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Mauerbiene

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Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Osmia (Gattung), bekannteste Art: Osmia bicornis (Rote Mauerbiene)
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Megachilidae (Bauchsammler)
  • Gattung: Osmia
  • Lebensraum: Siedlungsräume, Streuobstwiesen, Waldränder, Trockenmauern, Lössböschungen
  • Größe: 8–14 mm (je nach Art und Geschlecht)
  • Gewicht: ca. 50–120 mg
  • Lebenserwartung: ca. 2–6 Wochen als Imago; gesamter Lebenszyklus rund ein Jahr

Aussehen & Merkmale

Mauerbienen sind kompakt gebaute Wildbienen mit einem gedrungenen Körper und einer dichten Behaarung. Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) trägt am Thorax und den vorderen Hinterleibssegmenten eine rostrote bis orangebraune Pelzbehaarung, während der hintere Hinterleib dunkel, fast schwarz erscheint. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) zeigt eine ähnliche Färbung, lässt sich aber durch zwei kleine, hornartige Fortsätze am Kopfschild der Weibchen unterscheiden – ein Merkmal, das ihr den deutschen Namen eingebracht hat.

Männchen sind in der Regel kleiner als Weibchen und besitzen einen auffällig weißen Haarbüschel an der Stirn, der bei der Bestimmung hilft. Im Gegensatz zu Honigbienen fehlen Mauerbienen die Körbchenstrukturen an den Hinterbeinen. Stattdessen sammeln die Weibchen Pollen mit einer speziellen Bauchbürste (Scopa ventralis) – ein Merkmal der Familie Megachilidae, die daher als Bauchsammler bezeichnet wird. Durch diese Art der Pollenaufnahme ist die Bestäubungsleistung pro Blütenbesuch deutlich höher als bei Honigbienen, da mehr Pollen mit dem Stempel in Kontakt kommt.

Lebensraum & Verbreitung

Die Gattung Osmia ist in der gesamten Paläarktis verbreitet, mit Schwerpunkt in Europa, Nordafrika und den gemäßigten Zonen Asiens. In Mitteleuropa kommen rund 50 Arten vor. Das bevorzugte Habitat variiert je nach Art: Während Osmia bicornis als ausgeprägte Kulturfolgerin in Gärten, Parks und an Gebäudefassaden siedelt, besiedeln andere Arten wie Osmia adunca eher naturnahe Biotope mit reichem Angebot an Natternkopf (Echium vulgare).

Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit geeigneter Nistplätze. Mauerbienen nutzen vorhandene Hohlräume: Käferfraßgänge in Totholz, hohle Pflanzenstängel, Ritzen in Trockenmauern, Lösswände und auch künstliche Nisthilfen. Die Rote Mauerbiene zeigt dabei eine hohe Toleranz gegenüber menschlicher Nähe und besiedelt bereitwillig Fensterrahmen, Rollladenkästen und Insektenhotels.

Ernährung

Adulte Mauerbienen ernähren sich von Nektar, den sie mit ihrer kurzen bis mittellangen Zunge aus Blüten aufnehmen. Der Pollen dient ausschließlich als Larvennahrung und wird zusammen mit Nektar zu einem Vorratsballen (Pollenbrot) geformt, auf dem das Weibchen ein Ei ablegt.

Einige Mauerbienen-Arten sind polylektisch, das heißt, sie nutzen Pollen verschiedener Pflanzenfamilien. Osmia bicornis besucht ein breites Spektrum an Blütenpflanzen, darunter Obstbäume (Apfel, Kirsche, Birne), Ahorn, Löwenzahn und verschiedene Kreuzblütler. Andere Arten sind dagegen oligolektisch und auf bestimmte Pflanzengattungen spezialisiert: Osmia adunca sammelt ausschließlich an Boraginaceae (Raublattgewächse), Osmia aurulenta bevorzugt Schmetterlingsblütler. Diese Spezialisierung macht oligolektische Arten anfälliger gegenüber Veränderungen im Blütenangebot.

Verhalten & Lebensweise

Mauerbienen sind solitär lebende Bienen – jedes Weibchen baut und versorgt sein Nest eigenständig, ohne die Kooperation eines Bienenstaates. Es gibt keine Arbeitsteilung, keine Königin und keine Arbeiterinnen. Allerdings nisten viele Weibchen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander (Nestaggregation), sofern geeignete Nistplätze vorhanden sind.

Die Tiere sind tagaktiv und fliegen bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen ab etwa 8–10 °C. Ihre Flugzeit beginnt je nach Art und Witterung im März (Gehörnte Mauerbiene) oder April (Rote Mauerbiene) und endet im Juni. Mauerbienen sind ausgesprochen friedfertig. Obwohl Weibchen einen Stachel besitzen, setzen sie ihn nur in äußerster Bedrängnis ein. Der Stich ist zudem deutlich schwächer als der einer Honigbiene und für den Menschen weitgehend harmlos.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung im Frühjahr beginnt das Weibchen mit dem Nestbau. Es wählt einen geeigneten Hohlraum und unterteilt ihn in mehrere hintereinander liegende Brutzellen. Jede Zelle wird zunächst mit einem Gemisch aus Pollen und Nektar befüllt, anschließend legt das Weibchen ein einzelnes Ei darauf ab und verschließt die Zelle mit einer Trennwand aus Lehm oder zerkauten Pflanzenteilen. Der gesamte Nistgang wird abschließend mit einem dicken Lehmdeckel versiegelt.

Die Larve schlüpft nach wenigen Tagen und verzehrt den Pollenvorrat innerhalb von etwa vier bis sechs Wochen. Danach spinnt sie einen Kokon und verpuppt sich. Die fertige Biene schlüpft noch im Sommer, verbleibt aber bis zum folgenden Frühjahr im Kokon – eine mehrmonatige Ruhephase (Diapause), die zur Überwinterung dient. Weibchen befinden sich