Kellerassel
KTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Porcellio scaber Latreille, 1804
- Ordnung: Asseln (Isopoda)
- Unterordnung: Landasseln (Oniscidea)
- Familie: Porcellionidae
- Gattung: Porcellio
- Lebensraum: Feuchte, dunkle Habitate – unter Steinen, Totholz, in Kellern, Komposthaufen, Gärten
- Größe: 10–15 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 0,5–1 g
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Kellerassel besitzt den typischen Körperbau der Landasseln: einen dorsoventral abgeflachten, oval geformten Körper, der aus deutlich gegliederten Segmenten besteht. Der Panzer – ein verkalktes Exoskelett aus Chitin – ist grau bis graubraun gefärbt und weist eine charakteristische raue, körnige Oberfläche auf, die sie von der glatteren Mauerassel (Oniscus asellus) gut unterscheidbar macht. Gelegentlich treten gelbliche oder bräunliche Farbvarianten auf.
Der Körper gliedert sich in drei Abschnitte: Kopf (Cephalon), Rumpf (Pereon) mit sieben freien Segmenten und Hinterleib (Pleon) mit sechs Segmenten, wobei das letzte Segment als Telson ausgebildet ist. Am Kopf sitzen zwei Paar Antennen, von denen das erste Paar stark reduziert ist und das zweite Paar als deutlich sichtbare Fühler dient. Die Facettenaugen sind klein und bestehen aus jeweils rund 25 Einzelaugen (Ommatidien). Am Rumpf tragen die sieben Segmente je ein Paar Schreitbeine – insgesamt also 14 Beine, ein Merkmal aller Isopoda. Am Hinterleib befinden sich die Pleopoden, die sowohl der Atmung als auch bei Männchen der Fortpflanzung dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Porcellio scaber liegt in West- und Mitteleuropa. Durch den Menschen wurde die Art jedoch weltweit verschleppt und gilt heute als Kosmopolit. Sie kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor und hat sich in gemäßigten und subtropischen Regionen etabliert.
Als Habitat bevorzugt die Kellerassel feuchte, dunkle Mikrohabitate mit guter Deckung. In der Natur findet man sie unter Steinen, abgestorbener Baumrinde, in Laubstreu, Totholz und Komposthaufen. Im menschlichen Umfeld besiedelt sie Keller, Gewächshäuser, Schuppen, Mauerfugen und Hohlräume unter Blumentöpfen – daher der deutsche Trivialname. Die Bindung an feuchte Biotope erklärt sich durch die Atmungsphysiologie: Obwohl Landasseln an ein Leben außerhalb des Wassers angepasst sind, atmen sie über modifizierte Kiemen an den Pleopoden, die eine gewisse Feuchtigkeit benötigen. Trockene Bedingungen führen schnell zum Austrocknen und Tod der Tiere.
Ernährung
Kellerasseln sind Saprophagen, also Zersetzer von totem organischem Material. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus abgestorbenem Pflanzenmaterial: Falllaub, verrottendes Holz, verwesende Pflanzenteile und die darauf siedelnden Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien. Gelegentlich fressen sie auch Algenbeläge, tote Insekten oder Kot anderer Tiere.
Im Ökosystem erfüllen Kellerasseln eine wichtige Funktion als Destruenten. Sie zerkleinern pflanzliches Material mechanisch und machen es für Bakterien und Pilze besser zugänglich, was die Humusbildung fördert. In einem Quadratmeter Waldboden mit hoher Asseldichte können die Tiere pro Jahr mehrere Hundert Gramm Laubstreu umsetzen. Eine Besonderheit des Stoffwechsels: Kellerasseln nehmen über ihre Nahrung Schwermetalle wie Kupfer, Zink und Blei auf und speichern diese in speziellen Zellen des Hepatopankreas. Diese Eigenschaft macht sie zu Bioindikatoren für Bodenkontamination.
Verhalten & Lebensweise
Die Kellerassel ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verharrt sie in ihren feuchten Verstecken und wird erst nach Einbruch der Dunkelheit aktiv, um auf Nahrungssuche zu gehen. Dieses Verhalten schützt sie vor Austrocknung und vor tagaktiven Fressfeinden.
Kellerasseln leben gesellig und bilden oft Aggregationen von mehreren Dutzend bis Hundert Individuen unter einem einzelnen Stein oder Brett. Diese Gruppenbildung ist kein echtes Sozialverhalten, sondern das Ergebnis gleicher Habitatpräferenzen und eines Aggregationspheromons, das die Tiere über ihren Kot abgeben. Das enge Zusammensitzen reduziert zudem den individuellen Wasserverlust.
Werden Kellerasseln gestört, reagieren sie mit Thanatose – sie stellen sich tot und rollen sich leicht zusammen. Im Gegensatz zur eng verwandten Rollassel (Armadillidium vulgare) können sie sich jedoch nicht vollständig zu einer Kugel einrollen, da ihre Körpersegmente dafür nicht ausreichend gewölbt sind. Zur Orientierung nutzen die Tiere vor allem ihre Antennen sowie Feuchtigkeits- und Lichtreize. Sie zeigen eine ausgeprägte negative Phototaxis – sie meiden also aktiv Lichtquellen – sowie eine positive Hydrotaxis, bewegen sich also in Richtung höherer Feuchtigkeit.
Zu den natürlichen Fressfeinden gehören Spinnen, Laufkäfer, Hundertfüßer, Spitzmäuse, Kröten und verschiedene Vogelarten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in Mitteleuropa hauptsächlich im Frühjahr und Frühsommer statt. Das Männchen erkennt ein paarungsbereites Weibchen anhand chemischer Signale und besteigt es zur Kopulation. Die Spermienübertragung erfolgt über die umgewandelten ersten beiden Pleopodenpaare des Männchens.
Nach der Befruchtung entwickeln sich die Eier nicht f