Krabbe
KTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Brachyura (Infraordnung)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Überordnung: Höhere Krebse (Malacostraca)
- Familien: Über 90 Familien, darunter Portunidae (Schwimmkrabben), Cancridae (Taschenkrebse), Grapsidae (Felsenkrabben), Ocypodidae (Winkerkrabben)
- Lebensraum: Meere, Brackwasser, Süßwasser, vereinzelt terrestrisch
- Größe: Carapaxbreite von wenigen Millimetern (Erbsenkrabben) bis über 40 cm (Japanische Riesenkrabbe)
- Gewicht: Wenige Gramm bis etwa 19 kg (Japanische Riesenkrabbe, Macrocheira kaempferi)
- Lebenserwartung: Je nach Art 3–30 Jahre, bei einzelnen Tiefseekrabben möglicherweise länger
Aussehen & Merkmale
Krabben – im zoologischen Sinn als Kurzschwanzkrebse (Brachyura) definiert – unterscheiden sich von anderen Krebstieren vor allem durch ihren stark verkürzten und unter den Körper eingeklappten Hinterleib (Pleon). Dieses Merkmal gibt der Gruppe ihren wissenschaftlichen Namen: „brachys" (kurz) und „oura" (Schwanz). Der vordere Körperabschnitt wird von einem breiten, oft abgeflachten Rückenschild (Carapax) geschützt, der den Cephalothorax – die Verschmelzung von Kopf und Brustsegmenten – vollständig bedeckt.
Wie alle Zehnfußkrebse besitzen Krabben fünf Beinpaare. Das erste Paar ist zu kräftigen Scheren (Chelipeden) umgebildet, die je nach Art symmetrisch oder deutlich asymmetrisch ausgebildet sein können. Die restlichen vier Beinpaare dienen der Fortbewegung. Typisch für Krabben ist der seitwärts gerichtete Gang, der durch die seitliche Insertion der Laufbeine am breiten Carapax bedingt ist. Einige Arten, etwa die Schwimmkrabben der Familie Portunidae, tragen am letzten Beinpaar abgeflachte, paddelartige Glieder, mit denen sie aktiv schwimmen können.
Die Augen sitzen auf beweglichen Stielen und ermöglichen ein weites Gesichtsfeld. Zwei Paar Antennen dienen als Tast- und Chemorezeptoren. Die Körperoberfläche ist von einem chitinhaltigen Exoskelett bedeckt, das durch Einlagerung von Calciumcarbonat zusätzlich gehärtet wird. Die Färbung variiert erheblich: von sandfarben und braun bei grabenden Arten bis hin zu leuchtend rot, blau oder orange bei Rifffbewohnern.
Lebensraum & Verbreitung
Krabben besiedeln nahezu alle aquatischen Lebensräume weltweit. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee, von tropischen Korallenriffen bis in polare Gewässer. Die Strandkrabbe (Carcinus maenas) zählt zu den häufigsten Arten an europäischen Küsten und bewohnt Felslitorale, Sandböden und Seegraswiesen gleichermaßen. Im Wattenmeer der Nordsee ist die Nordseegarnele zwar kein echtes Krabbentier im taxonomischen Sinn, wird umgangssprachlich aber als „Krabbe" bezeichnet – eine Quelle häufiger Verwechslungen.
Einige Gruppen haben sich an das Leben im Süßwasser angepasst, darunter die Potamidae in Südeuropa, Afrika und Asien. Landkrabben der Familie Gecarcinidae verbringen den größten Teil ihres Lebens an Land und suchen das Meer nur zur Fortpflanzung auf. Mangrovenwälder, Flussmündungen und Brackwasserlagunen stellen besonders artenreiche Habitate dar. Die Weihnachtsinsel-Krabbe (Gecarcoidea natalis) lebt ausschließlich auf der namensgebenden Insel im Indischen Ozean und vollzieht dort jährlich eine spektakuläre Massenwanderung zur Küste.
Ernährung
Die meisten Krabben sind Allesfresser (Omnivore). Ihr Nahrungsspektrum umfasst Algen, Detritus, Würmer, Muscheln, Schnecken, kleine Fische und Aas. Mit ihren kräftigen Scheren können viele Arten hartschalige Beute wie Muscheln und Seeigel aufbrechen. Einige Arten zeigen eine stärker spezialisierte Ernährungsweise: Winkerkrabben (Uca) filtrieren organische Partikel aus dem Sediment, während die Kokoskrabbe (Birgus latro) – streng genommen ein Einsiedlerkrebs und kein Brachyure – pflanzliche Kost einschließlich Kokosnüssen bevorzugt. Viele Krabben sind überwiegend nachtaktiv und suchen in der Dämmerung oder Dunkelheit nach Nahrung, um Fressfeinden wie Vögeln, Fischen und Kraken zu entgehen.
Verhalten & Lebensweise
Krabben sind überwiegend einzelgängerisch, verteidigen jedoch häufig ein kleines Revier um ihre Höhle oder ihren Unterschlupf. Aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen äußert sich in ritualisierten Drohgebärden: Die Scheren werden weit gespreizt und hochgehalten, um die eigene Körpergröße zu betonen. Kommt es zum Kampf, können Gliedmaßen verloren gehen – Krabben sind jedoch in der Lage, verlorene Extremitäten bei der nächsten Häutung zu regenerieren.
Die Häutung (Ecdysis) ist ein zentraler Vorgang im Lebenszyklus. Da das Exoskelett nicht mitwächst, muss es regelmäßig abgestreift und durch ein neues, zunächst weiches Außenskelett ersetzt werden. In der Phase unmittelbar nach der Häutung – als Butterkrabbe oder Weichkrabbe bezeichnet – sind die Tiere besonders verwundbar und verbergen sich in Verstecken.
Viele Krabben zeigen ein ausgeprägtes Grabe- und Höhlenverhalten. Strandkrabben und Geisterkrabben (Ocypode) legen tiefe Gänge im Sand an, die ihnen Schutz vor Austrocknung, Hitze und Fressfeinden bieten.