Moderlieschen
MTierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Leucaspius delineatus
- Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Gattung: Leucaspius
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Altarme, Weiher, Gräben
- Größe: 6–9 cm, selten bis 12 cm
- Gewicht: 5–15 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Moderlieschen ist ein ausgesprochen zierlicher Süßwasserfisch mit schlankem, seitlich leicht abgeflachtem Körper. Die Grundfärbung variiert von silbrig-grau bis grünlich-silbern auf dem Rücken, während die Flanken einen hellen, metallisch glänzenden Silberton zeigen. Entlang der Körpermitte zieht sich ein bläulich schimmernder Längsstreifen, der je nach Lichteinfall mehr oder weniger deutlich hervortritt. Die Bauchseite ist weißlich bis leicht gelblich.
Ein kennzeichnendes Merkmal ist die Seitenlinie, die bei dieser Art unvollständig ausgebildet ist. Sie erstreckt sich lediglich über die ersten fünf bis zwölf Schuppen hinter dem Kiemendeckel und endet dann abrupt – ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, das das Moderlieschen von ähnlich aussehenden Kleinfischen wie dem Ukelei (Alburnus alburnus) unterscheidet. Die Schuppen sind relativ groß und sitzen locker, sodass sie bei Berührung leicht abfallen.
Das Maul ist oberständig, was auf die bevorzugte Nahrungsaufnahme an der Wasseroberfläche hindeutet. Die Augen sind verhältnismäßig groß. Die Rückenflosse setzt deutlich hinter den Bauchflossen an. Insgesamt besitzt das Moderlieschen 40 bis 45 Schuppen entlang der gedachten Seitenlinie.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Moderlieschens erstreckt sich über weite Teile Europas, von Ostfrankreich über Mitteleuropa bis nach Westsibirien und in den Kaukasus. In Deutschland kommt die Art in nahezu allen Bundesländern vor, zeigt jedoch regional deutliche Bestandsunterschiede. In Skandinavien und auf den Britischen Inseln fehlt sie weitgehend.
Als Lebensraum bevorzugt das Moderlieschen stehende oder nur schwach durchströmte Gewässer. Typische Habitate sind Altarme von Flüssen, flache Weiher, Teiche, Tümpel, Moorgewässer und wasserführende Gräben. Die Art besiedelt bevorzugt Biotope mit dichter Unterwasser- und Ufervegetation, da Wasserpflanzen sowohl Schutz vor Fressfeinden als auch Laichsubstrat bieten. Auch Gartenteiche werden bereitwillig angenommen, weshalb das Moderlieschen in der Teichaquaristik eine gewisse Beliebtheit genießt.
Die Art toleriert warme, nährstoffreiche Gewässer mit niedrigem Sauerstoffgehalt besser als viele andere heimische Fischarten. Selbst in sauerstoffarmen, stark verkrauteten Kleingewässern kann sie stabile Populationen aufbauen – ein ökologischer Vorteil gegenüber konkurrierenden Arten.
Ernährung
Das Moderlieschen ist ein Allesfresser mit Schwerpunkt auf tierischer Kleinstnahrung. Den Hauptanteil der Nahrung bilden Zooplankton, insbesondere Wasserflöhe (Daphnia), Hüpferlinge (Copepoda) und Rädertierchen. Daneben werden Insektenlarven, an der Oberfläche treibende Insekten und pflanzliches Material wie Algen und Pollen aufgenommen.
Die oberständige Maulstellung weist auf die bevorzugte Nahrungsaufnahme im Bereich der Wasseroberfläche hin. Dort sammeln die Tiere gezielt Anflugnahrung und im Oberflächenfilm treibende Organismen. In den Sommermonaten, wenn das Planktonangebot hoch ist, ernähren sich Moderlieschen fast ausschließlich von Kleinkrebsen.
Verhalten & Lebensweise
Moderlieschen sind ausgeprägte Schwarmfische, die in teils sehr großen Gruppen die oberen Wasserschichten durchstreifen. Die Schwärme halten sich bevorzugt in Ufernähe zwischen Wasserpflanzen auf, wo sie bei Gefahr rasch Deckung finden können. Die Aktivitätsphase erstreckt sich überwiegend auf die Tageslichtstunden; bei Dämmerung ziehen sich die Schwärme in dichtere Vegetationszonen zurück.
Innerhalb des Schwarms zeigen die Tiere ein synchrones Schwimmverhalten, das der Feindvermeidung dient. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Raubfische wie Hecht (Esox lucius) und Barsch (Perca fluviatilis), aber auch Eisvögel, Graureiher und die Ringelnatter. Aufgrund ihrer geringen Größe stehen Moderlieschen in der Nahrungskette weit unten und spielen als Futterfisch eine nicht unerhebliche Rolle im Ökosystem stehender Gewässer.
Gegenüber Artgenossen verhält sich das Moderlieschen friedlich. Es bildet keine Reviere im eigentlichen Sinne – lediglich die Männchen zeigen während der Laichzeit ein gewisses Territorialverhalten in unmittelbarer Nähe des Laichplatzes.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit erstreckt sich von April bis Juni, wenn die Wassertemperaturen etwa 18 bis 20 °C erreichen. Zur Fortpflanzungszeit entwickeln die Männchen einen auffälligen Laichausschlag in Form kleiner weißlicher Knötchen auf dem Kopf und teilweise auf den Schuppen. Die Körperfärbung der Männchen intensiviert sich, der bläuliche Seitenstreifen tritt stärker hervor.
Das Laichverhalten des Moderlieschens ist unter den einheimischen Fischarten außergewöhnlich: Die Weibchen legen ihre Eier in spiralförmigen Bändern um dünne Pflanzenstängel, Schilfhalme oder Wurzeln ab. Ein Gelege umfasst etwa 100 bis 300 Eier, die in charakteristischen Ringen um das Substrat gewickelt werden. Die Eier sind klebrig