Moorfrosch
MTierart – Amphibien > Froschlurche – Frösche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rana arvalis
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Echte Frösche (Ranidae)
- Gattung: Echte Frösche (Rana)
- Lebensraum: Moore, Feuchtwiesen, Bruchwälder, Sümpfe
- Größe: 5–7 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
- Gewicht: 10–25 g
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre, in Ausnahmefällen bis 11 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Moorfrosch ist ein eher zierlich gebauter Braunfrosch mit einer Kopf-Rumpf-Länge von fünf bis sieben Zentimetern. Die Oberseite ist bräunlich, graubraun oder olivbraun gefärbt, gelegentlich mit einem breiten, hellen Rückenstreifen. An den Flanken verläuft auf jeder Seite ein deutlich abgesetzter, dunkler Schläfenfleck, der sich vom Auge bis hinter das Trommelfell erstreckt. Die Haut ist vergleichsweise glatt, zeigt jedoch vereinzelt flache Drüsenleisten an den Rückenseiten (Dorsalfalten). Die Unterseite ist weißlich bis gelblich und in der Regel ungefleckt – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem ähnlichen Grasfrosch (Rana temporaria), dessen Bauch oft marmoriert ist.
Die Hinterbeine sind relativ kurz; wird das Sprunggelenk nach vorn angelegt, reicht es bei den meisten Individuen nicht über die Schnauzenspitze hinaus. Der Fersenhöcker (Metatarsaltuberkel) an der Innenseite des Fußes ist auffallend hoch und seitlich zusammengedrückt – ein diagnostisches Merkmal zur Abgrenzung vom Grasfrosch. Die Pupille ist waagerecht elliptisch, die Iris goldbraun.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Moorfroschs erstreckt sich von Frankreich und den Benelux-Staaten ostwärts über Mittel- und Nordeuropa bis nach Westsibirien. In Skandinavien kommt die Art vor allem in Südschweden und Südfinnland vor; die südliche Arealgrenze verläuft durch Norditalien und den Balkan. In Deutschland gilt der Moorfrosch als Art der Tiefebenen und besiedelt schwerpunktmäßig die Norddeutsche Tiefebene sowie das Alpenvorland.
Als Habitat bevorzugt Rana arvalis offene bis halboffene Feuchtbiotope: Hoch- und Niedermoore, Nasswiesen, Bruchwälder, Seggenriede und die Randzonen von Flussauen. Entscheidend ist das Vorhandensein von besonnten, flachen Stillgewässern als Laichhabitat sowie feuchter, deckungsreicher Landlebensräume in unmittelbarer Nähe. Trockene oder intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen werden gemieden. Im Vergleich zu anderen Braunfröschen zeigt der Moorfrosch eine stärkere Bindung an saure, nährstoffarme Gewässer.
Ernährung
Der Moorfrosch ernährt sich ausschließlich carnivor. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Insekten (Käfer, Fliegen, Ameisen), Spinnen, Asseln, Schnecken und Würmer. Die Beute wird durch Zungenschlag erbeutet oder direkt mit dem Maul gepackt. Larven (Kaulquappen) ernähren sich dagegen vorwiegend herbivor und weiden Algenrasen, Detritus und abgestorbenes Pflanzenmaterial von Unterwassersubstraten ab.
Verhalten & Lebensweise
Außerhalb der Fortpflanzungszeit lebt der Moorfrosch weitgehend einzelgängerisch und bodennah. Er ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann jedoch an feuchten, bedeckten Tagen auch tagsüber aktiv werden. Tagsüber versteckt er sich unter Totholz, in Moos- und Graspolstern oder in Kleinsäugerbauten.
Die Winterstarre verbringt Rana arvalis je nach Region von Oktober bis Februar/März. Überwinterungsquartiere sind frostfreie Erdverstecke, Laubhaufen, Steinaufschüttungen oder auch der Gewässergrund. Im Frühjahr wandern die Tiere, oft schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, in großer Zahl zu ihren Laichgewässern. Die Wanderstrecken betragen gewöhnlich wenige hundert Meter, können aber auch bis zu anderthalb Kilometer lang sein.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz- und Laichzeit setzt je nach Witterung bereits Ende Februar ein und kann bis in den April reichen. Der Moorfrosch gehört damit zu den frühlaichenden Amphibienarten Mitteleuropas. Die Männchen finden sich in großen Ansammlungen an flachen, besonnten Gewässerstellen ein und äußern ihren Paarungsruf – ein leises, glucksend-blubberndes „uog … uog … uog", das im Chor über beträchtliche Entfernungen hörbar wird.
Während der Laichzeit färben sich die Männchen intensiv blau bis violettblau. Diese spektakuläre Blaufärbung entsteht durch eine lichtbrechende Veränderung der Hautstruktur und dient vermutlich der innerartlichen Signalgebung bei der Partnerfindung. Das Phänomen dauert nur wenige Tage an und ist unter europäischen Froschlurchen einzigartig.
Die Paarung erfolgt im Amplexus: Das Männchen klammert sich hinter den Vorderbeinen des Weibchens fest. Das Weibchen legt einen Laichballen mit 500 bis 3.000 Eiern ab, der an Pflanzenstängeln knapp unter der Wasseroberfläche befestigt wird. Mehrere Laichballen liegen oft dicht beieinander und bilden sogenannte Laichgesellschaften. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur zehn bis zwanzig Tage. Die Kaulquappen metamorphosieren nach zwei bis drei Monaten zu kleinen Jungfröschen von etwa 15 mm Länge, die das Gewässer im Frühsommer verlassen. Die Geschlechtsreife wird nach zwei bis drei Jahren erreicht.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN stuft den Moorfrosch global als „Least Concern" (nicht gefährdet)