Kriebelmücke
KTierart – Insekten > Zweiflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Simuliidae (Familie)
- Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
- Unterordnung: Mückenartige (Nematocera)
- Familie: Kriebelmücken (Simuliidae)
- Gattungen (Auswahl): Simulium, Prosimulium, Cnephia
- Lebensraum: Fließgewässer (Larvalentwicklung), umliegende Landhabitate (Adulte)
- Größe: 2–6 mm Körperlänge
- Gewicht: unter 1 mg
- Lebenserwartung: wenige Wochen als Imago; gesamter Lebenszyklus je nach Art und Temperatur 1–4 Monate
- Artenzahl weltweit: ca. 2.200 beschriebene Arten
- Arten in Mitteleuropa: ca. 50–60
Aussehen & Merkmale
Kriebelmücken sind kleine, gedrungen gebaute Zweiflügler, die auf den ersten Blick eher an winzige Fliegen als an typische Stechmücken erinnern. Der Körper ist kompakt, buckelig gewölbt und kurzbeinig. Die Flügel sind breit, farblos bis leicht getönt und zeigen eine charakteristische Aderung mit deutlich ausgeprägten Vorderrandadern, während die hintere Flügelfläche nur schwach geädert ist. Im Ruhezustand werden die Flügel flach übereinander über den Hinterleib gelegt.
Der Kopf trägt große Facettenaugen, die bei Männchen nahezu zusammenstoßen (holoptisch), bei Weibchen dagegen deutlich getrennt sind (dichoptisch). Die Fühler sind kurz, perlschnurartig gegliedert und bestehen aus neun bis elf Gliedern – ein Unterschied zu den langfühlerigen Stechmücken der Familie Culicidae. Die Mundwerkzeuge der Weibchen sind als kräftige, schneidende Stilette ausgebildet, mit denen sie die Haut aufritzen, um an Blut zu gelangen. Männchen besitzen reduzierte Mundwerkzeuge und nehmen kein Blut auf.
Die Färbung variiert je nach Art von gelblich über grau bis tiefschwarz. Thorax und Beine können silbrige oder goldene Behaarung tragen, was manchen Arten bei bestimmtem Lichteinfall ein schimmerndes Aussehen verleiht.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie Simuliidae ist nahezu weltweit verbreitet. Kriebelmücken kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor, von tropischen Tieflandflüssen bis zu subarktischen Bächen. Das Verbreitungsgebiet einzelner Arten kann dabei stark variieren: Manche Spezies sind an bestimmte Gewässertypen gebunden, andere zeigen eine breite ökologische Amplitude.
Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit fließender Gewässer, da die Larvalentwicklung ausschließlich in Bächen und Flüssen stattfindet. Die Larven benötigen sauerstoffreiches, strömendes Wasser und siedeln sich bevorzugt an Steinen, Wasserpflanzen oder anderen festen Substraten an. In Mitteleuropa treten Kriebelmücken besonders häufig entlang von Mittelgebirgsbächen, Wiesenbächen und naturnahen Flussabschnitten auf. Stehende Gewässer werden als Bruthabitat gemieden.
Adulte Tiere halten sich in der Regel im näheren Umfeld der Brutgewässer auf, können aber durch Wind und aktiven Flug mehrere Kilometer weit verdriftet werden. In Flusstälern und feuchten Niederungen erreichen die Populationen mitunter hohe Dichten.
Ernährung
Die Ernährung unterscheidet sich grundlegend zwischen Larven und adulten Tieren sowie zwischen den Geschlechtern. Kriebelmückenlarven sind Filtrierer: Sie befestigen sich mit einem Hakenkranz am Hinterende an Substraten im strömenden Wasser und fangen mit fächerartigen Kopfanhängen, den sogenannten Labral-Fächern, feine Partikel wie Algen, Bakterien und Detritus aus der Strömung. Dieser Ernährungsmodus macht die Larven zu wichtigen Gliedern im Nahrungsnetz von Fließgewässern.
Adulte Männchen ernähren sich ausschließlich von Nektar und Pflanzensäften. Weibchen der meisten Arten benötigen dagegen eine Blutmahlzeit für die Eiproduktion. Sie gehören zu den sogenannten Poolfeeder oder Telmophagen: Anders als Stechmücken, die mit einem feinen Stechrüssel direkt Blutgefäße anstechen, ritzen Kriebelmückenweibchen mit ihren Mundwerkzeugen die Haut auf und lecken das austretende Blut aus dem sich bildenden kleinen Blutpool auf. Dieser Stechvorgang führt zu deutlich stärkeren Hautreaktionen als der Stich von Stechmücken, da mit dem Speichel gerinnungshemmende und gewebsauflösende Substanzen in die Wunde gelangen. Einige wenige Arten sind autogen, das heißt, sie können die erste Eicharge ohne Blutmahlzeit produzieren.
Verhalten & Lebensweise
Kriebelmücken sind überwiegend tagaktiv und zeigen besonders in den Morgen- und Abendstunden erhöhte Flugaktivität. Bei schwüler, windstiller Witterung kann die Aktivität über den gesamten Tag anhalten. Die Weibchen orientieren sich bei der Wirtssuche vor allem über CO₂, Körperwärme und dunkle, sich bewegende Silhouetten. Manche Arten zeigen eine deutliche Wirtspräferenz – bestimmte Spezies stechen bevorzugt Vögel, andere Säugetiere, einige sind weniger wählerisch.
Massenschwärme treten vor allem im Spätfrühling und Frühsommer auf, wenn geeignete Wetterbedingungen und synchronisierte Schlupfwellen zusammentreffen. In solchen Phasen können Kriebelmücken für Weidetiere zu einem ernsthaften Problem werden. Schwere Befallsereignisse, bei denen Rinder oder Pferde durch hunderte gleichzeitige Stiche geschwächt werden, sind aus Mitteleuropa und Südosteuropa dokumentiert. In Extremfällen kann der massive Blutverlust kombiniert mit toxischen Wirkungen des Speichels (Simuliotoxikose) zum Tod von Weidetieren führen.
Männchen