Mittelmeer-Laubfrosch
MTierart – Amphibien > Froschlurche – Frösche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hyla meridionalis
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Laubfrösche (Hylidae)
- Gattung: Hyla
- Lebensraum: Buschland, Feuchtgebiete, Gärten und lichte Wälder im Mittelmeerraum
- Größe: 4–5,5 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
- Gewicht: 5–10 g
- Lebenserwartung: ca. 5–8 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Mittelmeer-Laubfrosch ist ein zierlicher, kompakt gebauter Froschlurch, der dem nah verwandten Europäischen Laubfrosch (Hyla arborea) auf den ersten Blick stark ähnelt. Die Oberseite ist in der Regel leuchtend grün gefärbt, kann aber je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Untergrund in gelbliche, bräunliche oder gräuliche Töne wechseln. Dieser Farbwechsel wird durch Chromatophoren – spezialisierte Pigmentzellen in der glatten, drüsenreichen Haut – ermöglicht.
Das zentrale Unterscheidungsmerkmal gegenüber Hyla arborea ist der deutlich verkürzte oder gänzlich fehlende dunkle Seitenstreifen. Beim Europäischen Laubfrosch zieht sich ein markanter dunkelbrauner bis schwarzer Streifen von der Nase über das Trommelfell bis in die Flanke, oft mit einer Schlaufe in der Hüftregion. Beim Mittelmeer-Laubfrosch reicht dieser Streifen hingegen nur vom Nasenloch bis hinter das Trommelfell und endet dort abrupt, ohne sich in die Flanke fortzusetzen. Die Unterseite ist weißlich bis cremefarben und deutlich körniger als die Oberseite.
Die Finger und Zehen tragen – wie für Laubfrösche typisch – runde Haftscheiben, die als Saugnäpfe funktionieren und dem Tier das Klettern auf glatten Blattoberflächen, Stängeln und sogar Glasscheiben erlauben. Die Pupillen sind horizontal oval, die Augen verhältnismäßig groß. Die Hinterbeine sind lang und kräftig, gut angepasst an die kletternde und springende Fortbewegung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Hyla meridionalis erstreckt sich über weite Teile des westlichen Mittelmeerraums. Die Art besiedelt Südfrankreich, die Iberische Halbinsel, die Balearen, Teile Nordwestafrikas (Marokko, Algerien, Tunesien) sowie einige Mittelmeerinseln wie Menorca und die Kanaren. Isolierte Populationen existieren zudem in Ligurien (Nordwestitalien). Die Vorkommen auf den Kanarischen Inseln und Madeira gehen vermutlich auf menschliche Einschleppung zurück.
Als Habitat bevorzugt der Mittelmeer-Laubfrosch halboffene Landschaften mit dichter, niedriger Vegetation in Gewässernähe. Typische Biotope sind Schilfgürtel an Teichen und Gräben, Macchie, bewässerte Agrarflächen, Reisfelder, Gärten und Parklandschaften. Er kommt vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern vor, wobei die Mehrzahl der Populationen in tiefer gelegenen, wärmeren Regionen lebt. Die Art ist stärker an trocken-warme Klimabedingungen angepasst als der Europäische Laubfrosch und besiedelt daher auch Gebiete mit ausgeprägter sommerlicher Trockenheit – vorausgesetzt, es stehen Gewässer für die Fortpflanzung zur Verfügung.
Ernährung
Der Mittelmeer-Laubfrosch ernährt sich ausschließlich von tierischer Kost. Sein Beutespektrum umfasst Insekten wie Fliegen, Mücken, Käfer und Schmetterlinge sowie Spinnen und andere kleine Gliedertiere. Die Jagd erfolgt überwiegend nach dem Sit-and-wait-Prinzip: Das Tier verharrt regungslos auf einem Blatt oder Ast und schnappt vorbeikommende Beutetiere mit einer schnellen Bewegung der klebrigen Zunge. Gelegentlich werden Beutetiere auch aktiv angesprungen. Kaulquappen ernähren sich dagegen vorwiegend herbivor, also von Algen, Detritus und abgestorbenen Pflanzenteilen im Wasser.
Verhalten & Lebensweise
Hyla meridionalis ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht das Tier meist versteckt zwischen Blättern, in Spalten oder an der Unterseite von Pflanzen, wobei die grüne Hautfärbung als Tarnung dient. In den Abendstunden wird der Frosch aktiv und begibt sich auf Nahrungssuche.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit lebt die Art einzelgängerisch und zeigt kein Territorialverhalten im engeren Sinne. Sie verbringt den Großteil ihres Lebens an Land in der Vegetation und sucht Gewässer fast ausschließlich zur Paarungszeit auf. In Regionen mit kalten Wintern hält der Mittelmeer-Laubfrosch eine Winterruhe in frostfreien Verstecken wie Erdlöchern, Mauerspalten oder unter Steinen. In milderen Gebieten Nordafrikas oder an der Südküste Spaniens kann er hingegen ganzjährig aktiv sein.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balzzeit beginnt je nach Region zwischen Februar und April und kann sich bis in den Mai erstrecken. Die Männchen versammeln sich an stehenden oder langsam fließenden Gewässern – bevorzugt an pflanzenreichen Tümpeln, Weihern und Bewässerungsgräben – und rufen dort lautstark nach Weibchen. Der Paarungsruf ist ein rhythmisch wiederholtes, einsilbiges „ärr…ärr…ärr", das etwas tiefer und langsamer klingt als der Ruf des Europäischen Laubfrosches. Rufende Männchen blasen dabei eine große, kehlständige Schallblase auf, die den Ruf erheblich verstärkt. In günstigen Nächten können Rufchöre über mehrere hundert Meter Entfernung wahrgenommen werden