Ringelrobbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pusa hispida (früher Phoca hispida)
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
- Familie: Hundsrobben (Phocidae)
- Gattung: Pusa
- Lebensraum: Arktische und subarktische Meere, vereinzelt Binnengewässer
- Größe: 100–150 cm Körperlänge
- Gewicht: 50–100 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Ringelrobbe ist die kleinste Robbenart der Arktis. Ihr Körper ist gedrungen und spindelförmig – eine typische Anpassung an das Leben in kalten Gewässern, da diese Körperform den Wärmeverlust minimiert. Das Fell zeigt eine dunkelgraue bis braungraue Grundfärbung auf der Oberseite, durchsetzt von hellen, ringförmigen Flecken, die der Art ihren deutschen Namen geben. Die Bauchseite ist deutlich heller, meist silbrig bis cremefarben.
Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper relativ klein und rundlich, mit einer kurzen Schnauze und großen, dunklen Augen. Wie alle Hundsrobben besitzt die Ringelrobbe keine äußeren Ohrmuscheln – lediglich kleine Gehöröffnungen sind seitlich am Kopf erkennbar. Die Vorderflossen sind kurz und mit kräftigen Krallen versehen, die eine entscheidende Rolle bei der Anlage von Atemlöchern im Eis spielen. Die Hinterflossen dienen als Hauptantrieb beim Schwimmen, können an Land jedoch nicht unter den Körper gedreht werden, weshalb sich die Ringelrobbe dort nur robbend fortbewegt.
Eine dicke Fettschicht – der sogenannte Blubber – von bis zu 10 cm Stärke isoliert den Körper gegen die extremen Temperaturen ihres Lebensraums.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Ringelrobbe erstreckt sich zirkumpolar über die gesamte Arktis. Sie kommt in den Küstengewässern Nordkanadas, Grönlands, Skandinaviens und Sibiriens vor. Ihr bevorzugtes Habitat sind Gebiete mit saisonalem oder ganzjährigem Meereis, das sie als Ruheplatz, Wurfplatz und Schutz vor Fressfeinden nutzt.
Neben den marinen Populationen existieren mehrere Unterarten in Binnengewässern. Die Saimaa-Ringelrobbe (Pusa hispida saimensis) lebt im finnischen Saimaa-See und gehört mit einem Bestand von nur etwa 400 Tieren zu den am stärksten bedrohten Robben weltweit. Eine weitere Süßwasser-Unterart, die Ladoga-Ringelrobbe (Pusa hispida ladogensis), besiedelt den Ladogasee in Russland. Diese Binnenpopulationen gelten als Relikte aus der letzten Eiszeit, als die Seen noch mit dem arktischen Meer verbunden waren.
Insgesamt werden fünf Unterarten anerkannt, deren Biotope von Packeis-Regionen über Fjordsysteme bis hin zu Süßwasserseen reichen.
Ernährung
Ringelrobben sind opportunistische Jäger, deren Nahrungsspektrum je nach Region und Jahreszeit variiert. Die Hauptnahrung besteht aus kleinen Fischen wie Polardorsch (Boreogadus saida), Lodde und Heringen sowie aus Wirbellosen wie Garnelen, Krill und anderen Krebstieren. In arktischen Gewässern nimmt der Polardorsch eine zentrale Stellung im Beutespektrum ein.
Die Tiere tauchen bei der Nahrungssuche gewöhnlich in Tiefen von 10 bis 50 Metern, können jedoch Tauchgänge von über 90 Metern Tiefe und bis zu 45 Minuten Dauer absolvieren. Die Jagd findet überwiegend in den Dämmerungsphasen und nachts statt, wenn ihre Beutetiere im Rahmen der vertikalen Wanderung in höhere Wasserschichten aufsteigen.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu vielen anderen Robbenarten ist die Ringelrobbe überwiegend einzelgängerisch. Sie bildet keine Kolonien oder Rudel, sondern beansprucht individuelle Reviere rund um selbst angelegte Atemlöcher im Eis. Diese Löcher werden mit den kräftigen Krallen der Vorderflossen offengehalten – eine Tätigkeit, die mitunter täglich nötig ist, um ein Zufrieren zu verhindern.
Eine einzigartige Verhaltensweise ist der Bau von Schneehöhlen (sogenannten Lairs) über den Atemlöchern. In aufgewehtem Schnee auf dem Meereis graben die Robben Hohlräume, die ihnen als Ruheplatz und Wurfhöhle dienen. Diese Schneehöhlen bieten Schutz vor Kälte, Wind und Fressfeinden wie dem Eisbären oder dem Polarfuchs.
Ringelrobben sind standorttreu, unternehmen aber saisonale Wanderungen, wenn sich die Eisverhältnisse ändern. Im Sommer, nach der Eisschmelze, halten sie sich vermehrt an Küsten und auf Felsen auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate April und Mai. Männchen werden in dieser Phase territorial und markieren ihre Reviere mit einem intensiven, ölig riechenden Sekret der Gesichtsdrüsen. Sie verteidigen den Zugang zu Atemlöchern, an denen sich paarungsbereite Weibchen aufhalten, und tragen Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Männchen aus, die zu deutlichen Narben im Fell führen können.
Nach einer Tragzeit von etwa elf Monaten – einschließlich einer verzögerten Einnistung (Keimruhe) von rund drei Monaten – bringt das Weibchen zwischen März und April ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die Geburt erfolgt in einer Schneehöhle auf dem Meereis. Neugeborene wiegen rund 4,5 kg und tragen ein weißes, wolliges Geburtsfell (Lanugo), das ihnen Tarnung im Schnee und zusätzliche Isolation bietet.
Die Stillzeit dauert etwa fünf bis sieben Wochen. Die fettreiche Muttermilch mit einem Fettgehalt von über 40