Mistwurm
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Eisenia fetida (Savigny, 1826)
- Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
- Klasse: Gürtelwürmer (Clitellata)
- Ordnung: Wenigborster (Oligochaeta)
- Familie: Regenwürmer (Lumbricidae)
- Gattung: Eisenia
- Lebensraum: Kompost, Misthaufen, verrottendes Pflanzenmaterial, humusreiche Böden
- Größe: 4–14 cm Länge
- Gewicht: 0,3–1,5 g
- Lebenserwartung: 2–5 Jahre unter günstigen Bedingungen
Aussehen & Merkmale
Der Mistwurm, auch als Stinkwurm, Kompostwurm oder Tigerwurm bezeichnet, gehört zur Familie der Lumbricidae und ist einer der bekanntesten Vertreter der Wenigborster (Oligochaeta). Sein Körper besteht aus 80 bis 120 Segmenten, die durch deutlich sichtbare Ringfurchen voneinander abgesetzt sind. Die Grundfärbung variiert zwischen rotbraun und dunkelrot, wobei die einzelnen Segmente oft gelblich gestreifte Zwischenräume aufweisen – ein Merkmal, das ihm den englischen Beinamen „Tiger Worm" eingetragen hat.
Wie alle Oligochaeten besitzt der Mistwurm pro Segment kurze, nach hinten gerichtete Borsten (Chaetae), die der Fortbewegung im Substrat dienen. Ein auffälliges äußeres Merkmal ist das Clitellum, ein verdickter Drüsengürtel, der sich bei geschlechtsreifen Tieren etwa zwischen dem 24. und 32. Segment befindet. Dieses Clitellum spielt eine zentrale Rolle bei der Fortpflanzung. Ein typisches Erkennungsmerkmal gegenüber dem verwandten Tauwurm (Lumbricus terrestris) ist die deutlich geringere Körpergröße sowie die charakteristische Querstreifung. Bei mechanischer Reizung sondert Eisenia fetida eine gelbliche, übelriechende Cölomflüssigkeit ab – daher der volkstümliche Name „Stinkwurm".
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Mistwurms liegt vermutlich in den gemäßigten Zonen Europas. Durch den Menschen wurde die Art jedoch weltweit verschleppt und gilt heute als kosmopolitisch. Sie kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor.
Als epigeische Art – also als Bewohner der obersten Bodenschicht – besiedelt der Mistwurm bevorzugt Habitate mit hohem Anteil an organischem Material. Sein typisches Biotop sind Komposthaufen, Misthaufen, verrottende Laubschichten und Ansammlungen von Pflanzenmaterial. Im Gegensatz zu endogeischen Arten wie dem Gemeinen Regenwurm (Lumbricus terrestris), der tiefe vertikale Röhren gräbt, hält sich der Mistwurm fast ausschließlich in den oberen 10 bis 30 Zentimetern des Substrats auf. Er benötigt feuchte Bedingungen, Temperaturen zwischen 15 und 25 °C sowie einen pH-Wert im leicht sauren bis neutralen Bereich (pH 5–7). In natürlichen Böden ohne ausreichende Streuschicht ist er selten anzutreffen.
Ernährung
Der Mistwurm ist ein saprophager Organismus, der sich von abgestorbenem pflanzlichem Material, Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukten ernährt. Er nimmt das Substrat über die Mundöffnung am Vorderende auf, wobei der muskulöse Pharynx als Saugpumpe wirkt. Im Muskelmagen wird das Material mithilfe aufgenommener mineralischer Partikel mechanisch zerkleinert. Die eigentliche Verdauung erfolgt im Mitteldarm durch körpereigene Enzyme sowie durch die Aktivität symbiotischer Darmbakterien.
Bevorzugt werden weiche, bereits teilweise zersetzte organische Substanzen: Küchenabfälle, Pflanzenreste, Kaffeesatz, Papier und Tierdung. Frisches, noch nicht angerottetes Material oder stark saure Substrate wie Zitrusfrüchte werden gemieden. Täglich kann ein Mistwurm etwa die Hälfte seines Körpergewichts an organischer Substanz verarbeiten. Die ausgeschiedenen Kotballen – der sogenannte Wurmhumus oder Vermicompost – sind ein nährstoffreicher, fein krümeliger Dünger mit hoher Wasser- und Nährstoffspeicherkapazität.
Verhalten & Lebensweise
Der Mistwurm ist überwiegend nachtaktiv und meidet direktes Licht, da er über lichtempfindliche Sinneszellen in der Epidermis verfügt. Tagsüber zieht er sich in tiefere Substratschichten zurück. Er lebt gesellig und bildet bei günstigen Bedingungen dichte Populationen von mehreren Tausend Individuen pro Quadratmeter.
Ein ausgeprägtes Territorialverhalten existiert nicht. Die Tiere bewegen sich durch peristaltische Kontraktionen der Längs- und Ringmuskulatur fort. Bei Austrocknung des Substrats oder extremen Temperaturen rollen sich Mistwürmer zusammen und fallen in eine Art Ruhezustand. Auf Erschütterungen reagieren sie mit schnellem Rückzug in tiefere Schichten – ein Fluchtverhalten, das vermutlich dem Schutz vor grabenden Prädatoren dient. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Vögel, Maulwürfe, Spitzmäuse, Laufkäfer und verschiedene Amphibienarten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Eisenia fetida ist wie alle Regenwürmer ein Zwitter (Hermaphrodit). Jedes Individuum besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane, eine Selbstbefruchtung findet jedoch in der Regel nicht statt. Zur Paarung legen sich zwei Tiere mit den Bauchseiten aneinander, wobei die Kopfenden in entgegengesetzte Richtungen weisen. In dieser Position tauschen sie gegenseitig Sperma aus, das in speziellen Samentaschen (Receptacula seminis) des jeweiligen Partners gespeichert wird.
Nach der Begattung bildet das Clitellum einen schleimigen Ring, der über den Körper nach vorn abgestreift wird. Dabei nimmt er Eizellen und das zuvor empfangene Fremdsperma auf. Der Ring verschließt sich an beiden Enden und