Kronenadler
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Stephanoaetus coronatus
- Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie: Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung: Stephanoaetus
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Subsahara-Afrikas
- Größe: 80–99 cm Körperlänge, Flügelspannweite 150–180 cm
- Gewicht: Männchen ca. 2,5–4,1 kg, Weibchen ca. 3,2–4,7 kg
- Lebenserwartung: Bis zu 14 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kronenadler ist einer der kräftigsten Greifvögel Afrikas und der einzige rezente Vertreter der Gattung Stephanoaetus. Seinen Namen verdankt er der auffälligen Federhaube am Hinterkopf, die er bei Erregung oder während der Balz aufstellen kann. Das Gefieder der Oberseite ist überwiegend dunkelbraun bis schwärzlich, die Unterseite zeigt eine dichte Bänderung aus rotbraunen und weißen Querbändern. Die Brust ist bei adulten Tieren kräftig rostbraun gefleckt. Der Schwanz ist lang und trägt breite dunkle Bänder auf hellgrauem Grund.
Die Flügel sind im Vergleich zur Körpergröße relativ kurz und breit gerundet – eine Anpassung an das Jagen in dichter Waldvegetation. Die Fänge (Greiffüße) sind außerordentlich kräftig mit langen, gebogenen Krallen, die eine Spannweite von bis zu 20 cm erreichen können. Die Hinterkralle allein misst häufig über 5 cm. Weibchen sind deutlich größer und schwerer als Männchen, ein bei Greifvögeln verbreiteter umgekehrter Geschlechtsdimorphismus. Jungvögel unterscheiden sich stark von adulten Tieren: Kopf und Unterseite sind überwiegend weiß, die Federkrone heller und weniger ausgeprägt. Das vollständige Adultkleid wird erst mit etwa drei bis vier Jahren erreicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kronenadlers erstreckt sich über weite Teile Subsahara-Afrikas, von Guinea und Sierra Leone in Westafrika über das Kongobecken bis nach Ostafrika (Kenia, Tansania, Uganda) und südlich bis nach Mosambik, Simbabwe und Südafrika. Die Art besiedelt vorwiegend tropische Tiefland- und Bergregenwälder, kommt aber auch in Galeriewäldern, bewaldeten Schluchten und Waldrelikten innerhalb von Savannenlandschaften vor.
Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein eines geschlossenen Kronendaches mit ausreichend großen Bäumen für den Horstbau. In Ostafrika brütet der Kronenadler stellenweise auch in Plantagenwäldern und in der Nähe menschlicher Siedlungen, sofern der Waldbestand groß genug ist. In fragmentierten Biotopen können einzelne Brutpaare Reviere von über 30 Quadratkilometern beanspruchen, während in zusammenhängenden Waldgebieten die Reviergröße bei etwa 6 bis 16 Quadratkilometern liegt.
Ernährung
Der Kronenadler ist ein spezialisierter Jäger mittelgroßer Säugetiere. Primaten machen in vielen Teilen des Verbreitungsgebiets den Hauptanteil der Beute aus, darunter verschiedene Meerkatzenarten, Stummelaffen und Galagos. Daneben erbeutet er Klippschliefer, Dikdiks, junge Buschböcke, Mangusten, große Eidechsen und gelegentlich Vögel wie Hornvögel und Frankoline.
Die Jagdstrategie besteht überwiegend aus der Ansitzjagd. Der Kronenadler sitzt reglos auf einem Ast im Kronenbereich oder im mittleren Stockwerk des Waldes und stößt bei Sichtung einer Beute in einem kurzen, explosiven Sturzflug herab. Die kurzen, breiten Flügel erlauben dabei eine hohe Wendigkeit zwischen Ästen und Stämmen. Die enormen Fänge ermöglichen es ihm, Beutetiere zu schlagen, die sein eigenes Körpergewicht deutlich übersteigen – dokumentiert sind Beutetiere von bis zu 20 kg. Größere Beute wird am Boden zerlegt und in Teilen zum Horst oder zu Rupfplätzen transportiert.
Verhalten & Lebensweise
Kronenadler leben in festen, monogamen Paarbindungen, die in der Regel lebenslang bestehen. Beide Partner verteidigen das gemeinsame Revier ganzjährig durch regelmäßige Revierflüge und laute, weittragende Rufreihen – ein durchdringendes, abfallendes „Kewee-kewee-kewee", das über mehrere Kilometer hörbar ist. Die Art ist tagaktiv und verbringt einen erheblichen Teil des Tages ruhend auf bevorzugten Sitzwarten innerhalb des Reviers.
Die Balz umfasst spektakuläre Flugspiele, bei denen das Männchen in steilen Wellenflügen über dem Kronendach aufsteigt und wieder herabstößt. Beide Partner können dabei gemeinsam kreisen und sich im Flug aneinander annähern. Außerhalb der Brutzeit sind Kronenadler eher unauffällig und aufgrund ihres Waldlebensraums oft schwer zu beobachten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Brutpaar errichtet einen großen Horst aus Ästen und Zweigen in der Krone eines hohen Waldbaumes, gewöhnlich in 12 bis 45 Metern Höhe. Der Horst wird über Jahre wiederverwendet und durch Zubauten ständig vergrößert, sodass er Durchmesser von bis zu 2,5 Metern und eine Tiefe von über einem Meter erreichen kann. Die Mulde wird mit frischen, grünen Blättern und Zweigen ausgepolstert.
Das Weibchen legt in der Regel ein bis zwei Eier, die es über einen Zeitraum von etwa 49 bis 51 Tagen bebrütet. Das Männchen versorgt das Weibchen während der Brutzeit mit Nahrung. Bei zwei geschlüpften Küken überlebt fast immer nur das erstgeborene, da es das jüngere Geschwister durch Aggression und Nahrungskonkurrenz verdrängt – ein bei Adlern