Losung
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Definition und Herkunft des Begriffs
Als Losung bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache den Kot von Haarwild, also von Säugetieren, die dem Jagdrecht unterliegen. Der Begriff leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „lôsen" ab, das so viel wie „lösen" oder „loslassen" bedeutet und auf den Vorgang des Absetzens von Kot verweist. In der jagdlichen Praxis ist die Losung eines der wichtigsten Pirschzeichen – also jener Spuren und Hinweise, die dem Jäger Aufschluss über Vorkommen, Verhalten und Gesundheitszustand des Wildes geben.
Während der Begriff Losung ausschließlich für Haarwild verwendet wird, spricht man beim Kot von Federwild (Vögeln) in der Weidmannssprache von Gestüber. Diese klare begriffliche Trennung gehört zu den Grundlagen der jagdlichen Fachsprache und wird in der Jägerprüfung entsprechend abgefragt.
Bedeutung der Losung für die jagdliche Praxis
Die Losung zählt neben Fährten, Trittspuren, Fegestellen und Verbissspuren zu den aussagekräftigsten Pirschzeichen überhaupt. Ein erfahrener Jäger kann anhand der Losung folgende Informationen gewinnen:
- Wildart: Form, Größe, Farbe und Konsistenz der Losung unterscheiden sich je nach Tierart erheblich. Die kugelförmige Losung des Rehwildes sieht grundlegend anders aus als die zylindrische des Rotwildes oder die klumpenförmige des Schwarzwildes.
- Geschlecht und Alter: Bei manchen Wildarten lässt sich anhand der Größe und Beschaffenheit der Losung auf das Geschlecht oder die Altersklasse des Tieres schließen. So ist die Losung eines starken Hirsches in der Regel deutlich voluminöser als die eines Schmaltiers.
- Nahrungszusammensetzung: Die Losung verrät, wovon sich das Wild ernährt. Enthält sie etwa Obstkerne, Maiskörner oder Grasreste, lässt dies Rückschlüsse auf die Äsung und das Nahrungsangebot im Revier zu.
- Gesundheitszustand: Dünnflüssige, ungewöhnlich gefärbte oder parasitenbefallene Losung kann auf Erkrankungen des Wildes hinweisen, etwa auf Durchfallerkrankungen, Verwurmung oder andere Wildkrankheiten.
- Frische und Aufenthaltsort: Durch Prüfung der Feuchtigkeit und Temperatur der Losung kann der Jäger einschätzen, wie lange das Absetzen zurückliegt. Frische Losung deutet darauf hin, dass sich das Wild in unmittelbarer Nähe aufhält oder regelmäßig einen bestimmten Wildwechsel nutzt.
Losung verschiedener Wildarten
Jede Wildart hinterlässt eine charakteristische Losung, deren Kenntnis zum Handwerkszeug eines jeden Jägers gehört:
Rehwild: Die Losung des Rehwildes besteht aus kleinen, etwa erbsengroßen, dunkelbraunen bis schwarzen Kötteln, die oft in kleinen Häufchen abgesetzt werden. Im Sommer kann die Losung bei eiweißreicher Äsung leicht zusammenkleben, während sie im Winter trockener und stärker geformt erscheint.
Rotwild: Beim Rotwild ist die Losung deutlich größer und länglich-zylindrisch geformt. Sie erinnert in ihrer Form an Eicheln und wird häufig in größeren Mengen abgesetzt. Auch hier beeinflusst die Jahreszeit die Konsistenz erheblich.
Schwarzwild: Die Losung des Wildschweins ist stark von der Nahrung abhängig und variiert deshalb beträchtlich. Sie kann klumpig, breiartig oder fest sein. Maisreste, Eichelschalen oder tierische Bestandteile lassen sich darin oft mit bloßem Auge erkennen. Man spricht beim Schwarzwild gelegentlich auch vom Gescheide.
Hase und Kaninchen: Feldhasen setzen charakteristische runde, leicht abgeflachte Köttel ab, die eine hellbraune bis gelbliche Farbe aufweisen. Kaninchenköttel sind etwas kleiner und dunkler. Beide Arten produzieren zusätzlich sogenannten Blinddarmkot (Caecotrophe), den sie direkt wieder aufnehmen, um Nährstoffe besser zu verwerten.
Raubwild: Die Losung von Fuchs, Marder, Dachs und anderen Beutegreifern enthält häufig unverdaute Nahrungsreste wie Haare, Federn, Knochen oder Beerenkerne. Die Fuchslosung ist oft spitz zulaufend, gedreht und riecht intensiv. Dachslosung findet man typischerweise in sogenannten Dachsaborten – kleinen, selbst gegrabenen Mulden, die der Dachs regelmäßig als Kotplatz nutzt.
Losung im Wildtiermonitoring und in der Forschung
Über die klassische Jagdpraxis hinaus hat die Analyse von Losung in der modernen Wildbiologie und im Wildtiermonitoring erheblich an Bedeutung gewonnen. Durch genetische Untersuchungen (DNA-Analyse) von Losungsproben können Wissenschaftler einzelne Individuen identifizieren, Populationsgrößen schätzen und Verwandtschaftsverhältnisse ermitteln. Diese nicht-invasive Methode wird insbesondere bei scheuen oder seltenen Wildarten wie dem Luchs, dem Wolf oder dem Bären eingesetzt, da sie kein Fangen oder Betäuben der Tiere erfordert.
Darüber hinaus liefert die Losungsanalyse wertvolle Daten zur Nahrungsökologie, zur Verbreitung von Parasiten und Krankheitserregern sowie zur Einschätzung der Habitatnutzung. In der Praxis des Reviergangs nutzen Jäger und Revierförster die systematische Kartierung von Losungsfunden, um Wilddichten abzuschätzen und die Bejagung entsprechend zu planen.