T Tierlexikon.net
← Lexikon

Kiwi

K

Tierart – Vögel > Flugunfähige & Laufvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Apteryx (Gattung mit fünf anerkannten Arten)
  • Ordnung: Apterygiformes (Kiwiartige)
  • Familie: Apterygidae (Kiwis)
  • Lebensraum: Subtropische und gemäßigte Wälder, Buschland und Grasland Neuseelands
  • Größe: 25–45 cm (Standhöhe), je nach Art
  • Gewicht: 1,0–3,5 kg; Weibchen sind deutlich schwerer als Männchen
  • Lebenserwartung: 25–50 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Kiwis sind kleine, kompakt gebaute Laufvögel, deren Erscheinung unter den Vögeln einzigartig ist. Ihr Gefieder erinnert auf den ersten Blick eher an grobes Fell als an typische Vogelfedern: Die Federn sind haarförmig, locker und ohne die für flugfähige Vögel typischen Hakenstrahlen an den Federästen. Eine Afterfeder fehlt ebenfalls. Die Färbung reicht von rötlich-braun über grau-braun bis dunkelbraun, was eine hervorragende Tarnung im Unterholz ermöglicht.

Flügel sind bei Kiwis auf winzige, unter dem Gefieder verborgene Stummel von etwa drei Zentimetern Länge reduziert. Ein sichtbarer Schwanz fehlt vollständig. Die Beine sind kräftig und muskulös, ausgestattet mit scharfen Krallen, die beim Graben und bei der Verteidigung eingesetzt werden. Das auffälligste Merkmal ist der lange, leicht gebogene Schnabel, an dessen Spitze sich – einmalig unter Vögeln – die Nasenöffnungen befinden. Diese Stellung ermöglicht dem Kiwi, Beute unterirdisch aufzuspüren. Am Schnabelgrund sitzen empfindliche Tastborsten (Vibrissen), die zusätzlich der Orientierung dienen.

Die Augen sind im Verhältnis zur Körpergröße sehr klein. Kiwis verlassen sich weniger auf das Sehvermögen als vielmehr auf ihren außergewöhnlich gut entwickelten Geruchs- und Tastsinn – eine Seltenheit unter Vögeln.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet aller fünf Kiwi-Arten beschränkt sich auf Neuseeland. Die Gattung Apteryx umfasst den Streifenkiwi (Apteryx mantelli), den Haastkiwi oder Großen Fleckenkiwi (Apteryx haastii), den Kleinen Fleckenkiwi (Apteryx owenii), den Rowi (Apteryx rowi) sowie den Südlichen Streifenkiwi oder Tokoeka (Apteryx australis).

Die einzelnen Arten besiedeln unterschiedliche Habitate: Dichte, feuchte Podocarpus- und Nothofagus-Wälder der Tiefebenen, subalpines Buschland, Küstendünen und regenerierte Sekundärwälder gehören zu den bevorzugten Biotopen. Entscheidend für die Eignung eines Lebensraums ist ein weicher, durchdringbarer Boden, in dem die Tiere nach Nahrung stochern können. Der Kleine Fleckenkiwi überlebt heute nur noch auf einigen raubtierfreien Inseln vor der Küste Neuseelands, nachdem er auf den beiden Hauptinseln ausgerottet wurde.

Ernährung

Kiwis sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf wirbellosen Tieren. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Regenwürmern, Larven von Käfern und Schnaken, Spinnen, Tausendfüßlern und kleinen Schnecken. Ergänzend fressen sie Früchte, Beeren und Samen, die auf den Waldboden gefallen sind. Gelegentlich nehmen sie auch kleine Krebstiere oder Amphibien auf.

Bei der Nahrungssuche stößt der Kiwi seinen langen Schnabel wiederholt tief in den Boden und lokalisiert Beutetiere anhand von Geruch und Vibration. Die endständigen Nasenöffnungen verhindern dabei das Verstopfen mit Erde. Nach dem Auffinden wird die Beute durch ruckartiges Herausziehen des Schnabels freigelegt. Kiwis können pro Nacht beträchtliche Strecken zurücklegen und durchstreifen dabei systematisch ihr Revier.

Verhalten & Lebensweise

Kiwis sind strikt nachtaktiv. Den Tag verbringen sie in selbstgegrabenen Erdhöhlen, hohlen Baumstämmen oder unter dichtem Pflanzenwuchs. In der Dämmerung verlassen sie ihre Verstecke und durchstreifen auf festen Pfaden ihr Revier, das je nach Art und Nahrungsverfügbarkeit zwischen 2 und 40 Hektar umfassen kann.

Die Tiere leben überwiegend paarweise und verteidigen ihr Territorium lautstark mit durchdringenden, pfeifenden Rufen – dem namensgebenden „ki-wi" –, die über mehrere Kilometer zu hören sind. Männchen und Weibchen rufen in unterschiedlicher Tonlage, was die Geschlechter auch akustisch unterscheidbar macht. Gegenüber Artgenossen und Eindringlingen können Kiwis aggressiv reagieren und setzen ihre kräftigen Beine und Krallen als Waffen ein.

Kiwis besitzen eine für Vögel ihrer Größe ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur von etwa 38 °C, die eher an Säugetiere erinnert. Auch die Knochenstruktur unterscheidet sich von den meisten Vögeln: Die Knochen enthalten Mark und sind nicht pneumatisiert (luftgefüllt), was als Anpassung an die rein terrestrische Lebensweise gilt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Kiwis leben in monogamen Paarbindungen, die oft über viele Jahre bestehen. Die Balz umfasst nächtliche Rufduelle und gemeinsames Durchstreifen des Reviers. Das Weibchen legt in der Regel ein bis zwei Eier pro Brutsaison, die im Verhältnis zur Körpergröße des Vogels außerordentlich groß sind: Ein einzelnes Ei kann bis zu 20 Prozent des Körpergewichts des Weibchens erreichen. Relativ gesehen ist es das größte Ei aller lebenden Vogelarten.

Die Brutdauer beträgt je nach Art 63 bis 92 Tage – eine der