Lederwanze
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Coreus marginatus
- Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
- Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
- Familie: Randwanzen (Coreidae)
- Gattung: Coreus
- Lebensraum: Waldränder, Hecken, Ruderalflächen, Gärten
- Größe: 10–15 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 80–150 mg
- Lebenserwartung: etwa 12–15 Monate (einschließlich Nymphenstadien)
Aussehen & Merkmale
Die Lederwanze verdankt ihren deutschen Namen der lederartig wirkenden Oberfläche ihres Körpers. Die Grundfärbung variiert von rotbraun über dunkelbraun bis graubraun, wobei ältere Exemplare häufig dunkler erscheinen als frisch gehäutete Tiere. Der Körperumriss ist breit-oval, der Hinterleib an den Seiten deutlich über die Flügel hinausragend.
Charakteristisch sind die blattartig verbreiterten Ränder des Hinterleibs (Connexivum), die als schmaler, leicht aufgebogener Saum sichtbar sind. Die Fühler bestehen aus vier Gliedern, wobei das letzte Glied leicht verdickt und dunkler gefärbt ist. Die Vorderflügel zeigen den für Wanzen typischen Aufbau aus einem verhärteten basalen Abschnitt (Corium) und einer häutigen Membran am Ende. Der Saugrüssel (Rostrum) ist viergliederig und wird in Ruhestellung unter dem Körper nach hinten angelegt.
Die Beine sind relativ kräftig und mit feinen Dornen besetzt. Die Hinterschenkel der Männchen sind etwas dicker als die der Weibchen, was als schwacher Geschlechtsdimorphismus zu werten ist. Insgesamt erinnert die Körperform entfernt an eine Stinkwanze, jedoch ist die Lederwanze etwas langgestreckter und durch die aufgeraute Körperoberfläche gut zu unterscheiden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Coreus marginatus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Art kommt in ganz Europa vor, von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis nach Zentralasien. In Mitteleuropa ist sie eine der häufigsten Randwanzen und praktisch flächendeckend anzutreffen.
Als Habitat bevorzugt die Lederwanze offene bis halboffene Landschaften mit krautiger Vegetation. Typische Biotope sind sonnige Waldränder, Heckenstrukturen, Brachflächen, Wegränder, Gärten und Streuobstwiesen. Eine besonders enge Bindung besteht an Standorte, an denen Ampfer-Arten (Rumex) und andere Knöterichgewächse (Polygonaceae) wachsen. Diese Pflanzen stellen die wichtigste Nahrungsquelle dar. In urbanen Gebieten tritt die Art regelmäßig in Nutzgärten und an Hauswänden auf, besonders im Herbst, wenn die Tiere Überwinterungsplätze suchen.
Ernährung
Die Lederwanze ernährt sich ausschließlich phytophag, also von Pflanzensäften. Mit ihrem Saugrüssel sticht sie in Pflanzengewebe und nimmt den Zellsaft auf. Bevorzugte Wirtspflanzen sind verschiedene Ampfer-Arten (Rumex crispus, Rumex obtusifolius), Rhabarber (Rheum rhabarbarum), Buchweizen und andere Knöterichgewächse. Darüber hinaus werden gelegentlich auch Himbeeren, Brombeeren und verschiedene andere krautige Pflanzen besaugt.
Im Gartenbau kann die Lederwanze an Beerenobst und Rhabarber vereinzelt Saugschäden verursachen. Diese Schäden bleiben in der Regel wirtschaftlich unbedeutend, da die Art selten in hohen Individuendichten auftritt. Eine gezielte Bekämpfung ist daher aus Sicht des Pflanzenschutzes nicht erforderlich.
Verhalten & Lebensweise
Lederwanzen sind überwiegend tagaktiv und bei warmer Witterung häufig auf Blättern und Stängeln ihrer Wirtspflanzen zu beobachten. Sie sind flugfähig, fliegen jedoch selten und bewegen sich bevorzugt laufend fort. Bei Störung lassen sie sich oft einfach von der Pflanze fallen – ein typisches Abwehrverhalten vieler Wanzenarten.
Wie die meisten Vertreter der Familie Coreidae verfügt die Lederwanze über Stinkdrüsen (Metathorakaldrüsen), die bei Bedrohung ein intensiv riechendes Sekret absondern. Der Geruch ist herb und wird häufig als an Äpfel oder Zimt erinnernd beschrieben – im Gegensatz zum deutlich unangenehmeren Sekret mancher Baumwanzen (Pentatomidae).
Im Herbst, etwa ab September, suchen die adulten Tiere geschützte Überwinterungsplätze auf. Dazu nutzen sie Laubstreu, Rindenspalten, Mauerfugen oder auch Gebäude. Die Überwinterung erfolgt in einer Kältestarre (Diapause). Im Frühjahr, sobald die Temperaturen dauerhaft über 10 °C steigen, werden die Tiere wieder aktiv.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit erstreckt sich von April bis Juni. Die Kopulation dauert mehrere Stunden und findet auf den Wirtspflanzen statt. Nach der Begattung legt das Weibchen die Eier in kleinen Gelegen von jeweils 15 bis 40 Stück an der Unterseite von Blättern ab. Die Eier sind rundlich, zunächst hellbraun und dunkeln vor dem Schlupf nach.
Die Embryonalentwicklung dauert je nach Temperatur etwa zwei bis drei Wochen. Die geschlüpften Nymphen durchlaufen fünf Larvenstadien (L1–L5), wobei jedes Stadium durch eine Häutung abgeschlossen wird. Die Nymphen ähneln den Adulten in der Körperform, sind aber flügellos und heller gefärbt. Die Larvalentwicklung erstreckt sich über den Sommer, sodass die neue Generation im Spätsommer und Herbst das Adultstadium erreicht. Es wird eine Generation pro Jahr ausgebildet (univoltin).
Bedrohung & Schutzstatus
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