Läufe
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Definition und Überblick
Der Begriff Läufe bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache die Beine bestimmter Wildtierarten. Er gehört zu den grundlegenden Ausdrücken des jagdlichen Brauchtums und wird von Jägern anstelle des alltagssprachlichen Wortes „Beine" verwendet. Die korrekte Anwendung der Weidmannssprache gilt unter Jägern als Ausdruck fachlicher Kompetenz und Respekts gegenüber dem Wild. Wer in der Jagdprüfung oder im Revier von den „Beinen" eines Rehes spricht, offenbart mangelnde Kenntnis des jagdlichen Vokabulars.
Die Bezeichnung Läufe leitet sich vom Verb „laufen" ab und verweist damit unmittelbar auf die Fortbewegungsfunktion der Gliedmaßen. Sie wird ausschließlich für bestimmte Wildarten gebraucht – keineswegs für alle Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Die genaue Zuordnung folgt festen Regeln, die jeder angehende Jäger im Rahmen der Jägerprüfung erlernen muss.
Anwendungsbereich und Zuordnung zu Wildarten
Der Ausdruck Läufe wird in der Weidmannssprache für folgende Wildtiergruppen verwendet:
- Schalenwild: Hierzu zählen Rotwild, Damwild, Rehwild, Schwarzwild (Wildschwein), Gamswild, Steinwild, Muffelwild und Sikawild. Bei all diesen Arten spricht der Jäger von den Läufen.
- Hasenartige: Sowohl beim Feldhasen als auch beim Wildkaninchen werden die Beine als Läufe bezeichnet.
- Hunde und Jagdhunde: Auch bei Hunden – insbesondere Jagdhunden – ist der Ausdruck Läufe gebräuchlich. Dies gilt im jagdlichen wie im kynologischen Sprachgebrauch.
- Raubwild: Beim Fuchs spricht man ebenfalls von Läufen. Gleiches gilt für Dachs, Marder und weitere Arten des Haarwildes.
Nicht verwendet wird der Begriff hingegen bei Federwild. Bei Vögeln, die dem Jagdrecht unterliegen, heißen die Beine Ständer (bei Greifvögeln, Eulen und den meisten anderen Vogelarten) oder Paddel (bei Enten und Gänsen, also Schwimmvögeln). Diese Unterscheidung ist ein zentrales Element der weidmännischen Ausdrucksweise und wird in der Jägerprüfung regelmäßig abgefragt.
Differenzierung der einzelnen Läufe
Die vier Läufe des Schalenwildes und anderer Vierbeiner werden nach ihrer Position am Tierkörper unterschieden. Der Jäger spricht von den Vorderläufen (auch: Vorläufe) und den Hinterläufen. Diese Differenzierung hat praktische Bedeutung – etwa beim Ansprechen von Wild, bei der Beschreibung von Verletzungen nach dem Schuss oder beim Aufbrechen und Zerwirken des erlegten Stückes.
Beim Schalenwild enden die Läufe in den Schalen, den zweigeteilten Hufen, die als namensgebendes Merkmal dieser Wildgruppe dienen. Oberhalb der Schalen befinden sich die Oberrücken (Afterklauen). Die anatomische Gliederung der Läufe umfasst beim Schalenwild zudem die Keulen (Oberschenkel der Hinterläufe) und die Blätter (Schulterbereich der Vorderläufe).
Beim Hasen sind die Hinterläufe deutlich länger und kräftiger als die Vorderläufe, was ihm seine charakteristische Fortbewegungsweise – das Hoppeln und die schnelle Flucht im Hakenschlagen – ermöglicht. Die Hinterläufe des Hasen werden nach dem Erlegen traditionell als Hasenlauf oder genauer als Löffel irrtümlich gleichgesetzt; die Löffel bezeichnen allerdings die Ohren des Hasen, nicht die Läufe.
Läufe in der jagdlichen Praxis
In der jagdlichen Praxis spielen die Läufe in mehreren Zusammenhängen eine Rolle. Beim Ansprechen – also dem Beurteilen eines Stückes Wild vor dem Schuss – gibt die Beschaffenheit und Stellung der Läufe Hinweise auf Alter, Gesundheitszustand und Kondition des Tieres. Ein Stück, das einen Lauf nachzieht oder schont, zeigt ein Gebrechen, also eine Verletzung oder Erkrankung.
Nach dem Schuss ist die Trefferlage an den Läufen von besonderer Bedeutung. Ein Laufschuss – also ein Treffer, der ausschließlich einen oder mehrere Läufe verletzt – gilt als schlechter Schuss. Das beschossene Stück ist zwar getroffen, flüchtet aber häufig noch über weite Strecken. Die Nachsuche nach einem Laufschuss gestaltet sich oft schwierig, da die Schweißfährte (Blutspur) bei reinen Lauftreffern spärlich ausfallen kann. Erfahrene Jäger und ausgebildete Schweißhunde sind in solchen Fällen unverzichtbar.
Beim Fährtenlesen hinterlassen die Läufe des Wildes charakteristische Abdrücke im Boden. Beim Schalenwild spricht man vom Trittsiegel, die Abfolge mehrerer Trittsiegel bildet die Fährte. Beim Hasen und Kaninchen heißt die Spur Spur. Aus der Form und Tiefe der Abdrücke lassen sich Wildart, Geschlecht, ungefähres Alter und Gangart ableiten.
Brauchtum und Tradition
Die Läufe haben auch im jagdlichen Brauchtum ihren Platz. Beim Schalenwild werden die unteren Teile der Läufe – die sogenannten Grandeln sind davon zu unterscheiden – gelegentlich als Trophäe oder zu dekorativen Zwecken aufbewahrt. Aus den Unterbeinteilen von Reh- oder Gamswild lassen sich traditionelle Gebrauchsgegenstände wie Stockgriffe fertigen.
Beim Streckelegen nach einer Gesellschaftsjagd wird das erlegte Wild in vorgeschriebener Weise aufgerei