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Keiler

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Keiler bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache ein männliches Wildschwein (Sus scrofa), das geschlechtsreif ist und in der Regel ein Alter von mindestens zwei Jahren erreicht hat. Der Begriff gehört zum festen Vokabular der deutschen Jägersprache und grenzt das männliche Stück klar von der Bache (weibliches Wildschwein) und dem Frischling (Jungtier im ersten Lebensjahr) ab. Jüngere männliche Wildschweine, die noch nicht ausgewachsen sind, werden als Überläuferkeiler bezeichnet – sie befinden sich im zweiten Lebensjahr und haben die Rotte häufig bereits verlassen.

Der Keiler ist das stärkste und imposanteste Stück innerhalb der Schwarzwildpopulation. Seine markanten Gewaff genannten Eckzähne, sein massiger Körperbau und sein überwiegend einzelgängerisches Verhalten machen ihn zu einer Erscheinung, die in jagdlicher Tradition besondere Wertschätzung genießt.

Körperbau und äußere Merkmale

Ausgewachsene Keiler erreichen in Mitteleuropa ein Körpergewicht von 80 bis über 200 Kilogramm, wobei in Ausnahmefällen auch Stücke mit mehr als 200 Kilogramm Aufbruchgewicht erlegt wurden. Die Schulterhöhe liegt meist zwischen 80 und 100 Zentimetern. Gegenüber der Bache zeigt der Keiler einen deutlich kräftigeren Wurf (Kopfpartie), breitere Schultern und eine stärker ausgeprägte Schwarte (Haut). Im Bereich der Schulterblätter bildet sich bei älteren Keilern ein sogenanntes Schild – eine mehrere Zentimeter dicke Verdickung der Schwarte, die aus Bindegewebe und verharztem Harz besteht und als natürlicher Schutz bei Rangkämpfen dient.

Das auffälligste Merkmal des Keilers ist sein Gewaff. Dieses besteht aus den oberen Eckzähnen, den Haderer, und den unteren Eckzähnen, den Gewehren. Die Gewehre wachsen nach oben und außen und können bei alten Keilern eine Länge von über 20 Zentimetern erreichen. Sie werden durch das ständige Aneinanderreiben an den Haderern messerscharf geschliffen. Ein starkes Gewaff gilt als Trophäe und wird nach dem Erlegen häufig als Jagdandenken präpariert.

Lebensweise und Sozialverhalten

Keiler leben den größten Teil des Jahres als Einzelgänger. Im Gegensatz zu den Bachen, die zusammen mit Frischlingen und Überläufern in Rotten leben, durchstreifen geschlechtsreife Keiler große Reviere allein. Ältere, starke Keiler werden in der Jägersprache als Hauptschwein oder Hauptkeiler bezeichnet. Ein besonders alter und erfahrener Keiler, der aufgrund seiner Vorsicht kaum zu bejagen ist, wird auch als Basse oder alter Basse angesprochen.

Während der Rauschzeit – so nennt der Weidmann die Paarungszeit des Schwarzwildes, die überwiegend in die Monate November bis Januar fällt – suchen die Keiler aktiv die Rotten der Bachen auf. In dieser Phase legen sie oft weite Strecken zurück und nehmen kaum Nahrung zu sich. Sie können in der Rauschzeit bis zu einem Viertel ihres Körpergewichts verlieren. Treffen mehrere Keiler auf eine rauschige Bache, kommt es zu heftigen Kommentkämpfen, bei denen das Gewaff als Waffe eingesetzt wird. Das Schild an den Schultern schützt dabei vor schweren Verletzungen, dennoch können die Kämpfe blutende Wunden hinterlassen.

Nahrung und Lebensraum

Wie alle Wildschweine ist der Keiler ein Allesfresser (Omnivore). Sein Nahrungsspektrum umfasst:

  • Eicheln, Bucheckern und andere Mast (Baumfrüchte)
  • Wurzeln, Knollen und Gräser
  • Insektenlarven, Würmer und Schnecken
  • Kleinere Wirbeltiere und Gelege bodenbrütender Vögel
  • Feldfrüchte wie Mais und Kartoffeln

Der Keiler nutzt bevorzugt strukturreiche Laub- und Mischwälder als Lebensraum, passt sich aber an unterschiedliche Habitate an. Tagsüber ruht er in sogenannten Kesseln – selbst angelegten Lagerstellen im dichten Unterholz oder Schilf. Sein Aktionsradius ist deutlich größer als der einer Bache mit Frischlingen; einzelne Keiler können Streifgebiete von mehreren tausend Hektar nutzen.

Jagdliche Bedeutung

Die Bejagung des Keilers hat in der mitteleuropäischen Jagdtradition einen hohen Stellenwert. Auf Drückjagden und Ansitzjagden gehört der Keiler zu den begehrtesten Stücken. Der Erleger eines starken Keilers erhält traditionell den Erlegerbruch – einen Bruch aus Eichenlaub oder Fichtengrün, der am Hut getragen wird. Das Erlegen eines Keilers gilt unter Jägern als besondere Leistung, da alte Keiler äußerst misstrauisch, nachtaktiv und schwer zu bejagen sind.

Bei der Jagd auf Keiler ist besondere Vorsicht geboten. Ein angeschweißtes (verwundetes) Stück kann sich dem Jäger oder dem Nachsuchengespann stellen und mit seinem Gewaff gefährliche Verletzungen verursachen. Aus diesem Grund gehört die Nachsuche auf Schwarzwild zu den anspruchsvollsten Aufgaben im jagdlichen Alltag. Saupacker – speziell für die Wildschweinjagd eingesetzte Hunde – werden häufig mit Schutzwesten ausgestattet.

Im Rahmen des Wildtiermanagements spielt die Bejagung von Keilern eine untergeordnete Rolle gegenüber der Reduktion von Bachen und Frischlingen, da die Populationskontrolle beim Schwarzwild