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Krickel

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Krickel bezeichnet der Jäger das Gehörn der Waldschnepfe (Scolopax rusticola) – genauer gesagt die kleinen, spitzen Hörner oder Krallen an den Ständern (Beinen) dieses Waldvogels. Der Begriff wird in der Jäger- und Weidmannssprache allerdings vorrangig und weitaus häufiger für das Geweih des Rehwildes verwendet, insbesondere dann, wenn es sich um ein besonders schwaches, dünnes oder schlecht ausgebildetes Gehörn handelt. In manchen Regionen wird auch das gesamte Gehörn des Rehbocks unabhängig von seiner Stärke als Krickel oder Krickerl bezeichnet, wobei diese Verwendung vor allem im süddeutschen und österreichischen Sprachraum verbreitet ist.

Der Ausdruck leitet sich vermutlich vom mittelhochdeutschen Wort „kricke" ab, das so viel wie „Krücke" oder „gebogener Stock" bedeutet. Diese Herkunft verweist auf die typische, leicht gebogene und oft unregelmäßige Form eines schwachen Rehgehörns, das an einen krummen Ast oder eben eine Krücke erinnert.

Krickel beim Rehwild

Beim Rehbock (Capreolus capreolus) dient das Krickel als umgangssprachlicher Ausdruck für ein Gehörn, das hinter den Erwartungen zurückbleibt. In der weidmännischen Fachsprache wird das Rehgehörn korrekt als Gehörn bezeichnet – im Unterschied zum Geweih des Rotwildes oder zum Gestänge des Damwildes. Das Krickel beschreibt dabei vor allem folgende Erscheinungsformen:

  • Spießer-Gehörn: Ein Gehörn ohne Vereckung (Verzweigung), das lediglich aus zwei einfachen, unverzweigten Stangen besteht. Junge Böcke im ersten Lebensjahr tragen häufig solche Spieße, die dann als Krickel bezeichnet werden.
  • Knopfgehörn: Besonders kurze, knopfartige Gehörnbildungen, die kaum über die Rosenstöcke hinausragen. Auch diese Minimalform wird gelegentlich Krickel genannt.
  • Verkümmerte Gehörne: Durch Krankheit, Verletzung, Nahrungsmangel oder genetische Veranlagung zurückgebliebene Gehörne älterer Böcke, die trotz fortgeschrittenen Alters keine angemessene Stärke erreichen.

Ein Rehbock mit schwachem Krickel wird im Jägerjargon häufig als Krickelträger oder abwertend als Kümmerer bezeichnet. Im Rahmen der Hege und des Abschussplanes gehören solche Böcke oft zu den Stücken, die bevorzugt erlegt werden sollen, um den Wildbestand qualitativ zu verbessern. Die Beurteilung des Gehörns spielt bei der Jagdplanung und der Einschätzung der Trophäenqualität eine wesentliche Rolle.

Krickel bei der Waldschnepfe

In einer zweiten, weniger geläufigen Bedeutung bezeichnet Krickel die winzigen, nagelartigen Horngebilde an den Läufen der Waldschnepfe. Diese kleinen Krallen oder Sporne sitzen an der Innenseite der Ständer und werden von Schnepfenjägern seit Jahrhunderten gesammelt. In der Tradition der Schnepfenjagd – einer der ältesten und traditionsreichsten Jagdarten – wurden die Krickel als Schmuck und Trophäe verwendet. Schnepfenmaler nutzten sie als feine Pinsel, weshalb sie auch als Schnepfenfeder oder Malerfeder bekannt wurden, obwohl es sich streng genommen nicht um Federn, sondern um Horngebilde handelt.

Die Schnepfenkrickel wurden traditionell an den Hut gesteckt, ähnlich dem Gamsbart oder dem Spielhahnfeder-Schmuck. Diese Praxis ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten, wird aber in manchen alpinen Regionen und bei Brauchtumsveranstaltungen noch gepflegt.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die Weidmannssprache unterscheidet sehr genau zwischen den verschiedenen Kopfwaffen des Schalenwildes. Eine klare Abgrenzung des Begriffs Krickel ist daher sinnvoll:

  • Gehörn: Der korrekte weidmännische Ausdruck für den Kopfschmuck des Rehbocks. Krickel ist die umgangssprachliche, oft abwertende Variante für ein schwaches Gehörn.
  • Geweih: Bezeichnet den Kopfschmuck von Rot-, Dam- und Elchwild. Das Geweih ist in der Regel deutlich größer und stärker verzweigt als das Rehgehörn.
  • Krucken: So heißen die Hörner der Gämse. Sie werden nicht abgeworfen und bestehen aus einem Hornmantel über einem Knochenzapfen – anders als das Gehörn des Rehbocks, das jährlich neu gebildet wird.
  • Schnecken: Die spiralig gedrehten Hörner des Muffelwildes.
  • Rosenstöcke: Die knöchernen Stirnzapfen, auf denen das Gehörn des Rehbocks aufsitzt. Auch nach dem jährlichen Abwurf des Gehörns bleiben die Rosenstöcke erhalten.

Gehörnentwicklung und Einflussfaktoren

Ob ein Rehbock ein starkes Gehörn oder lediglich ein Krickel ausbildet, hängt von mehreren Faktoren ab. Die genetische Veranlagung spielt eine Grundrolle, doch ebenso entscheidend sind Ernährungszustand, Lebensraum und Alter des Bockes. In nährstoffreichen Revieren mit guter Äsung entwickeln Böcke in der Regel kräftigere Gehörne als in kargen, überbevölkerten Gebieten.

Junge Böcke – sogenannte Jährlinge – tragen im ersten Jahr häufig nur einfache Spieße oder kurze Gabeln. Dies ist ein normaler Entwicklungsschritt und kein Zeichen für ein dauerhaft schwaches