Motmot
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Momotidae
- Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
- Familie: Sägeracken (Momotidae)
- Gattungen: 6 Gattungen mit 14 anerkannten Arten, darunter Momotus, Baryphthengus, Eumomota, Electron, Hylomanes und Aspatha
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: 17–48 cm (je nach Art)
- Gewicht: 25–175 g
- Lebenserwartung: Ca. 12–14 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Motmots gehören zu den farbenprächtigsten Vögeln der Neotropis. Ihr Gefieder zeigt in der Regel eine Kombination aus Grün-, Blau-, Türkis- und Rostbrauntönen. Viele Arten tragen eine schwarze Augenmaske, die von türkisfarbenen oder blauen Federrändern eingefasst wird. Der kräftige, leicht nach unten gebogene Schnabel ist an den Rändern gesägt – ein Merkmal, das der Familie ihren deutschen Namen Sägeracken eingebracht hat. Diese Sägezähnung dient dem Festhalten glatter Beutetiere wie Insekten und kleiner Eidechsen.
Das auffälligste Kennzeichen vieler Motmot-Arten sind die beiden verlängerten mittleren Steuerfedern des Schwanzes. Bei Arten wie dem Blaukappenmotmot (Momotus momota) oder dem Türkisbrauenmotmot (Eumomota superciliosa) weisen diese Federn an ihrem Ende racketförmige Verbreiterungen auf, die sogenannten Schwanzracken. Der nackte Federschaft entsteht, weil die Vögel die lose sitzenden Federfahnen durch regelmäßiges Putzen selbst entfernen – ein Vorgang, der als selbstinduzierte Federmodifikation beschrieben wird. Nur bei wenigen Arten, etwa dem Laubmotmot (Hylomanes momotula), fehlt dieses Merkmal.
Die Körpergröße variiert erheblich innerhalb der Familie. Der Laubmotmot erreicht als kleinste Art lediglich 17 cm Gesamtlänge, während der Rotbauchmotmot (Baryphthengus martii) mit bis zu 48 cm die größte Art darstellt. Bei den meisten Arten besteht kein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus; Männchen und Weibchen gleichen sich äußerlich weitgehend.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Motmots erstreckt sich von Nordmexiko über ganz Mittelamerika bis in den Norden Argentiniens und nach Trinidad. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mittelamerika und dem nördlichen Südamerika. Als Habitat bevorzugen die meisten Arten dichte tropische Regenwälder, kommen aber auch in Nebelwäldern, Trockenwäldern, Sekundärwäldern und an Waldrändern vor. Einzelne Arten wie der Türkisbrauenmotmot besiedeln darüber hinaus halboffene Landschaften, Plantagen und Gärten in der Nähe menschlicher Siedlungen.
In der Vertikalen besiedeln Motmots ein breites Spektrum: Von Tieflandregenwäldern auf Meereshöhe bis hin zu Bergwäldern in Höhen von über 2.500 Metern. Der Hochland-Motmot (Aspatha gularis) ist beispielsweise an die montanen Biotope Mittelamerikas gebunden.
Ernährung
Motmots sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Ihre Nahrung umfasst große Insekten wie Käfer, Heuschrecken und Schmetterlinge, daneben Spinnen, Skorpione, kleine Eidechsen, Frösche und gelegentlich kleine Schlangen. Ergänzend fressen sie reife Früchte und Beeren, deren Anteil je nach Saison und Verfügbarkeit schwankt.
Die Jagdtechnik ähnelt der vieler Rackenvögel: Motmots sitzen ruhig auf einem Ansitz in mittlerer Höhe des Waldes und beobachten den Boden sowie die umgebende Vegetation. Erspähen sie ein Beutetier, fliegen sie es in einem kurzen, gezielten Stoßflug an. Größere Beute wird nach dem Fang wiederholt gegen den Ast geschlagen, bevor sie verschlungen wird. Dieses Verhalten dient dem Abtöten der Beute und dem Entfernen giftiger Stacheln oder harter Chitinpanzer.
Verhalten & Lebensweise
Motmots leben überwiegend einzelgängerisch oder paarweise. Sie sind tagaktiv, zeigen ihre höchste Aktivität jedoch in den Dämmerungsphasen am frühen Morgen und späten Nachmittag. In der Mittagshitze verharren sie oft regungslos auf schattigen Ästen – ein Verhalten, das sie für unerfahrene Beobachter leicht übersehbar macht.
Ein charakteristisches Verhaltensmerkmal ist das rhythmische Pendeln des Schwanzes, das wie ein Uhrwerk hin und her schwingt. Die biologische Funktion dieses Schwanzpendelns ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Eine verbreitete Hypothese besagt, dass es Fressfeinden signalisiert, dass der Vogel wachsam ist und eine Attacke wenig Erfolg verspräche – ein sogenanntes Verfolgungs-Abschrecksignal.
Die Reviere sind vergleichsweise groß und werden durch die namensgebenden, tiefen und dumpfen Rufe markiert. Der typische Ruf vieler Momotus-Arten besteht aus zweisilbigen, eulenartigen Lauten – „mot-mot" oder „hoot-hoot" –, die über weite Distanzen im Wald hörbar sind und dem Vogel seinen Trivialnamen gaben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Motmots sind Höhlenbrüter. Beide Partner graben gemeinsam eine Brutröhre in eine Erdböschung, eine Flussuferwand oder einen Termitenhügel. Diese Röhren können bis zu 1,5 Meter tief sein und enden in einer erweiterten Nistkammer. Die Grabarbeiten beginnen oft Wochen oder Monate vor der eigentlichen Eiablage.