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Königskrabbe

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Tierart – Wirbellose > Krebstiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Paralithodes camtschaticus
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
  • Familie: Stein- und Königskrabben (Lithodidae)
  • Gattung: Paralithodes
  • Lebensraum: Kalte Meeresböden des Nordpazifiks und der Barentssee, in Tiefen von 5 bis über 400 Metern
  • Größe: Carapaxbreite bis 28 cm; Beinspannweite bis 1,8 m
  • Gewicht: Bis zu 12 kg, in Ausnahmefällen darüber
  • Lebenserwartung: 20 bis 30 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Königskrabbe, auch als Kamtschatkakrabbe oder Rote Königskrabbe bezeichnet, gehört zu den größten Vertretern der Krebstiere weltweit. Ihr Körper ist von einem massiven, stark verkalkten Exoskelett bedeckt, das mit zahlreichen spitzen Dornen besetzt ist und als wirksamer Schutz gegen Fressfeinde dient. Die Grundfärbung variiert je nach Alter und Lebensphase zwischen dunkelrot, braunrot und bläulich-violett. Die Unterseite ist deutlich heller und tendiert zu Gelblich-Weiß.

Trotz ihres Namens handelt es sich bei der Königskrabbe taxonomisch nicht um eine echte Krabbe (Brachyura), sondern um einen Anomuren – sie ist näher mit Einsiedlerkrebsen verwandt als mit Taschenkrebsen. Ein äußeres Erkennungsmerkmal dieser Abstammung ist das fünfte Beinpaar, das stark reduziert und unter dem Carapax verborgen ist. Dadurch wirkt die Königskrabbe so, als besäße sie nur vier Laufbeinpaare statt fünf. Die beiden vorderen Extremitäten sind zu kräftigen Scheren (Chelipeden) ausgebildet, wobei die rechte Schere in der Regel größer und stärker ist als die linke. Sie dient dem Zerbrechen hartschaliger Beute, während die kleinere linke Schere eher zum Zerkleinern und Zuführen von Nahrung eingesetzt wird.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Königskrabbe erstreckt sich über den nördlichen Pazifik – von der Küste Japans über das Ochotskische Meer und die Beringsee bis nach Alaska und British Columbia. Die Tiere besiedeln bevorzugt kalte Gewässer mit Bodentemperaturen zwischen 2 und 10 °C. Ihr Habitat reicht von flachen Küstengewässern bis in Tiefen von über 400 Metern, wobei die Tiefenverteilung saisonalen Schwankungen unterliegt.

In den 1960er-Jahren setzten sowjetische Wissenschaftler die Königskrabbe gezielt in der Barentssee aus, um dort eine neue Fischerei-Ressource zu etablieren. Die Population hat sich seitdem entlang der Küsten Nordnorwegens und der Kola-Halbinsel stark ausgebreitet. Diese Einführung wird aus ökologischer Sicht kontrovers bewertet, da die Königskrabbe als invasive Art die einheimische Bodenfauna des nordatlantischen Biotops erheblich verändert hat – insbesondere durch den Fraßdruck auf Muscheln, Seeigel und Polychaeten.

Ernährung

Die Königskrabbe ist ein opportunistischer Allesfresser mit Schwerpunkt auf tierischer Kost. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen Muscheln, Schnecken, Seeigel, Seesterne, Würmer, kleinere Krebstiere und gelegentlich Fisch. Auch Algen und organische Sedimentablagerungen werden aufgenommen. Mit ihren kräftigen Scheren sind die Tiere in der Lage, selbst die harten Schalen von Bivalven aufzubrechen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Meeresboden, wo die Krabben langsam über das Substrat wandern und mit ihren Mundwerkzeugen und Scheren systematisch Beute aufspüren und zerkleinern.

Verhalten & Lebensweise

Königskrabben sind vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv und verbringen den Tag häufig in Ruhephasen auf dem Meeresgrund. Auffällig ist ihr saisonales Wanderungsverhalten: Im Frühjahr ziehen große Gruppen aus tieferen Gewässern in flachere Küstenzonen, um sich dort zu häuten und zu paaren. Diese Wanderungen können Distanzen von über 100 Kilometern umfassen. Die Tiere bewegen sich dabei in dichten Aggregationen, die mehrere Tausend Individuen umfassen können – ein Verhalten, das vermutlich dem Schutz vor Räubern während der verletzlichen Häutungsphase dient.

Wie alle Krebstiere muss die Königskrabbe ihr starres Exoskelett regelmäßig abwerfen, um zu wachsen. Dieser als Ecdysis bezeichnete Häutungsprozess ist energetisch aufwändig und mit einem hohen Prädationsrisiko verbunden. Jüngere Tiere häuten sich mehrmals pro Jahr, ältere Exemplare nur noch alle ein bis zwei Jahre. In der Zeit unmittelbar nach der Häutung ist der Panzer weich, und die Krabbe zieht sich in Verstecke zurück oder sucht Schutz innerhalb der Gruppe.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt im Frühjahr in den flachen Küstengewässern und ist eng an die Häutung der Weibchen gekoppelt. Das Männchen umklammert das Weibchen vor der Häutung in einem sogenannten Paarungsgriff und wartet, bis der alte Panzer abgeworfen wird. Unmittelbar danach findet die Befruchtung statt, bei der das Männchen eine Spermatophore an die Bauchseite des Weibchens heftet.

Das Weibchen trägt anschließend zwischen 50.000 und 500.000 Eier an seinen Pleopoden – den Schwimmbeinen am Hinterleib. Die Brutpflege dauert etwa 11 bis 12 Monate. Nach dem Schlüpfen durchlaufen die Larven mehrere Entwicklungsstadien (Zoëa und Glaucothoe), die im freien Wasser leben und Teil des Zooplanktons sind. Erst nach etwa zwei bis drei Monaten siedeln sich die Jungtiere am Meeresboden an. Die Geschlechtsreife wird mit etwa fünf bis sieben Jahren erreicht.

Bedrohung & Schutzstatus