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Maulwurfsratte

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Spalax spp. (Blindmaulwurfsratten); im weiteren Sinne auch Vertreter der Familien Spalacidae und Bathyergidae
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Spalacidae (Blindmulle) bzw. Bathyergidae (Sandgräber)
  • Lebensraum: Steppen, Halbwüsten, Savannen, Grasland, landwirtschaftliche Flächen
  • Größe: 10–35 cm Körperlänge (artabhängig)
  • Gewicht: 50–570 g
  • Lebenserwartung: 3–6 Jahre in freier Wildbahn; Nacktmulle bis über 30 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Begriff „Maulwurfsratte" ist kein exakt abgegrenzter taxonomischer Name, sondern eine umgangssprachliche Sammelbezeichnung für verschiedene unterirdisch grabende Nagetiere, die durch konvergente Evolution eine ähnliche Körperform entwickelt haben. Am häufigsten bezieht er sich auf die Blindmaulwurfsratten der Gattung Spalax sowie auf afrikanische Sandgräber (Bathyergidae), zu denen unter anderem der Nacktmull (Heterocephalus glaber) und die Graumull-Arten (Fukomys) zählen.

Allen Maulwurfsratten gemeinsam ist ein walzenförmiger, gedrungener Körperbau, der dem Leben im Erdreich angepasst ist. Der Kopf ist breit und flach, der Hals kaum abgesetzt. Die Augen sind bei den Blindmullen (Spalax) vollständig unter der Haut verborgen und funktionslos – eine der extremsten Augenreduktionen unter Säugetieren. Auch die Ohrmuscheln fehlen oder sind auf kleine Hautwülste reduziert. Die oberen und unteren Schneidezähne sind stark vergrößert und stehen aus dem Maul hervor, sodass das Tier mit geschlossenem Maul graben kann, ohne Erde zu verschlucken. Die Lippen schließen hinter den Nagezähnen.

Das Fell ist bei den meisten Arten kurz, dicht und samtartig, ähnlich dem Pelz des echten Maulwurfs. Die Färbung variiert von graubraun bis gelblich oder schiefergrau. Eine auffällige Ausnahme bildet der Nacktmull, dessen Haut nahezu unbehaart und faltig-rosa gefärbt ist. Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig; je nach Art erfolgt das Graben primär mit den Schneidezähnen oder mit den Vorderpfoten.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Blindmaulwurfsratten (Spalax) erstreckt sich über Südosteuropa, Kleinasien, den Nahen Osten und Teile Nordafrikas. Sie besiedeln vorwiegend Steppen, Halbwüsten und agrarisch genutzte Flächen mit lockeren, tiefgründigen Böden. In Europa kommen sie unter anderem in Ungarn, Rumänien, der Ukraine und der Türkei vor.

Die afrikanischen Maulwurfsratten der Familie Bathyergidae bewohnen weite Teile Subsahara-Afrikas – von den ostafrikanischen Savannen bis zu den sandigen Böden des südlichen Afrikas. Ihr bevorzugtes Habitat umfasst trockenes Grasland, lichte Buschvegetation und sandige Ebenen. Die Wahl des Biotops hängt stark von der Bodenbeschaffenheit ab: Zu harte oder zu feuchte Substrate sind für die grabende Lebensweise ungeeignet.

Ernährung

Maulwurfsratten sind Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus unterirdischen Pflanzenteilen – Knollen, Zwiebeln, Rhizome und Wurzeln –, die sie beim Graben ihrer Tunnelsysteme freilegen. Ergänzend fressen sie auch oberirdische Pflanzenteile, die sie in Mundnähe an Gangöffnungen heranziehen. Einige Arten legen umfangreiche Vorratskammern an, in denen sie gesammelte Nahrung für Trockenperioden oder den Winter lagern. Bei Spalax wurden Vorratskammern mit mehreren Kilogramm gesammelter Knollen und Wurzeln dokumentiert. In landwirtschaftlich genutzten Gebieten können Maulwurfsratten durch das Abfressen von Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Rüben und Möhren erhebliche Schäden verursachen.

Verhalten & Lebensweise

Maulwurfsratten verbringen nahezu ihr gesamtes Leben unterirdisch. Sie legen ausgedehnte Gangsysteme an, die aus Wohnkammern, Vorratskammern, Kotkammern und einem verzweigten Netz aus Futtergängen bestehen. Die Tunnelsysteme eines einzelnen Tieres oder einer Kolonie können sich über mehrere hundert Meter erstrecken. Beim Graben lockert das Tier das Erdreich mit den Schneidezähnen oder den Vorderpfoten und schiebt es mit den Hinterpfoten und dem Kopf nach hinten. In regelmäßigen Abständen wird überschüssige Erde an die Oberfläche gedrückt, wodurch die charakteristischen Erdhaufen entstehen.

Die meisten Arten der Gattung Spalax leben als Einzelgänger und verteidigen ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen. Begegnungen zwischen Individuen finden praktisch nur zur Paarungszeit statt. Im Gegensatz dazu zeigen mehrere afrikanische Bathyergidae-Arten eine hochsoziale Lebensweise. Der Nacktmull bildet Kolonien von bis zu 300 Tieren mit einer eusozialen Struktur, die an Insektenstaaten erinnert: Nur eine dominante Königin pflanzt sich fort, während die übrigen Tiere als Arbeiter Tunnel graben, Nahrung beschaffen oder als Soldaten die Kolonie gegen Fressfeinde verteidigen.

Maulwurfsratten kommunizieren unterirdisch vor allem über Vibrationen, die sie durch rhythmisches Kopftrommeln gegen die Tunnelwände erzeugen. Lautäußerungen spielen eine untergeordnete Rolle. Einen klassischen Tag-Nacht-Rhythmus im engeren Sinne gibt es kaum, da die Tiere im permanenten Dunkel ihrer Gänge leben; Aktivitäts- und Ruhephasen wechseln mehrfach innerhalb von 24 Stunden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Bei den Blindmaulwurfsratten (