T Tierlexikon.net
← Lexikon

Lichter

L

Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Bedeutung

Als Lichter bezeichnet die Jägersprache die Augen des Haarwildes. Der Begriff gehört zum festen Bestandteil der Weidmannssprache und wird für nahezu alle jagdbaren Säugetiere verwendet – vom Rehwild über Rotwild und Schwarzwild bis hin zu Hasen und Füchsen. Die Bezeichnung leitet sich vom Glänzen und Leuchten der Tieraugen ab, das besonders bei Dämmerung und Dunkelheit auffällt, wenn Licht auf die Augen trifft und vom sogenannten Tapetum lucidum reflektiert wird. In der gehobenen Jagdsprache spricht man auch vom Licht im Singular, wenn nur ein einzelnes Auge gemeint ist.

Nicht verwechselt werden darf der Begriff mit den Sehern, die in der Jägersprache ausschließlich die Augen des Feldhasen und des Wildkaninchens bezeichnen. Auch für Greifvögel und Federwild gelten eigene Begriffe: Deren Augen werden als Augen (beim Federwild) oder in der Falknersprache teilweise ebenfalls als Seher bezeichnet.

Herkunft und Sprachgeschichte

Die Weidmannssprache hat sich über Jahrhunderte als eigenständige Fachsprache der Jagd entwickelt. Der Ausdruck Lichter lässt sich bis ins Mittelhochdeutsche zurückverfolgen, wo „lieht" sowohl Licht als auch Glanz bedeutete. Die Übertragung auf die Augen des Wildes erklärt sich durch die alltägliche Beobachtung der Jäger: In der Dämmerung – der Hauptaktivitätszeit vieler Wildarten – leuchten die Augen des Wildes auf, wenn sie von Fackeln, Laternen oder in moderner Zeit von Scheinwerfern angestrahlt werden. Dieses charakteristische Aufleuchten prägte den Begriff nachhaltig.

Die Jägersprache diente historisch nicht nur der präzisen Verständigung unter Weidmännern, sondern war auch Ausdruck einer eigenen Standeskultur. Wer die korrekten Begriffe beherrschte, wies sich als kundiger Jäger aus. Bis heute gehört die Kenntnis solcher Fachausdrücke zur Jägerprüfung und wird im Rahmen der jagdlichen Ausbildung vermittelt.

Biologischer Hintergrund

Das Leuchten der Lichter bei Nacht hat eine biologische Ursache. Viele Säugetiere verfügen über eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, das Tapetum lucidum. Diese Struktur wirft einfallendes Licht zurück durch die Netzhaut und ermöglicht so eine doppelte Nutzung des vorhandenen Lichts. Dadurch können nacht- und dämmerungsaktive Wildarten auch bei geringer Helligkeit noch gut sehen.

Die Farbe des reflektierten Lichts variiert je nach Wildart:

  • Rehwild und Rotwild: gelblich bis orangefarben leuchtende Lichter
  • Schwarzwild: rötlich bis bernsteinfarben
  • Fuchs: grünlich bis gelblich
  • Feldhase: rötlich (hier spricht man korrekterweise von Sehern)

Diese Unterschiede in der Reflexionsfarbe helfen erfahrenen Jägern bei der Wildarten-Erkennung während der Nachtbeobachtung und beim Einsatz von Scheinwerfern, etwa im Rahmen der Wildbestandserfassung durch Scheinwerfertaxation.

Verwendung in der jagdlichen Praxis

Im jagdlichen Alltag taucht der Begriff Lichter in verschiedenen Zusammenhängen auf. Beim Ansprechen des Wildes – also dem genauen Erkennen und Bestimmen vor der möglichen Schussabgabe – spielen die Lichter eine untergeordnete, aber nicht unbedeutende Rolle. In der Dämmerung kann das Aufblitzen der Lichter den ersten Hinweis auf die Anwesenheit von Wild geben, noch bevor der Wildkörper selbst erkennbar wird.

Beim erlegten Wild spricht der Jäger davon, dass das Stück die Lichter „geschlossen" hat oder „bricht". Der Ausdruck „das Licht bricht" beschreibt den Moment des Todes, wenn die Augen ihren Glanz verlieren und matt werden – das sogenannte Brechen. Auch der letzte Bissen, ein Bruch (kleiner Zweig), der dem erlegten Wild traditionell in den Äser gelegt wird, steht in Verbindung mit diesem Moment. Die gebrochenen Lichter gelten als sicheres Zeichen dafür, dass das Stück verendet ist.

In der Wildbrethygiene und bei der Beurteilung des Gesundheitszustands von Wild geben die Lichter ebenfalls Hinweise. Klare, glänzende Lichter deuten auf gesundes Wild hin, während trübe, verklebte oder entzündete Lichter auf Erkrankungen hinweisen können. Bei der Trichinenuntersuchung und der allgemeinen Begutachtung des erlegten Wildes achten kundige Jäger auf den Zustand der Lichter als einen von mehreren Indikatoren.

Verwandte Begriffe der Weidmannssprache

Die Jägersprache kennt zahlreiche weitere Begriffe für Körperteile des Wildes, die den Lichtern thematisch nahestehen:

  • Lauscher: die Ohren des Schalenwildes
  • Windfang: die Nase des Haarwildes
  • Äser: das Maul des Schalenwildes
  • Haupt: der Kopf des Schalenwildes (beim Schwarzwild dagegen „Kopf")
  • Seher: die Augen des Hasen und des Wildkaninchens
  • Gehöre: die Ohren des Hasen (Löffel)

Die korrekte Unterscheidung zwischen Lichtern und Sehern wird in der Jägerprüfung regelmäßig abgefragt und gehört zum Grundwissen jedes angehenden Jägers. Während Lichter der übergeordnete Begriff für die Augen des Haarwildes im Allgemeinen ist, gelten Se