die Kegelrobbe felsige Küstenabschnitte, Sandbänke, vorgelagerte Inseln und Schären. Diese Ruheplätze – in der Fachsprache als Liegeplätze oder Haul-out-Sites bezeichnet – nutzen die Tiere zur Rast, zur Fellpflege und zur Jungenaufzucht. Im Wasser halten sich Kegelrobben vorwiegend in flachen Küstengewässern auf, können aber auch Tauchgänge in Tiefen von über 100 Metern unternehmen.
Ernährung
Kegelrobben sind Nahrungsopportunisten. Ihr Speiseplan umfasst eine breite Palette an Fischarten, darunter Dorsch, Hering, Sandaal, Plattfische und Lachsartige. Daneben werden gelegentlich Krebstiere und Kopffüßer erbeutet. Ein ausgewachsenes Tier benötigt täglich etwa fünf bis sieben Kilogramm Nahrung, kann bei Bedarf aber auch längere Fastenperioden überstehen – etwa während der Fortpflanzungszeit. Die Jagd erfolgt überwiegend in Küstennähe und in Tiefen von 20 bis 70 Metern. Einzelne Individuen wurden jedoch auf Tauchgängen bis 230 Meter Tiefe nachgewiesen. Die durchschnittliche Tauchdauer liegt bei vier bis acht Minuten.
In der Ostsee und an skandinavischen Küsten kommt es gelegentlich zu Konflikten mit der Fischerei, da Kegelrobben Fische aus Stellnetzen und Reusen entnehmen und dabei die Fanggeräte beschädigen.
Verhalten & Lebensweise
Kegelrobben sind keine ausgesprochen geselligen Tiere, bilden aber an den Liegeplätzen saisonale Ansammlungen, die mehrere Hundert bis Tausend Individuen umfassen können. Von einer festen Rudelstruktur kann dabei nicht gesprochen werden – die sozialen Bindungen sind locker und situationsabhängig. An Land wirken die Tiere träge, im Wasser sind sie wendige und ausdauernde Schwimmer mit Geschwindigkeiten von bis zu 35 km/h.
Die Aktivitätsmuster variieren individuell und saisonal. Kegelrobben jagen sowohl bei Tag als auch bei Nacht und unternehmen teils mehrtägige Wanderungen zu entfernten Nahrungsgründen. Einzelne Tiere wurden auf Wanderungen von mehreren Hundert Kilometern dokumentiert. Zwischen den Jagdzügen kehren sie regelmäßig an ihre angestammten Liegeplätze zurück.
Die Kommunikation erfolgt über ein Repertoire aus Grunz-, Heul- und Zischlauten, die vor allem während der Paarungszeit intensiv eingesetzt werden. Unter Wasser nutzen die Tiere zusätzlich Klatschgeräusche, die durch das Zusammenschlagen der Vorderflossen erzeugt werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit variiert je nach Population. In der Nordsee und auf Helgoland findet die Fortpflanzung zwischen November und Januar statt, in der Ostsee etwas früher, meist zwischen Februar und März. Die Bullen besetzen während der Paarungszeit Strandabschnitte und verteidigen den Zugang zu paarungsbereiten Weibchen – teils in heftigen Rivalenkämpfen, die zu beträchtlichen Bissverletzungen führen.
Nach einer Tragzeit von rund elf Monaten, die eine Keimruhe (verzögerte Einnistung) von etwa drei Monaten einsch