Mahnen
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Definition und Überblick
Der Begriff Mahnen gehört zum festen Vokabular der Jäger- und Weidmannssprache und bezeichnet eine bestimmte Form der Lautäußerung beim Wild. Konkret versteht man unter Mahnen den leisen, wiederholten Kontaktruf, den ein Muttertier ausstößt, um seinen Nachwuchs zu sich zu rufen oder den Zusammenhalt innerhalb der Familiengruppe aufrechtzuerhalten. Besonders häufig wird der Ausdruck im Zusammenhang mit Rotwild, Rehwild und Gamswild verwendet, findet aber auch bei anderen Schalenwildarten Anwendung.
Das Mahnen ist kein Warnlaut im eigentlichen Sinne, sondern ein eher verhaltener, oft nasaler oder fiepender Ton, der über kurze bis mittlere Distanzen wirkt. Es dient der Kommunikation zwischen dem Alttier (weibliches Rotwild) beziehungsweise der Ricke (weibliches Rehwild) und ihren Kälbern oder Kitzen. In der jagdlichen Praxis ist das Erkennen und Deuten dieses Lautes von erheblicher Bedeutung, da es dem Jäger Aufschluss über die Zusammensetzung eines Wildrudels und das Verhalten der Tiere gibt.
Biologischer Hintergrund
Schalenwild lebt – je nach Art und Jahreszeit – in unterschiedlich großen sozialen Verbänden. Beim Rotwild bilden die weiblichen Tiere zusammen mit ihrem Nachwuchs sogenannte Kahlwildrudel. In diesen Rudeln ist die akustische Kommunikation ein wesentliches Mittel, um den Zusammenhalt zu sichern, besonders in dichter Vegetation, bei Dunkelheit oder auf der Flucht.
Das Mahnen erfolgt in der Regel durch das führende Muttertier. Es handelt sich um einen kurzen, oft mehrfach wiederholten Laut, der in seiner Tonhöhe und Intensität je nach Situation variiert. Beim Rotwild klingt das Mahnen als gedämpftes, nasales „Möh" oder „Mäh", beim Rehwild ist der Kontaktlaut ein feines, hohes Fiepen. Das Kalb oder Kitz antwortet in der Regel mit einem ähnlichen, meist etwas höheren Laut – dieses Antworten wird in der Weidmannssprache ebenfalls gelegentlich als Mahnen bezeichnet, häufiger jedoch als Schrecken oder Fiepen.
Biologisch betrachtet dient das Mahnen mehreren Zwecken:
- Kontakthalten: Mutter und Jungtier vergewissern sich gegenseitig ihrer Anwesenheit und Position.
- Zusammenführen: Nach einer Flucht oder Störung ruft das Alttier sein Kalb zu sich.
- Beruhigung: Der vertraute Laut der Mutter wirkt auf das Jungtier beruhigend und verhindert, dass dieses panisch umherläuft.
Abgrenzung zu anderen Lautäußerungen
Die Weidmannssprache kennt eine Vielzahl von Begriffen für die unterschiedlichen Laute des Wildes. Um das Mahnen korrekt einordnen zu können, ist eine Abgrenzung zu verwandten Begriffen sinnvoll:
- Schrecken: Ein kurzer, explosiver Warnlaut, den Rehwild bei Beunruhigung ausstößt. Im Gegensatz zum leisen Mahnen ist das Schrecken laut und abrupt.
- Röhren: Der tiefe, weittragende Brunftruf des Hirsches während der Brunftzeit. Dieser Laut dient der Reviermarkierung und dem Imponieren gegenüber Rivalen – er hat keine Kontaktfunktion zwischen Mutter und Jungtier.
- Klagen: Ein Schmerzlaut, den Wild bei Verwundung oder in höchster Not von sich gibt.
- Orgeln: Ebenfalls ein Brunftlaut beim Rotwild, der vom Mahnen klar zu unterscheiden ist.
- Blasen: Ein warnender Schnauflaut beim Rehwild, der durch die Nase ausgestoßen wird.
Das Mahnen ist also seiner Natur nach ein leiser, nicht-aggressiver Kommunikationslaut, der sich von den lauteren Warn-, Brunft- und Schmerzlauten grundlegend unterscheidet.
Bedeutung für die jagdliche Praxis
Für den Jäger und Weidmann hat das Mahnen in mehrfacher Hinsicht praktische Relevanz. Wer die Laute des Wildes kennt und richtig deutet, kann Rückschlüsse auf die Anwesenheit von Jungtieren ziehen. Hört man ein Alttier mahnen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kalb in der Nähe. Dies ist insbesondere bei der Ansitzjagd und beim Pirschen von Bedeutung, da ein führendes Muttertier in vielen Jagdordnungen besonderen Schutzbestimmungen unterliegt.
Darüber hinaus nutzen erfahrene Jäger die Kenntnis des Mahnlauts beim sogenannten Blatten – der Nachahmung von Rehwildlauten mithilfe eines Blattls oder eines anderen Lockinstruments. Durch die Imitation des Fiepens eines Kitzes lässt sich die Ricke anlocken. Ebenso kann das Nachahmen des Mahnlauts eines Alttiers in bestimmten Situationen dazu dienen, flüchtiges Jungwild zum Verharren zu bringen.
Im Rahmen der Jägerprüfung wird die Kenntnis der verschiedenen Lautäußerungen des Wildes abgefragt. Angehende Jäger müssen das Mahnen von anderen Lauten unterscheiden und dem richtigen Verhalten zuordnen können. Auch in der Wildhege spielt das Verständnis dieses Lautes eine Rolle, etwa bei der Beurteilung von Mutter-Kind-Bindungen oder bei der Altersansprache von Jungwild.
Vorkommen bei verschiedenen Wildarten
Obwohl das Mahnen am häufigsten beim Rot- und Rehwild beschrieben wird, ist diese Form der Kontaktkommunikation bei zahlreichen Wildarten zu beobachten:
- Rotwild: Das Alttier mahnt seine Kälber mit einem gedämpften, dunklen Laut. Besonders