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Meerschweinchen

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cavia porcellus
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
  • Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
  • Gattung: Cavia
  • Ursprünglicher Lebensraum: Graslandschaften und Hochebenen Südamerikas
  • Größe: 20–35 cm Körperlänge
  • Gewicht: 700–1.200 g (je nach Rasse und Geschlecht)
  • Lebenserwartung: 5–8 Jahre, in Einzelfällen bis 10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Meerschweinchen besitzen einen gedrungenen, walzenförmigen Körper mit kurzem Hals und verhältnismäßig großem Kopf. Die Ohren sind klein, rundlich und nahezu unbehaart. Die Augen sitzen seitlich am Kopf und ermöglichen ein weites Gesichtsfeld, was typisch für Beutetiere ist. Ein äußerlich sichtbarer Schwanz fehlt; lediglich rudimentäre Schwanzwirbel sind unter der Haut vorhanden.

Die Vorderpfoten tragen vier Zehen, die Hinterpfoten drei. Alle Zehen sind mit kurzen, stumpfen Krallen versehen, die sich zum Scharren eignen. Das Fell variiert bei der domestizierten Form stark in Länge, Textur und Farbe – von kurzem, glattem Haar (wie beim Glatthaar-Meerschweinchen) über Wirbelmuster (Rosetten-Meerschweinchen) bis hin zu langen, seidigen Haaren (Peruaner, Sheltie). Wildlebende Vertreter der Gattung Cavia zeigen hingegen ein einheitliches, kurzes, graubraunes bis olivbraunes Fell, das als Tarnung in offenen Graslandschaften dient.

Das Gebiss der Meerschweinchen ist, wie bei allen Nagetieren, durch das Fehlen der Eckzähne und das Vorhandensein ständig nachwachsender Schneidezähne gekennzeichnet. Die Backenzähne besitzen hohe Kronen (hypsodont) und wachsen ebenfalls lebenslang nach – eine Anpassung an die abrasive pflanzliche Nahrung.

Lebensraum & Verbreitung

Die Wildformen der Gattung Cavia sind in Südamerika beheimatet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Kolumbien und Venezuela über Peru, Bolivien und Brasilien bis nach Argentinien und Uruguay. Sie besiedeln unterschiedliche Habitate: offene Graslandschaften, Savannen, Buschland, Sumpfränder und die Hochebenen der Anden bis auf etwa 4.200 Meter Höhe. Als Biotop bevorzugen sie Gebiete mit dichter Bodenvegetation, die Deckung vor Raubtieren bietet.

Die domestizierte Form Cavia porcellus hat kein natürliches Verbreitungsgebiet mehr. Sie wurde vor rund 3.000 bis 5.000 Jahren von den Völkern der Anden – vermutlich ausgehend vom Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii) – als Fleischlieferant domestiziert. In den Andenstaaten Peru, Bolivien und Ecuador werden Meerschweinchen bis heute als Nutztiere gehalten. Als Heimtier sind sie weltweit verbreitet.

Ernährung

Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser (Herbivoren). In freier Wildbahn ernähren sie sich vorwiegend von Gräsern, Kräutern, Blättern und Pflanzenstängeln. Das rohfaserreiche Futter ist entscheidend für die Funktion des Verdauungstrakts und den Abrieb der ständig nachwachsenden Zähne.

Eine physiologische Besonderheit teilen Meerschweinchen mit dem Menschen und wenigen anderen Säugetieren: Sie können Vitamin C (Ascorbinsäure) nicht selbst synthetisieren, da ihnen das Enzym L-Gulonolactonoxidase fehlt. Sie sind daher auf eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung angewiesen. In der Heimtierhaltung wird dieser Bedarf durch frisches Gemüse, Kräuter und Gräser gedeckt. Heu sollte stets in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen, da es die Basis der Ernährung bildet.

Meerschweinchen praktizieren Caecotrophie: Sie nehmen bestimmte weiche Kotbällchen (Blinddarmkot) direkt vom After auf, um darin enthaltene Vitamine und Nährstoffe ein zweites Mal durch den Verdauungstrakt zu führen.

Verhalten & Lebensweise

Meerschweinchen sind ausgeprägt soziale Tiere. In der Wildnis leben sie in kleinen Gruppen von 5 bis 10 Individuen, gelegentlich auch in größeren Verbänden. Eine Gruppe besteht typischerweise aus einem dominanten Männchen (Bock), mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Die Tiere sind nicht streng territorial, verteidigen aber ihre unmittelbare Umgebung gegen fremde Artgenossen.

Entgegen einer verbreiteten Annahme sind Meerschweinchen nicht nachtaktiv, sondern dämmerungsaktiv mit Aktivitätsphasen, die sich über den gesamten Tag verteilen. Sie graben keine eigenen Baue, sondern nutzen natürliche Verstecke, Felsspalten oder die verlassenen Baue anderer Tiere. In dichter Vegetation legen sie Laufwege und Tunnel an.

Meerschweinchen verfügen über ein differenziertes Lautrepertoire. Bekannt ist das sogenannte „Quieken" (Wheeking), das in der Heimtierhaltung häufig als Bettelruf bei Futtergabe ertönt. Daneben gibt es Gurren, Zirpen, Zähneklappern als Drohgebärde und ein tiefes Brummen (Rumblestrutting), das während der Balz oder bei Imponierverhalten auftritt. Zur Kommunikation dienen zudem Duftmarkierungen über Drüsen an der Afterregion und im Bereich der Augen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Meerschweinchen-Weibchen sind mit etwa 4 bis 6 Wochen geschlechtsreif, Böcke mit etwa 3 bis 5 Wochen. Die Tragzeit ist mit durchschnittlich 68 Tagen (Spanne: 59–72 Tage) für ein Nagetier dieser Größe ungewöhnlich lang. Dies hängt mit dem hohen Entwicklungsgrad der