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Lemming

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lemmus, Dicrostonyx, Myopus u. a. (mehrere Gattungen)
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Wühler (Cricetidae), Unterfamilie Wühlmäuse (Arvicolinae)
  • Gattungen (Auswahl): Echte Lemminge (Lemmus), Halsbandlemminge (Dicrostonyx), Waldlemminge (Myopus), Moorlemminge (Synaptomys)
  • Lebensraum: Tundra, subarktische Grasländer, Moorlandschaften, boreale Nadelwälder
  • Größe: 7–15 cm Körperlänge, Schwanz 1–2 cm
  • Gewicht: 20–130 g, je nach Art und Jahreszeit
  • Lebenserwartung: 1–3 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Lemminge sind kleine, gedrungen gebaute Nagetiere mit kurzem Schwanz, kleinen Ohren und dichtem, weichem Fell. Der kompakte Körperbau ist eine Anpassung an die kalten Lebensräume der Arktis und Subarktis: Die kurzen Extremitäten und die reduzierten Ohrmuscheln minimieren den Wärmeverlust. Die Fellfarbe variiert je nach Art und Jahreszeit von graubraun über rostbraun bis gelblich. Eine Besonderheit zeigt der Halsbandlemming (Dicrostonyx torquatus): Er ist die einzige Wühlmausart, die im Winter ein vollständig weißes Fell entwickelt – eine wirksame Tarnung im Schnee. Zudem bilden Halsbandlemminge an den Vorderpfoten vergrößerte Grabkrallen aus, die im Winter zusätzlich wachsen und das Graben im gefrorenen Boden erleichtern. Die Augen sind klein, die Vibrissen (Tasthaare) dagegen gut entwickelt und dienen der Orientierung in den oft dunklen unterirdischen Gangsystemen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Lemminge erstreckt sich über die gesamte Holarktis. Die meisten Arten besiedeln die arktische und subarktische Tundra Skandinaviens, Sibiriens und Nordamerikas, einschließlich der kanadischen Arktisinseln und Grönlands. Der Norwegische Lemming (Lemmus lemmus) bewohnt die Fjellregionen und Hochmoore Skandinaviens, während der Sibirische Lemming (Lemmus sibiricus) die offenen Tundralandschaften Nordasiens besiedelt. Waldlemminge (Myopus schisticolor) weichen vom typischen Tundra-Habitat ab und leben in feuchten borealen Nadelwäldern mit dichter Moosschicht. Das bevorzugte Biotop der meisten Arten zeichnet sich durch feuchte Böden, niedrige Vegetation aus Gräsern, Moosen und Flechten sowie eine ausgeprägte Schneedecke im Winter aus. Unter dem Schnee legen Lemminge komplexe Tunnelsysteme an, die Schutz vor Kälte und Fressfeinden bieten und gleichzeitig den Zugang zur Nahrung am Boden ermöglichen.

Ernährung

Lemminge sind Pflanzenfresser (Herbivoren). Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Gräsern, Seggen, Moosen, Flechten, Kräutern und gelegentlich Rinde und Wurzeln. Der Waldlemming ernährt sich nahezu ausschließlich von Moosen, was unter Nagetieren ungewöhnlich ist, da Moose nährstoffarm und schwer verdaulich sind. In den Sommermonaten nutzen die Tiere das reichhaltige Nahrungsangebot der kurzen arktischen Vegetationsperiode, um Fettreserven aufzubauen. Im Winter fressen sie unter der Schneedecke an den verbliebenen Pflanzenteilen. Bei hohen Populationsdichten kann der Fraßdruck so stark werden, dass die Vegetation auf großen Flächen nahezu vollständig abgeweidet wird – ein Effekt, der das gesamte Tundra-Ökosystem beeinflusst und die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaften über Jahre hinweg verändert.

Verhalten & Lebensweise

Lemminge sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen aber auch tagsüber Aktivitätsphasen – insbesondere während des arktischen Polartages. Sie leben einzelgängerisch und verteidigen kein festes Revier im engeren Sinne, können sich aber gegenüber Artgenossen aggressiv verhalten. Die Tiere graben Baue mit mehreren Kammern und Ausgängen oder nutzen natürliche Hohlräume zwischen Steinen und Wurzeln. Im Winter verlagert sich das gesamte Aktivitätsmuster unter die schützende Schneedecke, wo ein weitverzweigtes Gangsystem aus Laufgängen, Nestkammern und Vorratskammern entsteht.

Berühmt sind Lemminge für ihre ausgeprägten Populationszyklen. Etwa alle drei bis vier Jahre kommt es zu einer massenhaften Vermehrung, gefolgt von einem ebenso drastischen Populationszusammenbruch. Während dieser Massenvermehrungsphasen unternehmen viele Individuen Wanderungen auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen. Der weit verbreitete Mythos vom kollektiven Selbstmord springender Lemminge ist biologisch nicht haltbar – er geht auf eine manipulierte Filmszene des Disney-Dokumentarfilms „White Wilderness" (1958) zurück. Tatsächlich ertrinken zwar einzelne Tiere beim Durchschwimmen von Gewässern während der Wanderungen, doch handelt es sich dabei nicht um absichtliches Verhalten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Lemminge haben eine sehr hohe Reproduktionsrate, die zu den höchsten unter allen Nagetieren zählt. Die Weibchen erreichen die Geschlechtsreife bereits im Alter von drei bis fünf Wochen. Die Tragzeit beträgt je nach Art 16 bis 23 Tage. Pro Wurf kommen drei bis neun Jungtiere zur Welt, die nackt und blind geboren werden. Unter günstigen Bedingungen können Weibchen bis zu sechs Würfe pro Jahr aufziehen – selbst unter der Schneedecke im Winter findet Fortpflanzung statt, was bei arktischen Kleinsäugern eine beachtliche Leistung darstellt. Die Jungtiere werden etwa zwei bis drei Wochen gesäugt und sind danach selbstständig. Diese enorme Fortpflanzungsleistung ist die Grundlage der charakteristischen Populationszyklen und ermöglicht den schn