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Lanzenotter

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Tierart – Reptilien > Schlangen – Giftschlangen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Bothrops atrox (häufigste Art); Gattung Bothrops mit über 40 Arten
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
  • Familie: Vipern (Viperidae)
  • Unterfamilie: Grubenottern (Crotalinae)
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Savannen, landwirtschaftliche Flächen Mittel- und Südamerikas
  • Größe: 70–200 cm, je nach Art
  • Gewicht: 0,5–6 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Lanzenottern der Gattung Bothrops verdanken ihren Namen der lanzenförmig zugespitzten Kopfform, die sie deutlich vom schmaleren Hals absetzt. Der dreieckige Kopf ist ein typisches Merkmal vieler Vipernarten und beherbergt die paarig angelegten Giftdrüsen. Die Schuppen sind gekielt, das heißt, jede einzelne Schuppe weist einen erhabenen Längsgrat auf, was der Haut eine raue, matte Oberfläche verleiht.

Die Grundfärbung variiert stark zwischen den Arten und selbst innerhalb einer Population. Sie reicht von graubraun über olivgrün bis hin zu gelblich. Über den Rücken zieht sich bei den meisten Arten ein Muster aus dunklen, dreieckigen oder trapezförmigen Flecken, die häufig hell gesäumt sind. Diese Zeichnung dient als Tarnmuster und löst die Körperkonturen im Laub des Waldbodens optisch auf. Die Bauchseite ist heller, oft cremefarben mit dunklen Sprenkeln.

Als Grubenottern besitzen alle Lanzenottern zwischen Auge und Nasenloch auf jeder Kopfseite ein Grubenorgan – ein hochempfindlicher Infrarotsensor, mit dem die Schlangen Wärmestrahlung von Beutetieren auf wenige Zehntelgrad genau wahrnehmen können. Die senkrecht geschlitzten Pupillen deuten auf eine vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise hin. Die langen, röhrenförmigen Giftzähne im Oberkiefer sind beweglich und werden beim Zubeißen nach vorn geklappt – ein Mechanismus, der als solenoglyphe Bezahnung bezeichnet wird.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Bothrops erstreckt sich von Südmexiko über ganz Mittelamerika bis in den Süden Südamerikas. Die einzelnen Arten besiedeln dabei unterschiedlichste Biotope. Bothrops atrox, die Gewöhnliche Lanzenotter, bewohnt vor allem die tropischen Tieflandregenwälder des Amazonasbeckens und angrenzende Feuchtsavannen. Bothrops asper, die Terciopelo-Lanzenotter, bevorzugt die feuchten Tieflandwälder der Atlantikseite Mittelamerikas und des nordwestlichen Südamerikas.

Andere Arten wie Bothrops jararaca aus dem Atlantischen Regenwald Brasiliens oder Bothrops alternatus, die Urutu-Lanzenotter der subtropischen Grasländer, zeigen die ökologische Vielseitigkeit der Gattung. Lanzenottern kommen vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von etwa 2.600 Metern vor. Viele Arten haben sich an vom Menschen veränderte Landschaften angepasst und finden sich auf Plantagen, an Feldrändern und in Siedlungsnähe – ein Umstand, der die hohe Zahl an Bissvorfällen erklärt.

Ernährung

Lanzenottern sind ausnahmslos Raubtiere und ernähren sich carnivor. Das Beutespektrum verändert sich mit dem Alter der Schlange: Jungtiere jagen überwiegend kleine Frösche, Eidechsen und Wirbellose. Dabei nutzen einige Arten ihre auffällig gefärbte, oft gelbe oder weiße Schwanzspitze als Köder, um Beutetiere in Reichweite zu locken – ein Verhalten, das als kaudale Lockfunktion (caudal luring) bekannt ist. Adulte Tiere erbeuten vorwiegend Nagetiere, kleinere Beuteltiere und Vögel.

Die Jagdstrategie ist typisch für Lauerjäger: Die Schlange verharrt regungslos in einer zusammengerollten Position, oft entlang von Wildwechseln oder Nagerröhren, und stößt beim Vorbeilaufen der Beute blitzschnell zu. Der Giftbiss tötet die Beute innerhalb weniger Minuten. Anschließend verfolgt die Schlange die Geruchsspur des verendeten Tiers mithilfe ihrer gespaltenen Zunge, die chemische Reize an das Jacobson-Organ im Gaumendach weiterleitet. Die Beute wird stets im Ganzen und kopfvoran verschlungen.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Lanzenottern sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie versteckt unter Falllaub, Baumwurzeln, Felsvorsprüngen oder in Nagerbauten. Bei kühler Witterung oder in der Regenzeit können einzelne Arten auch tagsüber aktiv sein. Lanzenottern leben einzelgängerisch und beanspruchen kein festes Revier im engeren Sinne, zeigen aber eine gewisse Ortstreue und nutzen bevorzugte Ruheplätze über längere Zeiträume.

Bei Störung reagieren Lanzenottern häufig aggressiv – deutlich reizbarer als viele andere Vipern. Sie nehmen eine S-förmige Abwehrhaltung ein und können über eine beträchtliche Distanz zustoßen, die bei manchen Arten mehr als die halbe Körperlänge beträgt. Das Gift ist hämotoxisch, zerstört also Gewebe und stört die Blutgerinnung. Bisse von Bothrops asper und Bothrops atrox sind für die Mehrzahl der tödlich verlaufenden Schlangenbisse in Lateinamerika verantwortlich. Ohne Behandlung mit polyvalentem Antivenin können schwere Bisse zum Tod durch innere Blutungen oder Organversagen führen.

Fortpflanzung & Aufzucht