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Lockjagd

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Die Lockjagd bezeichnet eine Jagdmethode, bei der Wild durch akustische, optische oder olfaktorische Reize angelockt wird, um es in Schussnähe zu bringen. Der Jäger ahmt dabei arttypische Laute nach, verwendet Attrappen oder setzt Duftstoffe ein, um das Zielwild gezielt zu sich heranzuführen. Die Lockjagd gehört zu den ältesten Jagdtechniken der Menschheitsgeschichte und wird in der modernen Weidmannssprache klar von der Ansitzjagd, der Pirsch und der Drückjagd abgegrenzt, obwohl sie häufig in Kombination mit diesen Jagdarten praktiziert wird.

Im Kern beruht die Lockjagd auf dem Prinzip, die natürlichen Verhaltensweisen des Wildes auszunutzen – sei es der Paarungstrieb, der Territorialinstinkt, der Nahrungstrieb oder das Sozialverhalten. Der Jäger macht sich zum scheinbaren Artgenossen, Rivalen oder Beutetier und kehrt damit das übliche Verhältnis von Jäger und Gejagtem um: Nicht der Weidmann sucht das Wild auf, sondern das Wild kommt zum Weidmann.

Akustische Lockjagd

Die am weitesten verbreitete Form der Lockjagd ist die akustische Lockjagd, bei der der Jäger mit Hilfe von Lockrufen oder Lockinstrumenten arttypische Lautäußerungen imitiert. Je nach Wildart kommen unterschiedliche Hilfsmittel und Techniken zum Einsatz:

  • Blattjagd (Rehwild): Die bekannteste Form der akustischen Lockjagd in Mitteleuropa. Während der Brunft im Juli und August ahmt der Jäger mit einem Blatter – einem kleinen Lockinstrument aus Holz, Kunststoff oder Naturmaterialien – den Fiep-Laut der Ricke oder den Sprengfiepton nach. Der brunftige Rehbock wird dadurch angelockt. Auch das Blatten mit einem Buchenblatt zwischen den Lippen ist eine traditionelle Methode.
  • Hirschbrunft (Rotwild): Während der Brunft im September und Oktober kann der erfahrene Jäger das Röhren des Rothirsches mit einem Röhrrohr oder einer Tritonmuschel nachahmen. Ein rivalisierender Hirsch folgt dem vermeintlichen Konkurrenten, um ihn zu vertreiben.
  • Entenjagd (Stockente und andere Schwimmenten): Mit speziellen Entenrufern (Lockpfeifen) wird das Quaken der Ente imitiert. Diese Jagd wird häufig vom Schirm oder aus dem Tarnversteck heraus betrieben.
  • Gänsejagd: Ähnlich der Entenjagd kommen Gänselocker zum Einsatz, die das Kontaktrufen der Graugans oder der Blässgans nachahmen.
  • Raubwildjagd: Beim Reizen von Fuchs, Marder oder Rabenkrähe werden mit einem Mauspfeifchen die Angstlaute einer Maus oder mit dem Hasenquäker die Klagelaute eines verletzten Hasen imitiert. Der Raubwildlocker nutzt damit den Beutegreifinstinkt des Raubwildes aus.

Die Kunst des akustischen Lockens erfordert erhebliche Übung und Erfahrung. Falsche Töne, eine unnatürliche Rhythmik oder übertriebene Lautstärke vergrämen das Wild, statt es anzulocken. Erfahrene Jäger sprechen davon, dass weniger oft mehr ist – einzelne, wohlplatzierte Rufe mit langen Pausen erzielen häufig die beste Wirkung.

Optische Lockjagd

Bei der optischen Lockjagd werden Lockvögel, Attrappen oder Lockbilder eingesetzt, um vorüberfliegendes oder -ziehendes Wild zum Einfallen oder Heranwechseln zu bewegen. Klassische Anwendungsbereiche sind:

  • Taubenjagd: Aufstellung von Taubenattrappen auf abgeernteten Feldern. Die Kunststoff- oder Beflockte-Attrappen simulieren eine fressende Gruppe und verleiten vorbeifliegende Tauben zum Einfallen. Auch Lockflügler (mechanisch oder batteriebetrieben flatternde Attrappen) werden verwendet.
  • Krähenjagd: Das Auslegen eines Lockbilds aus mehreren Krähenattrappen, oft ergänzt durch eine Uhu-Attrappe, nutzt den Hassinstinkt der Krähen gegenüber dem Greifvogel und veranlasst sie zum Hassen – einem aggressiven Anflug auf den vermeintlichen Feind.
  • Gänsejagd: Kombination von Gänseattrappen (sogenannte Vollkörperlocker, Shelldecks oder Silhouetten) mit akustischen Lockern.

Bei der Anbringung eines Lockbilds spielen Wind, Flugrichtung und die natürliche Anordnung der Attrappen eine entscheidende Rolle. Wild, das gewohnheitsmäßig in Gruppen einfällt, orientiert sich an der Position der vermeintlichen Artgenossen.

Olfaktorische Lockjagd

Die Verwendung von Lockstoffen und Duftstoffen spielt vor allem bei der Jagd auf Schalenwild und Raubwild eine Rolle. Beim Schwarzwild werden beispielsweise Kirrungen mit Mais oder Getreide angelegt, die streng genommen jedoch dem Bereich der Fütterung beziehungsweise Köderung zugerechnet werden. Echte olfaktorische Lockjagd setzt auf arteigene oder artfremde Geruchsstoffe: Während der Brunft des Rehwildes kann Buchenholzteer an Bäumen angebracht werden, um Böcke zum Markieren und damit zum Verweilen im Revier zu bewegen. In Nordamerika ist die Verwendung von Urinlockstoffen (etwa Hirschurin) weit verbreitet, in Mitteleuropa aber wenig gebräuchlich und teils rechtlich eingeschränkt.

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