T Tierlexikon.net
← Lexikon

Mara

M

Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dolichotis patagonum (Große Mara), Dolichotis salinicola (Kleine Mara)
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
  • Unterfamilie: Dolichotinae
  • Gattung: Dolichotis
  • Lebensraum: Offene Graslandschaften, Halbwüsten und Strauchsteppen Südamerikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 60–80 cm (Große Mara), ca. 40–50 cm (Kleine Mara)
  • Gewicht: 8–16 kg (Große Mara), 1,5–3 kg (Kleine Mara)
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn meist kürzer

Aussehen & Merkmale

Die Mara, auch als Pampashase bezeichnet, gehört trotz ihres hasenähnlichen Erscheinungsbilds zur Familie der Meerschweinchen. Ihr Körperbau vereint Merkmale, die auf den ersten Blick an verschiedene andere Säugetiere erinnern: Die langen, kräftigen Hinterläufe ähneln denen eines Hasen, der kompakte Rumpf erinnert an ein kleines Reh, und der rundliche Kopf mit den großen, dunklen Augen und den aufrechten Ohren verleiht ihr ein unverwechselbares Aussehen.

Das Fell der Großen Mara (Dolichotis patagonum) ist am Rücken graubraun gefärbt, die Flanken zeigen einen orangebraunen Ton, und der Bauch ist weißlich. Ein auffälliger weißer Fleck am Hinterteil, der sogenannte Spiegel, dient vermutlich als optisches Signal für Artgenossen bei der Flucht. Die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine und enden in hufähnlich verdickten Krallen – eine Anpassung an das schnelle Laufen in offenem Gelände. Die Kleine Mara (Dolichotis salinicola) ist insgesamt zierlicher gebaut und etwas heller gefärbt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Großen Mara erstreckt sich über die trockenen Ebenen und Halbwüsten Patagoniens sowie die zentralargentinischen Pampas. Ihr bevorzugtes Habitat sind offene, spärlich bewachsene Graslandschaften, Strauchsteppen und Trockensavannen mit sandigem Boden. Diese Biotope bieten freie Sichtfelder, die für eine frühzeitige Feindvermeidung entscheidend sind.

Die Kleine Mara besiedelt weiter nördlich gelegene Regionen, darunter den Gran Chaco in Argentinien, Paraguay und Bolivien. Sie bevorzugt ebenfalls offene, trockene Lebensräume, ist aber auch in Salzstrauchsteppen und lichten Dornbuschgebieten anzutreffen. Beide Arten meiden dichte Wälder und stark bewässerte Gebiete.

Ernährung

Maras sind reine Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern, Kräutern, Blättern und gelegentlich Samen sowie Blüten. In der Trockenzeit fressen sie auch Kakteen und sukkulente Pflanzen, um ihren Wasserbedarf zu decken. Wie alle Meerschweinchenverwandten besitzen sie wurzellose, ständig nachwachsende Backenzähne, die durch das Kauen faserreicher Pflanzenkost kontinuierlich abgenutzt werden. Die Verdauung erfolgt im Blinddarm durch mikrobielle Fermentation – ein Prinzip, das auch bei anderen Caviidae verbreitet ist. Maras praktizieren zudem Caecotrophie: Sie nehmen einen Teil ihres Kots erneut auf, um schwer verdauliche Nährstoffe besser verwerten zu können.

Verhalten & Lebensweise

Maras sind vorwiegend tagaktiv und verbringen die kühleren Morgen- und Abendstunden mit der Nahrungssuche. Während der Mittagshitze ruhen sie häufig in flachen Mulden oder im Schatten von Sträuchern. Anders als viele andere Nagetiere sind Maras ausgesprochen schnelle Läufer. Bei Gefahr können Große Maras Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h erreichen und dabei weite Sprünge vollführen.

Die soziale Grundeinheit bildet ein monogames Paar. Diese Paarbindung ist bei Nagetieren selten und hält in der Regel lebenslang. Das Männchen folgt dem Weibchen auf Schritt und Tritt und verteidigt es aggressiv gegen Rivalen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben Paare überwiegend einzelgängerisch oder in lockeren Verbänden. Eine Besonderheit zeigt sich jedoch in der Jungenaufzucht: Mehrere Paare nutzen gemeinsame Aufzuchthöhlen, sogenannte Crèches, in denen bis zu 30 Jungtiere verschiedener Elternpaare zusammenleben.

Das Revier eines Paares wird durch Duftmarken abgegrenzt. Sowohl Männchen als auch Weibchen verfügen über Analdrüsen, deren Sekret auf Pflanzen und Bodenstellen abgesetzt wird. Zur Kommunikation dienen außerdem verschiedene Lautäußerungen, darunter ein hohes Pfeifen als Warnruf.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Tragzeit der Großen Mara beträgt rund 90 bis 100 Tage und ist damit für ein Nagetier vergleichsweise lang. Ein Wurf umfasst meist ein bis drei Jungtiere, die als Nestflüchter mit offenen Augen, vollständigem Fell und der Fähigkeit, bereits kurz nach der Geburt zu laufen, zur Welt kommen. Die Geburten finden häufig am Eingang der gemeinschaftlichen Crèche-Bauten statt.

Das Weibchen besucht die Crèche ein- bis zweimal täglich zum Säugen und erkennt seinen Nachwuchs anhand von Geruch und Lautäußerungen. Fremde Jungtiere werden konsequent abgewiesen. Nach etwa vier Monaten werden die Jungtiere entwöhnt. Die Geschlechtsreife tritt mit acht bis zwölf Monaten ein. Pro Jahr sind bis zu drei Würfe möglich, wobei in freier Wildbahn häufig nur ein bis zwei Würfe erfolgreich aufgezogen werden.

Be