Kreuzotter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vipera berus (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Vipern (Viperidae)
- Gattung: Echte Ottern (Vipera)
- Lebensraum: Moore, Heiden, Waldränder, alpine Matten, Feuchtwiesen
- Größe: 50–70 cm, selten bis 90 cm
- Gewicht: 100–200 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Kreuzotter ist eine vergleichsweise kleine, gedrungen gebaute Giftschlange mit einem deutlich vom Rumpf abgesetzten, dreieckigen Kopf. Das auffälligste Erkennungsmerkmal ist das dunkle Zickzackband, das sich über die gesamte Rückenlänge zieht. Die Grundfärbung der Schuppen variiert erheblich: Männchen zeigen meist ein helles Grau mit kontrastreichem schwarzem Zickzackmuster, während Weibchen eher bräunliche bis rötlichbraune Farbtöne aufweisen. Daneben existieren vollständig schwarz gefärbte Exemplare, sogenannte Schwärzlinge oder melanistische Tiere, die regional – etwa im Schwarzwald oder in skandinavischen Mooren – gehäuft auftreten. Diese Melanismus-Variante wird manchmal als „Höllenotter" bezeichnet.
Die Pupille ist senkrecht geschlitzt, typisch für die Familie der Vipern. Auf dem Kopf befinden sich häufig eine dunkle X- oder V-förmige Zeichnung sowie ein dunkler Schläfenstreifen, der vom Auge zum Mundwinkel verläuft. Die gekielten Rückenschuppen verleihen dem Körper eine matte, raue Oberfläche – im Gegensatz zu den glatten Schuppen der ungiftigen Ringelnatter (Natrix natrix), mit der die Kreuzotter gelegentlich verwechselt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kreuzotter erstreckt sich von Westeuropa über Mittel- und Nordeuropa bis nach Ostasien. Sie besiedelt ein riesiges Areal vom Atlantik bis zur Pazifikküste und gilt damit als die am weitesten verbreitete Giftschlange der Welt. In Skandinavien dringt sie bis weit nördlich des Polarkreises vor und hält den Rekord als nördlichste Schlangenart überhaupt.
Als Habitat bevorzugt die Kreuzotter strukturreiche, halboffene Biotope mit einem Wechsel aus besonnten Flächen und dichter Bodenvegetation. Typische Lebensräume sind Hochmoore, Heideflächen, Waldlichtungen, Kahlschläge, Geröllhalden und alpine Wiesen bis in Höhenlagen von über 2.500 Metern in den Alpen. Entscheidend für die Standortwahl sind das Vorhandensein von Sonnenplätzen zur Thermoregulation, Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz oder Wurzeltellern sowie frostfreie Überwinterungsquartiere.
In Deutschland kommt die Art vor allem in den Mittelgebirgen, entlang der Nordseeküste und im Alpenraum vor. In der intensiv genutzten Agrarlandschaft des Tieflandes ist sie dagegen weitgehend verschwunden.
Ernährung
Die Kreuzotter ernährt sich überwiegend von kleinen Säugetieren, vor allem Wühlmäusen, Spitzmäusen und Waldmäusen. Daneben gehören Eidechsen, Blindschleichen und Frösche zum Nahrungsspektrum. Jungtiere fressen bevorzugt kleine Eidechsen und junge Frösche, da sie noch zu klein sind, um Mäuse zu überwältigen.
Die Jagdstrategie folgt dem für Vipern typischen Muster: Die Schlange lauert gut getarnt am Boden, stößt blitzschnell vor und injiziert über ihre beiden Röhrengiftzähne (Solenoglyphe) ein hämotoxisches Gift in die Beute. Nach dem Biss lässt sie das Beutetier in der Regel los und verfolgt es anhand der Geruchsspur mit ihrer gespaltenen Zunge, bis das Gift gewirkt hat. Die Beute wird dann im Ganzen verschlungen, Kopf voran.
Verhalten & Lebensweise
Die Kreuzotter ist überwiegend tagaktiv, wobei sie in den Sommermonaten bei großer Hitze ihre Aktivität in die Morgen- und Abendstunden verlagert. Als wechselwarmes (ektothermes) Tier ist sie auf externe Wärmequellen angewiesen und verbringt einen erheblichen Teil des Tages mit Sonnenbaden auf Steinen, Totholz oder offenen Bodenstellen.
In Mitteleuropa dauert die Winterruhe von Oktober bis März oder April. Die Tiere überwintern oft in großen Gruppen in frostfreien Erdlöchern, Felsspalten oder Kleinsäugerbauten. An solchen Winterquartieren versammeln sich teils Dutzende Individuen. Nach dem Erwachen im Frühjahr sonnen sich die Tiere zunächst tagelang in der Nähe des Überwinterungsplatzes, bevor sie ihre Sommerlebensräume aufsuchen, die bis zu einige hundert Meter entfernt liegen können. Die Kreuzotter ist standorttreu und nutzt über Jahre dieselben Sonnenplätze, Jagdreviere und Winterquartiere.
Gegenüber dem Menschen verhält sich die Kreuzotter scheu und ergreift bei Störung die Flucht. Bisse erfolgen fast ausschließlich, wenn die Schlange versehentlich getreten oder gegriffen wird. Das Gift ist für gesunde Erwachsene in der Regel nicht lebensbedrohlich, kann aber bei Kindern, älteren Personen und Allergikern schwere Reaktionen hervorrufen. Todesfälle sind in Mitteleuropa äußerst selten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den April und Mai. In dieser Phase führen die Männchen sogenannte Kommentkämpfe aus, bei denen sich zwei Rivalen mit den Vorderkörpern umschlingen und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken. Gebissen wird dabei nicht. Das siegreiche Männchen paart sich anschließend mit dem Weibchen.
Die Kreuzotter ist ovovivipar – die Weibchen tragen die Eier im Körper aus