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Krabbenfresser

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Tierart – Säugetiere > Meeressäuger – Robben & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lobodon carcinophaga
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Hundsrobben (Phocidae)
  • Gattung: Lobodon (monotypisch)
  • Lebensraum: Packeis und Küstengewässer der Antarktis
  • Größe: 200–260 cm Körperlänge
  • Gewicht: 200–300 kg
  • Lebenserwartung: ca. 20–25 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Krabbenfresser ist eine mittelgroße bis große Robbe mit schlankem, stromlinienförmigem Körperbau. Das Fell ist kurz und dicht. Im Sommer zeigt es eine silbrig-graue bis dunkelbraune Färbung auf der Oberseite, während die Bauchseite deutlich heller ausfällt – oft cremefarben bis gelblich-weiß. Nach der jährlichen Haarung im Spätsommer erscheint das Fell zunächst dunkelbraun und bleicht im Laufe des Jahres durch UV-Strahlung zunehmend aus. Viele Individuen tragen auffällige, lang gezogene Narben am Körper, die fast ausnahmslos von Angriffen durch Seeleoparden stammen und meist aus der Jugendzeit herrühren.

Ein besonderes anatomisches Merkmal ist das Gebiss: Die Backenzähne (Postcanini) sind stark gelappt und greifen beim Schließen des Mauls wie ein Sieb ineinander. Diese hochspezialisierte Zahnstruktur ist eine Anpassung an die Ernährungsweise und unter Robben einzigartig. Die Schnauze ist vergleichsweise lang und schmal. Die Vorderflossen sind kräftig und ermöglichen dem Krabbenfresser eine erstaunliche Fortbewegung auf dem Eis – er kann auf flachen Eisflächen Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h erreichen, indem er den Körper seitlich schlängelnd vorantreibt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Krabbenfressers erstreckt sich zirkumpolar rund um den antarktischen Kontinent. Sein bevorzugtes Habitat ist das Packeis, das den Südlichen Ozean saisonal in unterschiedlicher Ausdehnung bedeckt. Dort nutzt er Eisschollen als Ruheplätze, zur Fortpflanzung und als Schutz vor Fressfeinden. Gelegentlich werden einzelne Tiere auch an den Küsten subantarktischer Inseln wie Südgeorgien, den Kerguelen oder den Südlichen Shetlandinseln gesichtet. Vereinzelt gibt es Nachweise von verirrten Individuen an den Küsten Südamerikas, Südafrikas und Neuseelands.

Die Art ist eng an die saisonale Dynamik des Packeises gebunden. Im antarktischen Winter, wenn das Meereis seine maximale Ausdehnung erreicht, verteilen sich die Tiere über ein riesiges Gebiet. Im Sommer, bei schmelzendem Eis, konzentrieren sie sich stärker an den verbleibenden Eiskanten und in Küstennähe.

Ernährung

Trotz seines Namens frisst der Krabbenfresser keine Krabben. Die Bezeichnung geht auf eine frühe fehlerhafte Bestimmung der Beutetiere zurück. Die Nahrung besteht zu über 90 Prozent aus Antarktischem Krill (Euphausia superba). Der Krabbenfresser taucht überwiegend in Tiefen von 20 bis 50 Metern, um Krillschwärme zu erreichen, kann jedoch auch Tauchgänge bis über 400 Meter Tiefe unternehmen.

Beim Fressen nimmt das Tier einen Schwall krill­haltiges Wasser ins Maul und presst es durch die gelappten Backenzähne wieder heraus. Die ineinandergreifenden Zahnlappen fungieren dabei als hocheffizientes Filtersystem – funktionell vergleichbar mit den Barten der Bartenwale. Ergänzend stehen gelegentlich kleine Fische und Kopffüßer auf dem Speiseplan. Die Nahrungsaufnahme erfolgt vorwiegend in der Dämmerung und nachts, wenn die Krillschwärme in höhere Wasserschichten aufsteigen – der Krabbenfresser zeigt also ein überwiegend nachtaktives Jagdverhalten.

Verhalten & Lebensweise

Krabbenfresser sind keine ausgesprochen geselligen Tiere, bilden aber auch keine festen Reviere. Auf größeren Eisschollen können sich lose Ansammlungen von mehreren hundert Individuen bilden, ohne dass es dabei zu einer sozialen Organisation im eigentlichen Sinne kommt. Außerhalb der Fortpflanzungszeit ruhen die Tiere häufig einzeln oder in kleinen Gruppen auf Schollen.

Im Wasser sind Krabbenfresser wendige und ausdauernde Schwimmer. Sie können Geschwindigkeiten von bis zu 12 km/h erreichen. Ihr wichtigster natürlicher Fressfeind ist der Seeleopard (Hydrurga leptonyx), der vor allem Jungtieren und Subadulten nachstellt. Auch Schwertwale (Orcinus orca) erbeuten gelegentlich Krabbenfresser. Die hohe Rate an Narben – Studien zufolge tragen bis zu 75 Prozent der erwachsenen Tiere sichtbare Bissspuren – verdeutlicht den erheblichen Prädationsdruck, insbesondere in den ersten Lebensjahren.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in den antarktischen Frühling, etwa von September bis November. Weibchen bringen nach einer Tragzeit von rund elf Monaten ein einzelnes Jungtier zur Welt, in der Regel auf einer Eisscholle. Die Geburt erfolgt zwischen September und November des Folgejahres. Neugeborene wiegen etwa 20 bis 30 kg und sind mit einem weichen, graubraunen Lanugofell bedeckt, das sie innerhalb weniger Wochen verlieren.

Die Stillzeit ist mit etwa zwei bis drei Wochen sehr kurz. In dieser Phase verliert die Mutter erheblich an Körpergewicht, während das Jungtier rasch zunimmt – typisch für die Familie der Hundsrobben. Während der Aufzucht hält sich häufig ein erwachsenes Männchen in der Nähe des Mutter-Kind-Paares auf. Dieses sogenannte Triaden-Verhalten dient vermutlich dazu, das Weibchen unmittelbar nach dem Abstillen zu begatten. Die Geschlechtsreife wird mit drei bis vier Jahren erreicht.